"Das ist kein Lösegeld, sondern dein Beitrag zu unserem Krieg!“

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Ursprünglich erschienen auf Voices of Ukraine

Die Geschichte der Entführung des russischen Journalisten Pavel Kanygin von der „Nowaja gaseta“, wie er sie selbst nach seiner Freilassung ohne viel Emotionen und Bewertungen festgehalten hat. 

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Man nahm mich gemeinsam mit meinem Kollegen Stefan Scholl von der „Südwest-Presse“ am Abend in einer Pizzeria fest. Wir aßen dort zu Abend und schrieben an unseren Berichten zum geplanten Referendum. Vier Männer setzten sich zu uns und einer von ihnen erklärte, dass sie zu den Veröffentlichungen von Stefan keine weiteren Fragen hätten, aber ich müsse meine Ansichten klarstellen.

– „Wir haben deine Artikel gelesen. Was soll das heißen: „Diese Wahlzettel sehen aus, als seien sie einfach auf einem Drucker gedruckt?““, fragte er.
– „Und dieser Satz hier, „es sind kaum junge Leute da“, das ist doch gelogen!“, warf ein anderer ein. „Alle haben abgestimmt!“
– „Aber ich habe da wenig junge Leute gesehen“, erwiderte ich.
– „Das heißt, du hast da nicht richtig hingeschaut“, gaben sie mir zu verstehen. „Wozu hast du das gemacht?“
– „Nee, das hat er hier aber richtig geschrieben, dieser Arsch von Bürgermeister hat uns mit den Räumen echt im Stich gelassen, wir mussten dann selbst alles organisieren.“
– „Na, das stimmt. Aber schau mal Bruder, du musst einfach kapieren, dass die ganze Presse da draußen unsere Waffe ist. Wenn ihr nicht da wärt, was wären wir dann schon? Aber du schreibst einfach undeutlich, Bruder, das muss einfacher sein, damit alle verstehen, dass uns hier die „Bandera-Leute“ (für Russen so viel wie: Faschisten, d.Ü.) im Nacken sitzen, und dass wir keine Terroristen sondern ganz normale Leute sind, dass wir kurz gesagt auf der Seite der Wahrheit stehen.“
– „Anscheinend schreibst du ja alles wie es ist, aber warum bloß hast du diese Informationen über die jungen Leute geschrieben?“
– „Na gut, wir wollten halt einfach mal reden, und jetzt fahrt ihr mit uns zum Zentralplatz mit.“

Auf dem Zentralplatz von Artyomovsk ging es laut zu. Ein Aktivist fand in der ukrainischen Internetzeitung www.lb.ua einen Abdruck meiner Reportage über den verschwundenen Bürgermeister der Stadt und die Ukrainischen Kollegen hatten den Titel „Separatisten entführen Bürgermeister“ drüber gesetzt. „Das schreibt er doch für die Banderovtzi (für Russen: Faschisten, d.Ü.)! Sind wir hier für dich etwa Separatisten, du Hund? Du bist ein beschissener Agent!“

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