Keine Gleichbehandlung der Sprachen auf der Krim

 

15. September 2014 • Archiv, Krim

Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe

Trotz der von Russland gegebenen Zusicherungen bei der Annexion der Krim und der Tatsache, dass es drei Staatssprachen gibt – Ukrainisch, Russisch und Krimtatarisch, ist die Unterrichtszeit für diese Sprachen in den Schulen auf der Krim völlig unausgeglichen, berichtet die Krimer Nachrichtenagentur QHA. Während die Schülerinnen und Schüler täglich eine Unterrichtsstunde im russischen Sprachunterricht haben, sind Ukrainisch und Krimtatarisch in den allermeisten Schulen der Krim an den Rand gedrängt – oft nur als Wahlfach, oder sie werden gar nicht unterrichtet.

In Ausnahmefällen sind Krimtatarisch oder Ukrainisch auch Teil des Lehrplans, dann aber mit maximal einer oder zwei Stunden pro Woche. Die russische Gesetzgebung sieht vor, dass dort, wo Russisch Unterrichtssprache ist, der Unterricht in der Muttersprache des Kindes drei Stunden pro Woche gehalten werden sollte.

Nach Angaben von Lemara Selendili, Professorin an der Abteilung für die krimtatarische Sprache und Literatur an der Nationalen Taurischen Universität und ehemalige stellvertretende Bildungsministerin der Krim, nutzen Schulleiter häufiger die Tatsache aus, dass die Eltern nicht mit den russischen Bildungsgesetzen vertraut sind. Sie legen dann einfach die erste Variante des Lehrplans mit russischsprachigem Unterricht fest, ohne muttersprachlichen Unterricht für die Kinder anzubieten (z.B. in der krimtatarischen Sprache).

Da es in allen Schulen auf der Krim Kinder gibt, deren Muttersprache Ukrainisch oder Krimtatarisch ist, sind die Schulen verpflichtet, die zweite Variante des Lehrplans befolgen. Diese beinhaltet drei Unterrichtsstunden pro Woche auf Ukrainisch oder Krimtatarisch in den Grundschulklassen, und dann von der fünften bis neunten Klasse Unterricht in den beiden Sprachen und der Literatur als regionale Komponente.

Selendili rät den Eltern, für ihre Kinder unbedingt den Schulunterricht nach dieser Variante des Lehrplans zu beantragen.

Allerdings stellt die Agentur QHA fest, dass solche Anträge oft keinerlei Auswirkung haben, denn Krimtatarisch und Ukrainisch werden häufig nur als “außerschulische Aktivitäten” angeboten. Dies war zum Beispiel in der Schule Nr. 2 in Perwomajskoje der Fall. Die Eltern von neun krimtatarischen Kindern hatten für ihre Kinder verlangt, dass Krimtatarisch als Unterrichtsfach gelehrt wird. Trotz der Tatsache, dass nur acht Kinder nötig sind, damit dies obligatorisch ist, ignoriert die Schule die Anträge und bietet Krimtatarisch nur als Wahlfach an.

Die gleiche Situation ist auf der ganzen Krim festzustellen, außer in den 16 nationalen Schulen der Krimtataren.

Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe

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