Dr. phil. Alexei Schewtschenko: Faschismus als eschatologische Religion in Russland

14. Mai 2014 • Archiv

Ursprünglich veröffentlicht im Blog “Voice of Ukraine”

Vorbemerkung:
Wer heutzutage für die Ukraine eintritt oder sich auch nur offen zu seiner ukrainischen Ethnizität bekennt, wird fast unweigerlich von bestimmten Kreisen schon einmal als Faschist beschimpft worden sein. Ukrainefreunde diagnostizieren an diesem technologischen Name-Calling („Faschist“, „Benderowez“, „Banderlog“, „Wyshywanka-Träger“, „Mai-Downs“ „Kiewer Junta“) seitens prorussischer und bestimmter „antifaschistischer“ Kräfte ihrerseits faschistische Erkennungsmerkmale. Nachdem der Faschismusbegriff in aller Munde ist, möchte Voices of Ukraine mit der folgenden Übersetzung eines Fachartikels von Dr. phil. Alexei Schewtschenko einen Beitrag zur Klärung der Definition von Faschismus im postsowjetischen und speziell im russischen Kontext liefern.

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Der Artikel wurde ursprünglich bereits im Jahr 2010 veröffentlicht bei RISU, dem Religionsinformationsdienst der Ukraine, einem Projekt der Ukrainischen Katholischen Universität, als Reaktion auf eine schon damals von der Redaktion diagnostizierten fanatischen Verbreitung der Idee der „Russischen Welt“ (Russki Mir) durch Apologeten und Quasitheologen in der Ukraine. Die Redaktion sah schon damals Verbindungen zu dem frühen Alexander Dugin.

Faschismus als eschatologische Religion in Russland

In Russland wurden die Voraussetzungen geschaffen für eine mögliche Allianz zwischen einzelnen Politikern, Vertretern der regierenden bürokratischen Elite, Vertretern der höchsten Ränge der Armee, Intellektuellen und Humanisten und Massenbewegungen (insbesondere Jugendbewegungen), die bereits unter offen faschistischen Losungen auftreten und damit deutsche nationalsozialistische Muster kopieren.

Die ideelle Grundlage für einen hypothetischen Zusammenschluss der genannten gesellschaftlichen Schichten und Kräfte ist ein nebliger Nationalpatriotismus, der eine konzeptuell unausgeprägte, vorwiegend emotionelle negative Einstellung gegenüber dem Westen zeigt und einen besonderen Russischen Weg in der Weltgeschichte deklariert, welcher aus der Tradition des Kollektivismus und der Orthodoxie (im Gegensatz zum westlichen Individualismus) und einem unmittelbaren Gefühl von „Russlands Größe“ und seiner weltumfassenden Mission erwächst.

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