Wiktor Baloha zum Referendum auf der Krim und seinen möglichen Auswirkungen

11. März 2014 • Archiv

Beim Referendum im Jahre 2006 sprachen sich 97% der Einwohner von Transnistrien für den Anschluss an die Russische Föderation aus. Wurden sie aufgenommen? Nein. Deshalb, auch wenn beim Referendum auf der Krim das Ergebnis 99% sein wird, was alle bezweifeln, wird die Halbinsel trotzdem nicht zum Bundesland des Nachbarstaats.

Die überwiegende Mehrheit der Einwohner von Abchasien und Südossetien besitzt offiziell seit Langem Pässe als russische Staatsbürger. Wurde es zum Argument für die Aufnahme in die Russische Föderation? Nein.

Aus welch freudigem Anlass würde denn der “Bruderstaat” die Krim aufnehmen, wo es dreimal soviel Einwohner gibt, wie in den drei nicht anerkannten Republiken? Dazu ohne Wasser, ohne Stromversorgung, mit einer Menge an Infrastruktur-Problemen und mit Tataren, die man nicht wie im Jahr 1944 deportieren kann.

Und die Brücke von Kertsch ist ein ähnlicher Traum wie der 12 Kilometer lange Tunnel, der schon seit Langem Abchasien mit Russland verbinden sollte.

Deshalb, nach dem Referendum, wenn die Euphorie vorbei ist, werden die Krim-Bewohner, die den Versprechen und den Sendungen des russischen Fernsehens geglaubt haben, sich wie betrogene Anleger der Sparkasse der UdSSR fühlen. Aufgrund folgender Tatsachen:

1. Die Krim wird nicht in die Russische Föderation aufgenommen, genauso wie Transnistrien, Abchasien und Südossetien nicht aufgenommen wurden.

2. Die Halbinsel wird de facto zu Russland gehören, de jure – zur Ukraine. Doch weder von der einen, noch von der anderen Seite wird sie Geld erhalten. Das Einzige ist – die Ukraine wird ihren Landsleuten nicht das Wasser und Gas abdrehen.

3 Faktisch wird es einen Stopp sämtlicher Investitionen in der Autonomen Republik geben (Häfen, Großunternehmen, Landwirtschaft).

4 Die Krim wird vom Zusammenbruch des Urlaubsgeschäft heimgesucht. Dies ist für alle offensichtlich. Und keinerlei Investitionen seitens russischer Philanthropen werden bei den normalen Bürgern, die nur von der Wohnungsvermietung an die Touristen überleben, ankommen.

Und der russische Bruder wird im Sommer trotzdem zwischen Sotschi und Antalya wählen.

Diejenigen, die unbedingt in die Russische Föderation wollen, müssen verstehen, dass die einheimischen Banden und die Kreml-Führung ihnen den Status einer Grauzone aufdrängen. Und das heißt, dass die Halbinsel faktisch von Banditen verwaltet wird, die sich selbst zur Regierung erklärt haben. Und diese werden sich durch Schmuggel, Drogen-, Waffen- und Menschenhandel bereichern. Und das alles auf dem Territorium mit Zugang zum Meer, auf dem nur ein Gesetz gültig ist – das Gesetz der Stärke.

Putin seinerseits will nur eine Zone der Instabilität erhalten, die juristisch ein Teil der Ukraine ist und uns daran hindern soll, vollwertige Mitglieder der EU und der NATO zu werden. Er braucht nur ein Feld, um die Instabilität in der Region zu erhalten. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der von Putin ernannter “Aufseher” in dieser Region die Rostower Geisel Wiktor Janukowytsch sein wird. Umso mehr, weil dieser für den komfortablen Aufenthalt auf der Südküste mehr als eine Datscha besitzt, wo er in der nächsten Zeit auch auftauchen könnte.

All dies kann vermieden werden. Aber nur unter einer Bedingung – wenn die Krim-Bewohner selbst so eine Zukunft nicht wollen. Besonders diejenigen, die sich auf die russische Propaganda eingelassen haben. Der beste Weg, die Unzufriedenheit zu zeigen, ist friedlich aber zahlreich an einer Protestaktion teilzunehmen. Denn keiner unserer Sicherheitsgaranten kann uns schützen, wenn wir nicht bereit sind uns selbst zu schützen.

Quelle: https://www.facebook.com/ViktorBaloga/posts/471177363011627

Schlagworte:, , , , , ,