Aufruf der Intellektuellen aus dem Westen der Ukraine an die Regierung

25. Februar 2014 • Archiv

Wir appellieren an die Werchowna Rada [Red.: das ukrainische Parlament], die neuen Regierungsmitglieder und den Interimspräsidenten der Ukraine, eine ausgewogene kulturelle und sprachliche Politik zu führen.

Die Ukraine hat sehr tragische Tage erlebt. Hunderte Kinder unseres Landes haben ihr Leben verloren, Tausende sind verwundet. Mit Tränen in den Augen beerdigen wir die Besten, die das Regime Yanulowitschs ermordet hat. Gleichzeitig hören wir mit großer Besorgnis von der Notwendigkeit des Aufmarsches in den Osten und Süden der Ukraine. Wir rufen die Werchowna Rada zu Ausgewogenheit auf. Die Verbrechen des Regimes müssen ohne Verzögerung ermittelt werden, und alle Anstifter, Organisatoren und Vollzieher strenge Strafen bekommen. Dafür darf aber nicht Lynchjustiz angewendet werden. Das Wichtigste ist, das die Bestrafung der Mörder unwiederbringlich ist und die Reformen im Land durchgehend und tiefgreifend sind.

Wir sind uns bewusst, dass im Laufe einiger Jahrzehnte im Osten und im Süden der Ukraine eine Politik der kulturellen Kolonisation und Deukrainisierung durchgeführt wurde, die auf die einfachen Menschen gerichtet war. Wir lehnen es ab, das Menschen wegen ihres Wohnorts oder der Sprache gegeneinander aufgehetzt werden.

Wir appellieren an die Werchowna Rada, die neuen Regierungsmitglieder und den Interimspräsidenten der Ukraine, eine ausgewogene kulturelle und sprachliche Politik zu führen. Tausende Einwohner der Ost- und Südukraine sind desorientiert, verstehen nicht, was passiert, weil sie nur russische Propaganda hören. Wir haben eine Chance bekommen, eine neue, faire, ehrliche Ukraine zu bauen und ihre territoriale Einheit zu bewahren. Wir dürfen aber nicht den Leuten aus Donetsk oder Krim die Lebensweise der westlichen Ukraine aufzwingen.

Auf dem Maidan standen neben den Ukrainern Russen, Polen, Belarussen, Armenier, Juden, Georgier, Tataren und andere. Sie alle hat die Liebe zur Ukraine und der Hass auf die Tyrannei vereint. Dafür haben sie auch den höchsten Preis gezahlt – den Preis des eigenen Blutes.

Wir sollten die kulturellen und sprachlichen Bedürfnisse der Einwohner des Ostens und Südens respektieren, damit sie sich in der Ukraine nicht fremd fühlen. Wir sollten eine neue Eigenschaft der Ukraine zeigen, die ihre Bürger künstlich nicht in verschiedene „Klassen“ teilen wird.

Wir fordern, den politischen Spielern nicht zu erlauben, mit Blut zu spekulieren, um die territoriale Einheit unseres Staates zu zerstören.

Yurij Schuchewytsch
Ihor Kalynets
Myroslaw Marynowytsch
Iwan Wakartshcuk
Roman Iwynatschuk
Taras Wosnjak
Antin Borkowskyj
Swenyslawa Kalynets
Natalia Iwanytshcuk

Quelle: http://espreso.tv/new/2014/02/25/zvernennya_intelehenciyi_lvova_na_zakhyst_rosiyskoyi_movy

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