Lew Schlossberg: Befehl zu lügen!

 

Archiv, Russland

Artikel von: Lew Schlossberg
Quelle: Echo Moskau

Die russischen Medien haben das Ausmaß der Nazi-Propaganda erreicht.

“Es gibt keine russischen Armeeeinheiten auf ukrainischen Territorium.” Jeder weitere Tag dieser Lüge bringt immer neue Todesopfer. Die Lüge tötet. Im direkten Sinne des Wortes. Alle, die an dieser Lüge teilnehmen, nehmen am Töten teil. Seit einem Jahr beherrschen die Nachrichten aus der Ukraine die russischen Medien. 24 Stunden am Tag wird durch die Medien Informationsdynamit über die Ereignisse in der Ukraine in die Köpfe von Millionen Menschen gelegt. Und dieses Dynamit explodiert alltäglich. Eine besondere Raserei ergriff die Medien, nachdem es den regulären russischen Truppen erlaubt worden war, an den Kriegshandlungen in der Ostukraine heimlich teilzunehmen. Unter der Maske von “Freiwilligen”, “Beurlaubten”, “Landwehrleute”. Tausende russische Soldaten wurden an diese “nicht existierende” Front geschickt, ohne sie vorher in Kenntnis zu setzen, dass sie in den Krieg geschickt werden, wo gewöhnlicherweise getötet wird, wie in jedem Krieg. Sie fuhren zu den Manövern, dachten sie, so wurde ihnen mitgeteilt. Kein anderer Aspekt in diesem globalen Konflikt hat die russische Gesellschaft so tief und schmerzhaft gespalten wie die Teilnahme der regulären russischen Truppen an dem Krieg in der Ukraine, der Tod russischer Soldaten dort und ihre merkwürdigen geheimen Beerdigungen in der Heimat sowie die Lüge der Regierung über die Ursachen ihres Todes. Durch das Verschulden womöglich eines einzigen Menschen belügt der Staatsapparat die Bevölkerung schon seit einem halben Jahr auf ungezügelte Weise und hat dabei das Ausmaß der Nazi-Propaganda erreicht, die Beziehungen Russlands mit der Mehrheit der Länder zerstört und einen neuen eisernen Vorhang errichtet. Der Ukraine offen den Krieg zu erklären wäre für den Staat “unanständig”, aber russische Soldaten insgeheim als “Landwehr” einzusetzen in der Hoffnung auf einen “schnellen gewinnbringenden Krieg” gehört nun zu den russischen staatlichen Konventionen. Dafür darf man wohl Menschenleben und öffentliche Mittel hergeben. Lüge und Heuchelei sind zum Firmenstil des russischen Staates geworden, im Inland und im Ausland. Die Lüge bringt immer Hass hervor. Die Spaltung in der russischen Gesellschaft provoziert bürgerkriegsähnliche Stimmungen: Durch die staatliche Propaganda aufgeheizt sind einige Bürger bereit, andere zu hassen und sogar zu töten, nur weil sie nicht mit der Politik der Regierung einverstanden sind. Mit geballten Fäusten und lauten Schreien wie “Fünfte Kolonne” und “Nationalverräter” treten sie denjenigen entgegen, die die Wahrheit über diesen Bruderkrieg erfahren, die Namen von Gefallenen und Verwundeten feststellen wollen. Dafür sollen Nonkonformisten mit Arrest, Gericht und Vertreibung büßen. Die Anklage? Nicht-Einverstanden-Sein mit der Regierungspolitik. Mit anderen Worten heißt heute die Wahrheitssuche, der Kampf für den Frieden gegen den Krieg, der Aufruf zum Aufhören zu töten in der Sprache der Regierung “Verrat”. Lob an den Krieg aber, Kriegstreiberei, Hassreden, Verbreitung von Lügen und Beleidigungen heißen in derselben Sprache “Dienst an die staatlichen Interessen”…
Nur die öffentliche Meinung kann diese Regierung noch stoppen…
(Auszugsweise übersetzt)

Artikel von: Lew Schlossberg
Quelle: Echo Moskau

Übersetzt von: Gegen Repressionen in Russland – Against Repression in Russia
Redigiert von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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