InformNapalmTeam: Lagebericht Stand Ende Dezember 2014

Karta-28-dekabrya

 

Krieg im Donbas

Quelle: InformNapalm deutsch

Der bedingte „Waffenstillstand“ hat eine Reihe aktiver Kampfhandlungen eingefroren. In Verbindung damit möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf zwei Schlüsselmomente lenken:

  • die Anhäufung und die Umgruppierung der feindlichen Streitkräfte wird fortgesetzt;
  • in den besetzten Gebieten verstärken sich die sozialen Spannungen; die Anzahl der internen Konflikte zwischen verschiedenen Formationen von Banden in der „DVR/LVR“ steigt ebenso.

Die Kluft zwischen den Ansichten der Söldnerleitungen in Bezug auf den weiteren Verlauf der Ereignisse ist erkennbar. Ein Teil von ihnen übt scharfe Kritik an den beiden Anführern der „DVR/LVR“, Alexander Sachartschenko und Igor Plotnizki, weil diese Friedensabmachungen unterzeichnet haben, wegen der Entwendung von humanitären Hilfsgütern und Finanzmitteln, die aus Russland geliefert werden. In einer Videoansprache beschuldigte der Kommandant von Perwomajsk (Luhansker Gebiet), Jewgen Ischenko, die Leiter der „DVR/LVR“ des  „Machtkampfes“ und drohte damit, „die Waffen gegen sie selbst zu richten“. Der „Chef des Sicherheitsdienstes der LVR“, Wladimir Gromow, beschuldigte Plotnizki auch des Raubs von 100.000 Dollar, die für die Versorgung des terroristischen Bataillons „Sarja“ bereitgestellt waren.

Diese und viele andere Erklärungen aus der zweiten Dezemberhälfte könnten eine weitere Rochade unter den Führungskräften der terroristischen Organisationen vorwegnehmen. Außerdem gehen Bestätigungen ein, dass der ehemalige Vorsitzende der Fraktion „Partei der Regionen“ und gleichzeitig ehemalige Vorsitzender der Luhansker Gebietsverwaltung Alexander Jefremow und „Janukowytschs Familie“ am Aufbau einer Schattenleitung der besetzten Territorien beteiligt sind. Für diese Behauptung spricht auch die Tatsache, dass während des gesamten militärischen Konfliktes kein einziges Objekt Schaden genommen hat, das Janukowytschs oder Jefremows Familien gehört. Zum jetzigen Zeitpunkt bekleiden handzahme Propagandisten von der „Partei der Regionen“ die wichtigen zeremoniellen Posten in der LVR.

Zum Beispiel ist der Patensohn von Alexander Jefremow, Rodion Miroschnik, der noch immer den Titel „Verdienter Journalist der Ukraine“ trägt und früher ein persönlicher Protegé und Pressesprecher von Jefremow höchstpersönlich war, zum jetzigen Zeitpunkt stellvertretendes Oberhaupt der LVR und leitet die Propagandaarbeit in „Neurussland“. [Anm. d. Übers.: Mehr zu diesem Thema hier: “Jefremows Schatten über der LVR”].

Übrigens wurde Miroschnik schon im Februar 2011 zum Stellvertreter des Vorsitzenden der Gebietsorganisation der „Partei der Regionen“ in Ideologiefragen ernannt, also sind die Funktionen, die er in der „Partei der Regionen“ und LVR ausführt, entsprechend.

Es zeichnet sich ein Schema ab, in welchem die Mechanismen der Finanzverteilung von den geächteten Anführern der „Partei der Regionen“ (Janukowytsch, Jefremow, Achmetow usw.) gesteuert werden, und die zentralisierte Militärverwaltung vom Generalstab der Streitkräfte Russlands beaufsichtigt wird. Alle übrigen Umgruppierungen, die Machtverteilung, die Diebstähle der Finanz- und Lebensmittel- sowie der „humanitären Hilfe“ geschehen auf dem niedrigsten Niveau und der Optik halber.

Dabei gibt es von Zeit zu Zeit auch interne Konflikte wie unter den Banden, so auch zwischen den Söldnern und den regulären Unterabteilungen der Streitkräfte Russlands, aber das ist eine Routineangelegenheit für ein Territorium ohne ein effektives Verwaltungssystem, das mit Waffen und Söldnern verschiedener ideologischer, moralisch-ethischer, religiöser und politischer Ansichten überflutet ist. Besonders sollte man die Partisanentruppen hervorheben, die vollkommen autonom agieren und ihre eigenen Ziele verfolgen. Manche von ihnen lassen sich von der Idee einer „einheitlichen Ukraine“ leiten, andere rächen sich einfach nur an den Söldnern für ihre persönliche Kränkungen (entwendetes oder zerstörtes Eigentum, getötete oder zu Krüppeln gemachte Verwandte usw.).

Besonderes Interesse ruft Alexander Mosgowoj hervor, einer der Führer der bewaffneten Formationen der LVR. Seine Umgebung betont, dass er sich allzu unabhängig verhält und dieses Verhalten Vielen missfällt.

Schauen wir auf die Lankarte: Mosgowoj hält Lyssytschansk für sein Stammterritorium und will die Stadt zurück erobern, was er mehrmals in Interviews verkündete. Nach Informationen unserer Insidern wurde in der letzten Zeit eine große Anzahl schwerer Militärtechnik in Richtung Ballungsgebiet Altschewsk-Brjanka-Perwomajsk-Stachanow verlegt, da wird womöglich die Aufstellung eines ganzen mechanisierten Regiments [mit Schützenpanzern ausgerüstete Verbände] geplant. Und hier ist ein Doppelspiel möglich.

Die selbsternannte Regierung der LVR, unter Förderung des Kreml, beginnt Mosgowoj zu diskreditieren, um dann all die Sünden wegen der Nichteeinhaltung der Waffenruhe und dem Übergang zur aktiven Phase der Kampfhandlungen ihm zuzuschreiben, dabei wird aber eine verdeckte „Finanzierung“ seiner Gruppierung weiterhin fortgesetzt. Das Ziel dieser Operation ist die Übernahme der Kontrolle über die natürlichen Wasserhindernisse, d.h. den Siwerskij Donez, zu forcieren. Eben darum hat auch am 26.12.14 die Beschießung von Brjanka und Altschewsk angefangen – sie suchen nach einem Vorwand. Wobei am 26.12.14 Zivilisten in Brjanka Raketenwerfer der Söldner aus dem Stadion „Druschba“ verscheucht haben, darum ist den Söldnern ein Vergeltungsschlag nicht gelungen.

Aber die Strecke Perwomajsk-Lyssytschansk verdient besondere Aufmerksamkeit. Auch wenn Mosgowoj es nicht schaffen sollte, bis nach Lyssytschansk zu kommen, kann er für die ATO-Kräfte einen kleinen Kessel im Raum der Ortschaften Toschkiwka, Nowotoschkiwske, Krimske bilden.

Genau dieses bestätigt auch die andauernde Bewegung von Militärtechnik durch Krasnodon nach Luhansk. Unter anderem ist am frühen Morgen des 27.12.2014 vom Grenzposten Iswaryne eine große Zahl russischer Technik (ca. 95 Einheiten) eingedrungen, die sich weiter in Richtung Luhansk bewegt hat. Diese Ausrüstung in Luhansk anzuhäufen macht keinen Sinn, denn wegen des Siwerskij Donez bleibt Stschastje für die Söldner noch immer uneinnehmbar.

Nun lasst uns doch unsere Aufmerksamkeit auf das Ballungsgebiet Schachtarsk-Tores-Snischne-Krasnij Lutsch lenken. Nach Insiderinformationen sind hier bis zu 100 gegnerische Panzer konzentriert, was ungefähr der Stärke einer Panzerbrigade entspricht. Ein Teil der Panzer steht in Dauerbereitschaft. Es gibt zwei Varianten: Entweder erwarten die Streitkräfte Russlands einen Angriff der ATO-Kräfte von Debalzewe ausgehend entlang der Landstrasse M03, oder sie bereiten sich selber auf einen Angriff in der Gegenrichtung vor.

Außerdem sind Aktivitäten der Söldner im Raum Majorsk (Horliwka) zu vermerken. Wenn man genauer hinschaut, wo Majorsk liegt, kann man sehen, dass es an der Verbindung von Horliwka Richtung Artemiwsk liegt. Diese angeführte Aktivität zeugt von einem möglichen Vorstoß in Richtung Artemiwsk, dabei kann ein Angriff aus Krasnij Lutsch in Richtung Debalzewe auf die Umzingelung der ATO-Kräfte in Majorsk ausgerichtet sein. In der Hinsicht wäre auch ein Angriff auf Artemiwsk von Perwomajsk ausgehend logisch.

Der Anzahl und Qualität der Bunker an den westlichen Rändern von Donezk nach zu urteilen, bereiten sich die Söldner auf eine Abwehr vor. An mehreren Tagen in Folge konnten wir Bewegungen von Militärtechnik aus Komsomolske in Richtung Starobeschewe und weiter nach Donezk registrieren. Am Morgen des 27. Dezember wurde eine große Aktivität der Söldnertechnik im Petrower Bezirk von Donezk beobachtet.

Darum bleibt ein Angriff in Richtung Kurachowe aktuell. Des weiteren bleibt auch ein Angriff in Richtung Donezk-Selydowe aktuell. Von Insidern gibt es Informationen über Söldnerverlegungen  in Richtung Selydowe an Krasnohoriwka vorbei. Zur Aufgabe dieser Söldnerformation wird höchstwahrscheinlich eine Blockierung der Versorgungslinien der ATO-Kräftegruppierung gehören, die sich im Westen von Donezk befindet, im Falle des Vorstoßes in den oben angeführten Richtungen.

Was Mariupol angeht, so bleibt das Szenario hier unverändert, wobei es sich lohnt, daran zu denken, dass sich auf dem Weg der Streitkräfte Russlands der Fluss Kalmius befindet, der die Angriffe in Richtungen Telmanowe-Granitne-Donske und Krasnoarmijske-Talakiwka-Wolodarske-Mangusch bedeutend erschwert. Obwohl ein Teil der Söldnertechnik in Richtung Jeleniwka verlegt wurde (eine Vorbereitung auf den Angriff auf Wolnowacha). Auch wenn Temperaturen von bis zu -20 Grad erwartet werden (Die Eisdicke wird leichte Panzerwagen tragen können), so sind Vorstöße hier dennoch unwahrscheinlich. Die Aktivierung der Angriffshandlungen in allen aufgeführten Richtungen hängt eher von der taktischen Lage ab, als von einer konkreten Entscheidung von oben herab.

Am Vorabend von Silvester werden wahrscheinlich keine besonderen Veränderungen stattfinden, und der faktische Übergang in eine aktive Phase der Kampfhandlungen ist unwahrscheinlich, aber man muss zu allem bereit sein.

Wir wünschen Euch Frieden und Güte. Slawa Ukraini!

Dieses Material wurde vom Militäranalysten der Gruppe InformNapalm Artem Wasilenko und dem Koordinatoren der Gruppe InformNapalm, Militärkorrespondenten Roman Burko vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel.  Beim Nachdruck des Materials ist ein aktiver Link zu InformNapalm.org erforderlich.

Überarbeitet von Euromaidan Press auf Deutsch

Quelle: InformNapalm deutsch

Übersetzt von: Irina Schlegel
Redigiert von: Euromaidan Press auf Deutsch

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