Krim: Zusammenfassung der Ereignisse des 18. März 2014

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19.03.2014 (deutsche Übersetzung)
Quelle: http://civicsolidarity.org/article/900/crimea-update-events-18-march-2014

Die Situation auf der Krim ist in eine neue, blutige Phase getreten. Ein ukrainischer Soldat wurde getötet. Gewalttätige Übergriffe auf Journalisten haben nicht aufgehört. 12 Personen werden derzeit noch vermisst. Es folgt eine Beschreibung der wichtigsten Ereignisse auf der Krim am 18. März 2014 (nach einer Veröffentlichung auf Euromaidan SOS):

Das klare Signal, das in Wladimir Putins Rede (“Die Krim wird nie in Banderas Fußstapfen treten”) anklang, war der Beginn des Blutvergießens. Anhänger des Kreml auf der Krim nahmen diese Worte als ein Signal, dass nunmehr die Anwendung von Gewalt gegen ukrainische Truppen genehmigt sei. Nach Angaben eines Sprechers des Ministeriums für Verteidigung der Ukraine wurde bei einem Überfall von russischen Truppen auf das Photogrammetrische Kontrollzentrum der Zentralen Haupteinsatzgruppe für Militärische Topographie und Navigation der Feldwebelleutnant S. V. Kakurin von den Streitkräften der Ukraine getötet und der ukrainische Offizier, Hauptmann Fedun, verletzt. Mehrere weitere ukrainische Soldaten erlitten Verletzungen am Kopf und an Gliedmaßen von Schlagstöcken, Knüppeln und anderen Objekten. Den Verwundeten wurden Erste-Hilfe-Leistungen für mehrere Stunden verweigert. Nach Angaben der “Informations-Basis” waren russische Scharfschützen in den Fenstern der umliegenden Gebäude zu erkennen.

Im Laufe des 18. März wurden gleichzeitig drei Angriffe gegen militärische Einheiten in Fiolente und Jalta sowie gegen den Marinestützpunkt in Nowoosernoje begonnen. In den ersten beiden Fällen hat das ukrainische Militär ein Ultimatum gestellt. In Fiolente haben sich die angreifenden “Selbstverteidigungseinheiten” vorübergehend zurückgezogen.

Am 18. März fand auch die Beerdigung von Reschat Ametow statt, eines Krimtataren, der während einer Kundgebung in Simferopol am 3. März von drei nicht identifizierten Personen entführt wurde. Seine Leiche wurde mit Folterspuren am 15. März in der Nähe des Dorfes Semljanitschnoje im Kreis Bilohirsk gefunden. Human Rights Watch forderte die Krim- Regierung auf, unverzüglich eine detaillierte Untersuchung der Entführung, Folterung und Ermordung von Reschat Ametow einzuleiten und seine Folterer vor Gericht zu stellen.

Nach seiner Entführung auf der Krim wurde Oberst Igor Losnikow vom Auslandsnachrichtendienst nach Angaben des Pressediensts des Auslandsnachrichtendiensts der Ukraine freigelassen. “Als Ergebnis der zügigen Einleitung dringender Schritte durch den Auslandsnachrichtendienst, darunter auch Kontakt mit Beamten der russischen geheimdienstlichen Spezialeinheit, wurde der Komandeur der Militärschen Einheit Oberst Losnikow, der am Dienstag um 17.00 Uhr in Jalta entführt worden war, wieder freigelassen,” so die Erklärung .

In Jalta schlugen unbekannte Täter Dmitry Bunetskowo, einen Sonderkorrespondenten der Zeitung “Heute”, und einen Fotografen namens Sergej Nikolajew zusammen. Die Journalisten erlitten schwere Verletzungen, darunter Schläge ins Gesicht, und ihre Zähne waren ihnen ausgeschlagen. Die unbekannten Täter stahlen den Journalisten auch ihre Handys, Pässe und Geld. Gleichzeitig wurde das Autohaus “Bohdan-Auto” in Simferopol besetzt, der Journalist Ibrahim Umerov, und ein Kollege, die für den Krim-Tataren-Kanal ATR arbeiteten, wurden entführt. Sie erlitten Verletzungen , wurden aber schließlich freigelassen . Insgesamt hat das Institut für Publizistik-Informationen 88 Fälle von Angriffen auf Journalisten und Zwischenfällen registriert, bei denen Journalisten an der Ausübung ihrer beruflichen Pflichten gehindert wurden.

In Simferopol fand in der Nähe des Hauptgebäudes des Innenministeriums eine Demonstration aus Protest gegen die gewaltsamen Verschleppungen statt. Im Moment sind folgende 12 Personen “verschwunden”:

Jaroslaw Pilunskij, Videofilmer
Sergeij Grusinski, Videofilmer
Andreij Schekun, ukrainischer Aktivist
Anatolij Kowalski, ukrainischer Aktivist
Michael Wdowtschenko , ukrainischer Aktivist
Alexey Gritsenko , Aktivist des Automaidan Kyiw
Sergey Suprun Aktivist des Automaidan Kyiw
Natalia Lukjanenko , Aktivistin des Automaidan Kyiw
Wladislaw Polischtshuk , Aktivist
Iwan Bondarez , Aktivist (aus Riwne)
Walerij Waschuk , Aktivist (aus Riwne)
Anatolij Kaljan, Oberst der Streitkräfte der Ukraine

Die Polizei hat keine Maßnahmen ergriffen, um die Aufenthaltsorte dieser Personen festzustellen. Eine Mobile Gruppe von Euromaidan SOS besuchte das Luftfahrtberatungszentrum in dem Dorf Plodowoje in der Nähe von Sewastopol, wo Oberstleutnant Kaljan entführt wurde. Im Moment blockieren etwa zehn bewaffnete Männer der “Krim-Selbstverteidigung” die Militärbasen, sie leugnen die Vorwürfe der Entführung und verbieten an Kontrollpunkten den Zugang von “nicht berechtigten” Außenstehenden.

In der Zwischenzeit haben wir den Verbleib von Abu Yusuf (Sergeij Selenzow), feststellen können, der früher entführt worden war – er wird in Haft gehalten und konnte von einem Anwalt besucht werden. Mehr Details folgen morgen.

ANKÜNDIGUNGEN

Am Vormittag sollten Journalisten nach Jewpatoria und Nowoosernoje fahren! Am Dienstag haben Vertreter der Krim-Behörden bei der 55. Rakentenabwehr-Einheit der Luftwaffe in Jewpatoria, bei Marine-Einheiten in Nowoosernoje und bei der 5. Marinebrigade telefonisch ein Ultimatum übermittelt, vor 10.00 Uhr ihre Waffen niederzulegen, mit der Begründung, dass sie jetzt angeblich der Russischen Föderation angehörten. Die Schiffe der 5. Brigade sind zur Vermeidung der Kaperung in der Mitte des Sees versammelt.

Im Europäischen Parlament wird eine Anhörung über die Lage der Menschenrechte in der Ukraine stattfinden. Unter den Referenten sind: Alexander Nowitschkow (Zentrum für Bürgerrechte/Euromaidan SOS), Tanja Masur (Direktorin von Amnesty International in der Ukraine), Veronique Šente-Goldstone (Human Rights Watch ), Sergij Woropajew (Nationale Union der Journalisten), Marina Zapok (HAS) . Die Anhörung beginnt um 16.00 Uhr Kyiwer Zeit. Eine Online-Übertragung kann auf der Webseite des EU-Parlaments angesehen werden.

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