Flug MH17: Abbott konfrontiert Putin und fordert Entschädigung

 

Archiv, Russland

von Mark Kenny, The Sydney Morning Herald

Der australische Premierminister Tony Abbott hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin am Rande des Gipfeltreffens der APEC-Führer in Peking damit konfrontiert, dass er ihn für  mitschuldig an dem Abschuss des Flugs MH17 hält, und Russland aufgefordert, sich zu entschuldigen und Entschädigungen zu zahlen.

Das Gespräch am Dienstag – das vorab als ernsthafte Auseinandersetzung über die MH17-Gewalttat angekündigt waren  – folgte einem kurzen Wortwechsel am Montagabend.

Abbott hatte bekanntlich dem russischen Machthaber wegen der Beteiligung von russischen Militärs am Abschuss des Flugzeugs ein “Shirtfront” (Anm. d. Übers.: Meist mit einem als Foul angesehenen Schultercheck verbundene Konfrontation in den australischen Football-Regeln] versprochen. Abbot ist ein Fan von Outdoor-Abenteuer-Sportarten.

Während des genau 15 Minuten dauernden Gesprächs wies Abbott darauf hin, dass die USA bei einem versehentlichen Abschuss eines Flugzeugs sich entschuldigt und den Opfern eine finanzielle Wiedergutmachung gezahlt hatten. Er empfahl Putin ein entsprechendes Verhalten.

Abbot ließ Putin in seiner “Shirtfront”-Drohung auch wissen, dass Australien im Besitz von Informationen ist, wonach das Flugzeug MH17 von einem Geschoss aus einer Trägerrakete zerstört wurde, die aus Russland gebracht, innerhalb der Ostukraine abgefeuert und dann wieder nach Russland zurückgebracht worden war.

Abbott fügte hinzu, dass es sich um eine sehr ernste Angelegenheit, falls dies sich bewahrheitet.

Das brisante Treffen, das vorab schon Schlagzeilen auf der ganzen Welt gemacht hatte, sollte ursprünglich in Brisbane auf dem G20-Gipfel stattfinden.

Abbott entschied sich jedoch, den russischen Präsidenten schon in Peking damit zu konfrontieren, als klar wurde, dass er andere führende Weltpolitiker nicht davon überzeugen konnte, sich aus Protest gegen den Abschuss der MH17 gegen die Teilnahme von Putin [am G20-Gipfel] auszusprechen, oder dass Putin aus Schamgefühl nicht daran teilnehmen würde.

Angesichts der beim Abschuss des Malaysia-Airlines-Flug über der Ukraine getöteten 38 Australier führte die Abbott-Regierung die globale Empörung über das von Separatisten mit russischer Unterstützung und aus Russland gelieferten Waffen begangene Verbrechen an.

Aber noch vor dem G20-Gipfel besann sich Abbott offenbar eines Besseren, und anstatt seine eigene Veranstaltung durch die Aufmerksamkeit auf die Konfrontation mit Russland überdecken zulassen, nutze er ein schon zu einem früheren Zeitpunkt stattfindendes Treffen am Rande des APEC-Gipfels. Die Russen selbst hatten das APEC-Treffen vorab bestätigt.

Beide Seiten stimmten offenbar der Resolution 2166 der Vereinten Nationen zu, die eine Einhaltung der uneingeschränkten Zusammenarbeit mit der unabhängigen Untersuchung einfordert.

… (Der Artikel diskutiert im Folgenden die wirtschaftspolitischen Einzelheiten des APEC-Gipfels.)

Autor: Mark Kenny

Quelle: The Sydney Morning Herald

Übersetzung: Euromaidan Press auf Deutsch

Foto: Der australische Premierminister Tony Abbott spricht mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf dem APEC-Gipfel in Peking – Foto: AFP

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