Strelkow brachte die Truppen im Osten der Ukraine gegen sich auf, meint Sachartschenko

 

11. Oktober 2014 • Archiv, Nachrichten

Artikel von: Allison Quinn, The Moscow Times
Quelle: The Moscow Times

Der berüchtigte ehemaligen Rebellenkommandeur Igor Girkin, ein Russe, der eher unter seinem Kampfnamen “Strelkow” bekannt ist, habe seine Truppen während der Kämpfe im Osten der Ukraine durch seine rücksichtslose Missachtung der lokalen Gegebenheiten und unrealistisch hoher Ziele auf dem Schlachtfeld gegen sich aufgebracht, sagt der Anführer der selbsternannten Donezker Volksrepublik in einem Interview mit Russian Reporter, das am Mittwoch [8. Oktober 2014] veröffentlicht wurde.

“Er war eine Person, die bei uns gekämpft hat. Aber 90 Prozent seiner Truppen waren mit seinen Ansichten darüber, wie die militärischen Aktivitäten durchgeführt werden müssten, nicht einverstanden,” sagte Alexander Sachartschenko, Premierminister der abtrünningen Republik in dem Interview.

Strelkow, ein ehemaliger Oberst im russischen Föderalen Sicherheitsdienst, wurde Mitte Mai kometenhaft berühmt, als er zum führenden Rebellen in Donezk wurde. Er übernahm schließlich die Rolle des Verteidigungsministers der provisorischen Republik, trat aber von dieser Position Mitte August zurück und zog nach Moskau. Bei seiner Ankunft erklärte er Moskau zur neuen Frontlinie beim Kampf des Westens gegen Präsident Wladimir Putin.

Trotz Strelkows Prominenz als einer der wichtigsten Kämpfer im Ukraine-Konflikt deutet Sachartschenko jedoch an, dass er von seinen Kampfgefährten allgemein nicht besonders gut angesehen war.

Ein Beispiel für Strelkows Rücksichtslosigkeit war sein Plan, neunstöckige Gebäude in Slowjansk zu sprengen, was nach Sachartschenko einen “wilden Skandal” auslöste.

“Ich halte es für verrückt, neunstöckige Gebäude am Stadtrand von Donezk zu zerstören,” sagte Sachartschenko und bemerkte, Strelkow habe einen solchen Plan während einer Schlacht auch dort vorgeschlagen.

Als Antwort auf die Frage eines Interviewers, ob Strelkow die Gebäude zerstören wollte, weil er eine Neigung zu historischen Kriegsspielen hat – ein Hobby, das nach Ansicht vieler das Motiv für seinen Auftritt in der Ukraine war – sagte Sachartschenko, Strelkow habe einfach den Krieg anders gesehen.

“Seiner Meinung nach wäre es bequemer gewesen, uns selbst aus Ruinen zu verteidigen. Denn er lebt nicht hier,” sagte Sachartschenko und fügte hinzu, dass Strelkow sich auf “taktische Bewegungen mit Anschlägen und schonungsloser Verteidigung konzentrierte,” was aber für die Situation in der Ukraine nicht geeignet gewesen sei.

Für das, was Strelkow tun wollte, sagte er, “hätten wir mindestens 20.000 Kämpfer gebraucht. Aber da er nur 6000 hatte, mussten wir es anders arrangieren.”

Während Mitstreiter Strelkows ihn respektierten, sagte Sachartschenko, “Wir hätten manche Dinge anders gemacht, anstatt zu versuchen, bestimmte Probleme auf Kosten des Lebens unserer Landsleute zu lösen.”

Die Anzeichen für eine Kluft zwischen den im Osten der Ukraine kämpfenden pro-russischen Separatisten waren den ganzen Sommer über offensichtlich, mehrere russische Kommandanten traten zurück. Im August tauchten Dokumente auf mit von Strelkow gegebenen Befehlen, seine eigenen Kämpfer wegen Plünderungen hinzurichten, berichtete Reuters damals.

Strelkow trat zu dem Zeitpunkt zurück, als die Berichte über angebliche Hinrichtungsbefehle aufkamen, wenngleich sein Vertreter sagte, dass er ging, weil er einen neuen Job gefunden habe.

Foto: Eine Frau hält am 8. September die Hand des Ministerpräsidenten der selbsternannten “Donezker Volksrepublik”, Alexander Sachartschenko, während einer Zeremonie zu Ehren der Verteidiger von Donezk vor den Nazi-Truppen Zweiten Weltkrieg – Marko Djurica / Reuters

Artikel von: Allison Quinn, The Moscow Times
Quelle: The Moscow Times

Übersetzt von: Klaus H. Walter
Redigiert von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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