Portnikov: Kreml „verwendet Katyn-Strategie”, um eigene Verbrechen in der Ukraine zu vertuschen

 

Archiv, Russland

Artikel von: Paul A. Goble
Quelle: Window on Eurasia

So wie die Sowjetregierung versuchte, sich aus der Verantwortung am Mord an polnischen Offiziere im Zweiten Weltkrieg zu stehlen, indem sie die Deutschen beschuldigte, genauso versucht laut Witali Portnikow die russische Regierung unter Wladimir Putin sich aus ihrer Verantwortung am Töten in der Ukraine zu stehlen, indem sie die ukrainischen Streitkräfte beschuldigt.

Der ukrainische Kommentator hält fest, dass Stalin im Januar 1944 eine Kommission bildete, deren Titel allein zeigte, dass er nicht daran interessiert war, die Wahrheit über die Morde von Katyn einwandfrei festzustellen, sondern eher daran, Unterstützung für seine Version der Tatsachen zu erhalten, dass sie die Deutschen und nicht die Sowjets verübt hätten.

Jetzt, 70 Jahre später, sagt Portnikow: “Die russische Propaganda hat eine analoge Aufgabe erhalten – den Untertanen von Wladimir Putin und der Welt ‚von den schrecklichen Verbrechen der [ukrainischen Streitkräfte]‘ im Gebiet des Donbass zu berichten, inklusive „gewisser ‚Massenbeerdigungen von friedlichen Einwohnern‘“ durch die Nationalgarde und das ukrainische Militär.

Wie verlogen das aktuelle Bemühen Russlands ist und wie es dem ähnelt, was Stalin mit verblüffendem Erfolg zu Ende des Zweiten Weltkrieges getan hat, zeigt sich bei dem Moskauer Ruf nach solchen Untersuchungen an den Verweisen auf Institutionen wie „Untersuchungskomitee der Volksrepublik Donezk“, die es nie gegeben hat.

Portnikow stellt fest, dass es solche Institutionen in Russland selbst natürlich gibt und dass sie „eines der wesentlichsten Instrumente des autoritären Regierungssystems sind“. So ist es ganz und gar möglich, dass sie im russisch besetzten Donezk eingerichtet werden und „möglicherweise russische Ermittler“ einbeziehen, die in ihrem eigenen Land “den Ruf von Geschichtsfälschern haben“.

Andere Russen, die auch in diese Neuauflage einer stalinistischen Taktik involviert sind, schließen Repräsentanten des Putinschen Menschenrechtsrates beim Präsidenten, die Putinsche Gesellschaftskammer, [A.d.Ü: eine Chimäre zur Schwächung des Parlaments] und andere mit ein, auf die man zählen kann, dass sie das berichten, was der Kreml berichten will und sonst nichts, sagt Portnikow. Die zynischste Ernennung in diese Gruppe ist jedoch der Vorsitzende des Rates, Michail Fedotow.

Er hat traurige Berühmtheit erlangt unter anderem durch seinen Ruf nach der „Untersuchung ukrainischer Menschenrechtsaktivisten“, so dass deren Ruf in den Medien beschädigt werden kann und die Untersuchungsergebnisse bezüglich russischer Komplizenschaft bei Verbrechen auf ukrainischem Territorium heruntergespielt oder kurzerhand zurückgewiesen werden können.

Aber die schlimmste Auswirkung dessen, was der Kreml in diesem Zusammenhang tut, ist nicht einmal die neue Welle an Lügen, die er verbreiten wird, sagt der ukrainische Kommentator. Stattdessen ist es das: Russland kann die [ukrainischen] Territorien, die es besetzt hat, nicht freigeben… weil diese besetzten Gebiete die Stätte von Schwerverbrechen und von kriminellen Festen seien.

Sich zurückzuziehen würde richtigen Untersuchungen den Weg öffnen, und die Lügen des Putin-Regimes würden vor der Welt enthüllt werden, genau wie jene des Stalin-Regimes über den Mord an den polnischen Offizieren in Katyn. Aber der Kreml kalkuliert klar, dass er die Sache so lange verschleiern könne, wie Stalin und seine Nachfolger es getan hatten, um die Verbrechen zu verheimlichen und das eroberte Gebiet zu behalten.

Artikel von: Paul A. Goble
Quelle: Window on Eurasia

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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