Josef Zissels: Das Ausmaß des Antisemitismus in der Ukraine ist gering und nimmt weiter ab

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21. Mai 2014 • Analytik und Meinungen, Archiv, Meinung & Analyse, Menschenrechte

Artikel von: Ukraine Crisis Media Center
Quelle: Ukraine Crisis Media Center, 20.5.2014

Während einer Pressekonferenz im Ukraine-Crisis-Media-Center sprach der Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Organisationen und Gemeinden der Ukraine, Josef Zissels über den in den letzten Jahren festzustellenden Rückgang bei den Erscheinungsformen des Antisemitismus in der Ukraine und über Russlands grundlose Propaganda, die einen Schwerpunkt auf solche Vorfälle legt.

“Wir stehen einem Modell der russischen Propaganda gegenüber, das schon seit einigen Jahren aufgekommen ist. Darüber hinaus nutzte Medwedtschuk dieses Modell schon im Jahr 2004, vor seiner Präsidentschaftswahl, und auch diesen Mythos über den wachsenden Antisemitismus in der Ukraine. Das ist nichts Neues, es ist kein neuer Mythos, sondern eine sehr hartnäckiger,” sagte Josef Zissels.

Zissels sagte weiter, dass es im Jahr 2013 Berichte über insgesamt 13 antisemitische Vorfälle in der Ukraine gegeben habe, darunter vier kleinere Angriffe und neun Fälle von Vandalismus. “Wir haben eine Vielzahl von Erklärungen im Namen der jüdischen Gemeinde in der Ukraine abgegeben – und diese Statements waren auch nach dem Wechsel der Regierung sehr konsequent, dass es keinen Antisemitismus in der Ukraine gibt. Und in der Tat, seit 2007 sehen wir eine allmähliche Abnahme der Zahl der antisemitischen Vorfälle in der Ukraine,” sagte der Menschenrechtsaktivist. Er erklärte weiter, dass es im Jahr 2012 etwa 1300 solcher Vorfälle in Deutschland, rund 600 in Frankreich, und in England etwa 600 im Vergleich zu den 27 registrierten Antisemitismus-Vorfällen in der Ukraine gegeben habe. “In anderen Worten, es handelt sich in der Ukraine im Vergleich zu den westeuropäischen Ländern um ein sehr niedriges Niveau von antisemitischen Vorfällen.” Er fügte hinzu, dass die Zahl der Auswanderer aus der Ukraine nach Israel im Jahr 2013 um 20 Prozent gegenüber der Vorjahreszahl von 2012 gesunken ist.

Zissels erklärte, dass dies ist unter anderem auf der Tatsache beruhe, dass es in Westeuropa ein sehr großes Potenzial der radikalen muslimischen Diaspora gebe.

Er sagte, dass die staatlichen Statistik-Behörden in der Ukraine leider keine Unterlagen über diese Vorfälle zur Verfügung stellen. “Deshalb müssen wir unsere eigenen Experten zu Rate ziehen, die diese Erscheinungsformen des Antisemitismus in der Ukraine beurteilen,” sagte er.

Der Menschenrechtsaktivist betonte erneut, dass die Zahl der antisemitischen Kundgebungen in der Ukraine in den letzten acht Jahren konsequent gefallen ist. “Dennoch hat die russische Propaganda und die Propaganda des ehemaligen Präsidenten Janukowytsch in ihrer Berichterstattung ohne Angabe von beweiskräftigen Tatsachen über einen deutlichen Anstieg des Antisemitismus in der Ukraine berichtet”, sagte er. Josef Zissels wies darauf hin, dass, die Propagandisten zu Provokationen greifen, gerade weil diese Aussagen nicht durch Fakten gestützt werden können. “Ab diesem Jahr werden wir die Überwachung der antisemitischen Vorfälle in zwei Kategorien einteilen: “natürliche Erscheinungen”, die tatsächlich stattfinden und nicht so zahlreich sind, und “Akte der Provokation”, die uns von außen aufgezwungen werden,” sagte er.

Josef Zissels sagte auch, dass vor einigen Tagen eine Studie von der “Anti-Defamation League” (Anti-Diffamierungs-Liga) veröffentlicht wurde, deren Hauptziel es ist, den Antisemitismus und alle Formen von Intoleranz gegenüber Juden zu bekämpfen. Jedoch sollte diese Studie nach Meinung des Vorsitzenden der Vereinigung der jüdischen Organisationen und Gemeinden der Ukraine auch richtig verstanden werden: Sie sollten nicht als Darstellung der Ebene des Antisemitismus in den Ländern angesehen werden. Die Studie konzentriert sich nur auf die Verbreitung von antisemitischen Stereotypen in der Welt. In der Studie nimmt die Ukraine mit der Punktzahl von 38 Punkten einen Mittelplatz ein. Schweden erhielt mit 12 Punkten die niedrigste Punktzahl.

Zissels machte einige Anmerkungen zu den Methoden der Studie. Insbesondere stellte er fest, dass der für die Studie verwendete Fragebogen nicht auf die osteuropäischen und eurasischen Identitäten angepasst ist, ein und dieselbe Frage aber von Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt unterschiedlich wahrgenommen werde. Der Fragebogen sollte den psychologischen Eigenschaften und Merkmale der Population angepasst werden. Darüber hinaus wurden nur 500 Personen in der Ukraine befragt, was zu einer Fehlerquote von mindestens 5 – 10% führt. “Darum sollte man nicht zu viel Wert auf diese Studie als Beweis für in der Ukraine weit verbreitete antisemitische Stereotype legen,” sagte Zissels.

Josef Zissels ist ein Dissident, Menschenrechtsaktivist, Vorsitzender des Verbandes der jüdischen Organisationen und Gemeinden der Ukraine und Vorsitzender des Allgemeinen Rates des Euro-Asiatischen Jüdischen Kongresses.

Artikel von: Ukraine Crisis Media Center
Quelle: Ukraine Crisis Media Center, 20.5.2014

Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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