Warum die Ukraine den Bewohnern des Donbas nichts schuldet

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Archiv, Krieg im Donbas, Meinung & Analyse, Politik

Artikel von: Anton Senenko
Quelle: Anton Senenko Facebook 31.12.2014
Quelle: Inforesist

Das wird ein sehr trauriger Artikel im ausklingenden Jahr.

In letzter Zeit bekommt man oft von Flüchtlingen und den verbliebenen Bewohnern des Donbas zu hören, dass „wir, die Bewohner des Donbas, nie einen Krieg gegen die übrigen Ukrainer angefangen hätten, wenn sie sich hätten abspalten wollen“.

Nun ja, meine lieben Flüchtlinge (und ich fühle aufrichtig mit Euch). Sie hätten es also nicht nur zugelassen, dass sich die Ukraine vom Donbas trennt, sondern auch, um ehrlich zu sein, von Russland… Sie taten alles dafür, damit die Versuche unserer Mitbürger unterbunden werden, aus dem Einfluss dieses Knastbruders zu entkommen und ein normales Leben zu führen.

Ich erzähle nur zwei Geschichten:

  1. Erinnern Sie sich an den Tag, als im Mariinsky-Park, dem Stolz der Kyiwer Gartenarchitektur, die Leichen von Kyiwern und sonstiger ukrainischer Bürger lagen? Und wie viele Menschen wurden zu Krüppeln gemacht… Als unter der absolut fahrlässigen Miliz Tituschkis (muss man erinnern, woher sie kamen und wer sie brachte?) mit Schlagstöcken auf unbewaffnete Menschen, deren grundlegende Idee eine Verbesserung des Lebens war, einprügelten und deren Tod in Kauf nahmen. Finden Sie die Gruppen sofort nach der Prügelei. Sogar die Miliz, die sich nur nicht einmischte, erzitterte vor der Grausamkeit der bezahlten Bastarde aus dem Donbas. Am nächsten Tag traf ich einen guten Freund, der dort war und wie durch ein Wunder unverletzt blieb. Er zeigte mir seinen Helm (einen Skihelm). Der Helm war mit einem schweren, stumpfen Gegenstand zerbrochen worden. Hätte es dieses schützende Ding nicht gegeben, wäre die Ukraine um einen ausgezeichneten, hochgebildeten Fachmann auf dem Gebiet der Molekularbiologie und Genetik ärmer. Die Nation hätte eine Blume verloren. Einen Menschen, der keine Molotow-Cocktails warf, der keine Pflastersteine und Knüppel in den Händen hielt. Das heißt, dieser bemerkenswerte Typ, der in Zukunft den Nobelpreis erhalten könnte, wäre fast von einem Bewohner des Donbas für 300 Hryvna ermordet worden. Von jemanden, der überhaupt nicht kapierte, was er tat. Oder er verstand es, was noch schlimmer wäre… Kyiw hat das dem Donbas verziehen.
  2. Als Janukowytsch die Flucht ergriff, wurde Kyiw von einer Welle Tituschkis heimgesucht, um die aufbegehrende Stadt auf die Knie zu zwingen – das Herz der Revolution der Würde. Wir, die einfachen Bürger, waren gezwungen, Selbstverteidigungseinheiten in den Bezirken zu organisieren, um die Umtriebe der aus dem Donbas zugereisten Leute nicht zuzulassen (aus irgendeinem Grund fuhren keine Menschen aus Lwiw und Kyiw nach Donezk, um dort Geschäfte zu plündern und zufällige Passanten zu töten). Wir hatten keine Waffen. Ich hatte solche Angst, was mich bis heute an meiner unerschrockenen Dummheit (ja, Dummheit) überrascht, nur mit einem Schlagstock in der Hand Tituschkis suchen zu gehen. Und es gibt folgende Geschichte: Als eine Gruppe Tituschkis aus dem Golosejewsker Bezirk von Kyiw vertrieben wurde, liefen sie direkt auf das Eis des Dnjepr und brachen ein. Die Selbstverteidigungskräfte retteten sie. Und als ein besonders eifriger Beschützer der „Goldenen Toilette“ mit der Schnauze auf dem Boden lag, damit er sich beruhigt, wissen Sie, was er fauchte? „Ihr seid hier alle komplett bekloppt. Man muss Euch vernichten.“ Das heißt, der Genosse kam nicht in meine Stadt, um hier für klare Ordnung zu sorgen. Kyiw hat auch das dem Donbas verziehen.

Und so sollte Kyiw und der Rest der Ukraine ruhig zusehen, als Tituschkis und an ihrer Spitze grüne Männchen im Donbas diesmal nicht mit Schlagstöcken, sondern mit Maschinengewehren erschienen? Hätten dann unsere Helme und Selbstverteidigungskräfte geholfen? Nein. Und so stand zum Schutz der Bevölkerung die Armee auf. Aber lassen wir das Thema – ATO oder nicht. Wir sind erwachsene Leute und in diesem Artikel will ich das nicht behandeln.

Vielmehr möchte ich betonen:

Sehr geehrte Bewohner des Donbas! Wenn Sie sagen, dass die Bewohner des Donbas nie in einen Krieg gegen die übrige Ukraine gezogen wären, so denke ich, dass Ihnen nach diesen beiden Geschichten klar sein sollte, dass Sie gegangen wären. Ja, natürlich, Sie persönlich nahmen keine Waffe in die Hand. Irgendwelche Leute und Unmenschen nahmen sie in die Hand. Man kann es Ihnen nicht verübeln. Aber die ganze Ukraine würde sich die Hände vom Blut der Verteidiger jener Ordnung waschen, die sich bis heute in der DNR und LNR einrichteten. Gefällt Ihnen das? Schlucken Sie es!

Dabei geht es gar nicht darum, ob der Donbas ukrainisch wird. Ich sage es klipp und klar: Manche pfeifen (im positiven Sinn) auf den Donbas. So habe ich persönlich nichts damit zu tun, wer dort wie lebt und leben will, unter wem und wie lange. Ich war kein einziges Mal im Land der Bergarbeiter, kein kurzer Besuch in Donezk, und mich interessiert dort auch nichts. Wenn es nach mir ginge, wenn Sie die Unabhängigkeit wollen, nur zu. Und sehr viele Ukrainer sind mit mir einer Meinung. Alle wollen Frieden und keiner will Krieg. Aber ich befürchte, dass die Terroristen, wenn sie gewinnen, aus dem Donbas nach Kyiw kommen. Sogar bis zur ATO waren sie bereit, zu kommen, wenn man sie nicht aufgehalten hätte. Warum? Aus dem gleichen Grund wie sie im Februar zu uns kamen. Sie werden kommen und sie werden töten. Nur nicht mit Schlagstöcken, sondern mit Kugeln. Das ist eine einfache Sorge. Die Bewohner des Donbas fürchteten den „Rechten Sektor“, aber letztlich verstanden und sahen die Bewohner der übrigen Ukraine, zu welcher Grausamkeit auch die Bewohner des Donbas fähig sind. Ist das so klar? Das ist weder ATO, noch Krieg. Das ist die Verteidigung des ukrainischen Volkes vor Terroristen und imperialistischen Allüren. So einfach. Ja, persönlich tut es mir um Sie leid. Aufgrund einer kleinen Zahl an Patrioten konnten Sie diese Unmenschen nicht bändigen. Deshalb hören Sie auf zu murren und unterstützen Sie unsere Armee. Je schneller sie die ATO beendet, desto schneller gibt es Frieden. Niemand wird diese Pest mehr in Ruhe lassen.

Ich möchte nicht, dass bei jemandem der Eindruck entsteht, dass ich die Bewohner des Donbas als blutige Junta darstelle, wie sie die Kyiwer darstellen. Ich habe heute eine Menge ausgezeichneter Freunde aus dieser leidgeplagten Region. Aber der Donbas legt bisher nicht die Waffen nieder, so dass kein Friede sein kann.

Und wenn der Krieg endet und der Donbas (wie auch die Krim) wieder ukrainisch sein wird, werde ich vielleicht trotzdem nicht dorthin fahren. Aber ich schwöre Ihnen, liebe Bewohner des Donbas, was ich unbedingt will, ist, dass die Leute in den Städten im Land der Bergarbeiter genauso wie in Kyiw, einfach durch die Geschäfte ziehen und Geschenke aussuchen.

Und, weil es ein sehr trauriger Artikel im ausklingenden Jahr ist:

In ewiger Erinnerung an die Himmlische Hundertschaft, in ewiger Erinnerung an die Getöteten im Mariinsky-Park und während der Repressalien, in ewiger Erinnerung an alle Verteidiger der Ukraine.

Ich werde mich immer an sie erinnern, weil ich dank ihres Opfers keine Angst mehr habe.

Artikel von: Anton Senenko
Quelle: Anton Senenko Facebook 31.12.2014
Quelle: Inforesist

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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