Insider Illarionow: Putin plant die Invasion der Ukraine schon seit 2003

 

Archiv, Krim, Russland

Ein ehemaliger russischer Insider sagt, er war dabei, als Putin im Jahr 2003 begann, die gegenwärtige Invasion der Ukraine offen zu planen.

Auf einer Konferenz in dieser Woche in Brüssel informierte Andrej Illarionow, ein russischer Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Wirtschaftsberater von Putin darüber, dass die Invasion in der Ukraine seit mindestens 2003 offiziell in der Planung war.

“Seit dem Jahr 2003 kann ich sagen, dass bestimmte Fragen im Zusammenhang mit dem zukünftigen Krieg mit der Ukraine in meiner Gegenwart diskutiert wurden. Ich dachte nicht, dass die Gespräche wirklich zu einem richtigen Krieg führen würden,” sagte er.

In einer bemühten Reaktion auf die Orangen-Revolution ein Jahr später, die zu einer angeblich pro-westlichen Regierung führte, begannen russische Beamten das Potenzial für die Einleitung einer militärischen Besetzung der Krim und deren anschließende Annektierung zu diskutieren. Illarionow sprach auch die die aufgetauchten Papiere an, welche Details über die Einsatzpläne des russischen zukünftigen Kriegs mit der Ukraine beinhalteten.

Etwa im Jahr 2009 traten die Verschwörungspläne und Pläne zur Unterstützung von Separatismus in der Ukraine an die Oberfläche, sagt Illarionow. Es ist inzwischen bekannt, dass die Terrororganisation namens “Donezker Republik” im Jahr 2008 online begann, von sich reden zu machen, nachdem der damals von Russland unterstützte Wiktor Janukowytsch seinen Posten als Ministerpräsident verloren hatte. Bereits im Jahr 2005 gegründet – auch in der Folge der Orangen-Revolution – besuchten Mitglieder der Donezker Republik von der russischen Präsidialverwaltung finanzierte Trainingslager in Russland, bei denen Ausbilder von den Sicherheitsdiensten den Teilnehmern Methoden der Spionage, Sabotage und Guerilla-Taktik vermittelten. In Übereinstimmng mit Illarionows Aussagen begann die Gruppe bereits 2009 mit der Organisation von lokalen Terrorcamps.

Putins Rede vom Juli 2013

Putin und Janukowytsch in Kyiw, Juli 2013

Putin und Janukowytsch in Kyiw, Juli 2013

Illarionow nimmt kein Blatt vor den Mund und stellt klar, dass es sich vielmehr um einen “russisch-ukrianischen Krieg” oder in seinen Worten besser gesagt: “Putins Krieg gegen die Ukraine” handelt. Ein Krieg, den er konsequent als lange vorbereitet beschreibt, der sich auch weiterhin und noch lange hinziehen wird.

“Also, sie haben den Krieg schon lange Zeit vorbereitet. Die andere Sache ist, dass es ein langer Krieg ist, der seit mehr als 16 Monaten anhält. Es wurde am 27. Juli 2013 begonnen, mit Putins Rede in Kyiw anlässlich des Jahrestages der Taufe der Kyiwer Rus,” sagte er.

Die von Illarionow zitierte Rede hatte die “zivilisatorische Wahl” und “orthodoxen slawischen Werte” der Ukraine zum Thema. Dann schwadroniert Putin über angebliche “gemeinsame geistige Werte”, die Russen und Ukrainer zu einem “einzigen Volk” machen, und fordert die Bewahrung der ”althergebrachten Traditionen”. Auf überzeugende Weise ignoriert er die Jahrhunderte der Verfolgung und erzählt den Zuhörern, dass die Unterwerfung (“Vereinigung”) unter Russland “das Leben der Bevölkerung und der Eliten der Ukraine zum Besseren geändert hat, wie jeder weiß.”

An anderer Stelle spricht Putin begeistert von Stalins Reformen und Investitionen in der Ukraine bei seinem ersten “Fünfjahresplan“, einer katastrophalen Politik, die zu einem von Moskau orchestrierten Völkermord an bis zu 7 Millionen Ukrainer geführt hat.

Die historischen Brennpunkte der derzeitigen Konfliktzonen wurden in der Rede besonders hervorgehoben, insbesondere als er den Donbas als “eine der wichtigsten russischen Bergbau- und Metallindustrieregionen” und Odessa “einen der größten Seehäfen des russischen Imperiums” bezeichnete. Am nächsten Tag nahm Putin an den Feierlichkeiten der russischen Marine in der ukrainischen Stadt Sewastopol auf der Krim teil.

“Kleine grüne Männchen” der russischen Marine in der Ukraine, 28. Juli 2013

“Kleine grüne Männchen” der russischen Marine in der Ukraine, 28. Juli 2013

All das war natürlich eine zynische Anpreisung für Russlands ungeborene Eurasische Union und die Vereinigung mit Russland und sollte die Ukrainer von den Gefahren der europäischen Integration überzeugen – mit einem Lächeln.

Lassen Sie mich noch einmal sagen, dass wir die Wahl unserer ukrainischen Partner, Freunde und Brüder respektieren werden. Die Frage ist nur, wie wir unter absolut gleichen, transparenten und klaren Bedingungen zu einer Vereinbarung zur Zusammenarbeit kommen können.

Zahlreiche Vorhersagen

Illarionow ist von seinem Amt in der Regierung im Jahr 2005 zurückgetreten, seit dieser Zeit  ist er ein ausgesprochener Kritiker von Präsident Wladimir Putin.

Seit er zum Dissident wurde, waren seine Worte bisher zutreffende Vorausahnungen. Im Oktober 2008 hat er schnell aufgedeckt, dass die russische Invasion und Besetzung Georgiens im August desselben Jahres von der russischen Regierung angezettelt wurde und vorher geplant war, als viele noch diskutierten, ob Georgien als erste russische Soldaten beschossen habe.

Im Februar dieses Jahres, noch bevor russische “grüne Männchen” auf der Krim in Massen auftraten, hat er die Besetzung der Halbinsel und ähnliche destabilisierende Aktionen im Süden und Osten vollständig vorhergesagt. Im März, nachdem diese bereits zum Tragen gekommen waren, hat er während eines Interviews auf dem ukrainischen Netzwerk TSN weiter vorausgesagt und vor dem drohenden Einsickern russischer Truppen in Ostukraine gewarnt. Der russische Oberst Igor Girkin, “Oberkommandierender” der Donezker Republik, gab vor kurzem die Beteiligung Russlands im Krieg offen zu und erzählte, wie seine Sondereinsatzgruppe im April in die Ukraine eingedrungen war, um Regierungsgebäude zu besetzen.

Autor: Mat Babiack

Quelle: Euromaidan Press

Übersetzung: Euromaidan Press auf Deutsch

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