Ein Stadtrat aus Moskau berichtet über die heutigen Vorgänge in Odessa

3. Mai 2014 • Archiv

Quelle: https://www.facebook.com/maxim.motin/posts/704089852966704

“Ich bin in Odessa. Glauben Sie den russischen Medien nicht. Ich erzähle, wie es hier wirklich aussieht.

1. Heute war Fußball. Tschernomorez Odessa gegen Metalist Charkiv. Alle Fans waren für eine einheitliche Ukraine, so dass sie sich vor dem Spiel getroffen haben und einen friedlichen Marsch für die vereinigte Ukraine beginnen wollten. Als die Fans und etliche Einwohner von Odessa auf dem Kathedralenplatz ankamen, begann aus den Seitenstraßen der Angriff Maskierter, mit Ketten , Armaturen und Waffen. Natürlich war da keiner von Odessa und Charkiw dabei, die waren noch nicht bereit. Aber die Angreifer hatten nicht erwartet, dass die Einheimischen Widerstand leisten. Und sie haben es in vollen Zügen. Innerhalb einer Stunde waren die Odessiten organisiert. Aber dazu später mehr.

2. Die Medien schreiben, dass dies Angreifer Unterstützer der Föderalisierung seien – eine Lüge. Das sind Provokateure, die hierher gebracht wurden. Gestern war ich in der Gegend des Schnepfenfelds (Kulikowo Polje) (Bild unten), da waren 20 Personen, mit ein paar Betrunkenen – Georgsbänder und so weiter. Keine Unterstützer aus Odessa, die haben sie nicht (ich konnte jedenfalls keinen finden, und ich fragte sie alle und jeden).

3. Sie schreiben, dass es Barrikaden gibt. Lügen! Schauen Sie sich die Bilder an, sie sind vor 1-3 Stunden aufgenommen. Nachdem die Odessiter ihre Selbstverteidigung organisiert hatten, fuhren die Tituschki zum Einkaufszentrum Athena. Alles ging gut, und sie waren drinnen. Aber die Polizei schloss die Ein- und Ausgänge (Ich dachte, dass sie die Provokateure damit festgesetzt hätten). Später kamen Sonderkommandos und betraten das Gebäude, rollten die Provokateure auf und luden sie in einen Gefangenentransporter. Jetzt gibt es keine Barrikaden in der Stadt.

4. Häuser der Gewerkschaften haben offenbar das Schicksal zu brennen. Nachdem die Odessiten den Angriff zurückgeschlagen hatten, gingen sie nun in die Offensive. Alle Zelte auf dem Schnepfenfeld (Kulikowo Polje) ( 4-5 Zelte brannten, sie schlugen die Bewohner (ach, es gibt ein paar Leute, die aufrichtig für die Föderalisierung sind und von hier stammen). Das Gewerkschaftshaus brennt jetzt.

5. Am Schrecklichsten ist: Auch hier gibt es Opfer. Man spricht von 3 bis 6 Toten. Es ist schrecklich – Odessa – eine friedliche Stadt. Nach diesen Ereignissen hörte man auf allen Plätzen “Putin huilo” (Putin verschwinde!) und “Odessa ist Ukraine.” Russland hat sich mit diesem Trick (ich bin mir sicher, dass alles mit dem Kreml abgestimmt ist) weiter von der Ukraine distanziert.
Ein jeder ist glücklich, sowohl Ukrainer wie Russischstämmige, aber nicht wie Putin.

6. Jetzt gibt es Versuche, die Wahlen am 25. Mai zu stören. Ich hoffe sehr, dass unsere Nachbarn diese durchführen können und alles besser wird.
Ich glaube, das alles ist ein böser Traum, und dass es nicht sein kann. Das Grauen …

Update: Der Horror! Im Haus der Gewerkschaften kamen mehr als 30 Menschen um. Das kann ein fataler Fehler für die Ukraine und die Selbstverteidigung sein. Wenn sie lynchen – das ist nicht akzeptabel. Wer in dem Haus war, ist noch nicht klar, es kommen verschiedene Angaben. Einige versuchten zu retten, auch wenn sie aus den Fenstern beschossen wurden. Danach gab es ein allgemeines Chaos, nach den Augenzeugen. Aber in jedem Fall stellte es sich dar wie ein Lynchmob. Und es ist eine Tragödie. In meinem Kopf passt es nicht zusammen.

Im allgemeinen will die Mehrheit der Einheimischen keinen Krieg. Sie wollen in Frieden innerhalb der Ukraine leben.

Ich fürchte, dass die Ukraine in den Interessen der USA, EU und Russland Schaden nimmt. Sie wird einfach nicht gefragt. Jedes Land wird den Kopf unter die Decke stecken, wie es zu ihren Interessen passt, und die Ukrainer leiden. Das ist sehr traurig.”

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