Ukraine wird moderne politische Nation – es ist nicht mehr so wichtig, welche Sprache jemand spricht

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Archiv, Meinung & Analyse

Artikel von: Paul A. Goble / Sergej Zenkin
Quelle: Stopfake.org
Quelle: Window on Eurasia
Quelle: Kasparov.ru
Quelle: Sergej Zenkin (Facebook)

Die These von der Ukraine als politische Nation wird weiter untermauert – für die Ukrainer ist es weniger wichtig geworden, welche Sprache jemand verwendet.

Eine der Kernaussagen von Putins Propaganda war es, dass sich die Ukrainer der russischen Sprache, und damit auch letztlich der russischsprachigen Bevöllkerung in ihrem Land entledigen wollen. Deshalb musste Moskau im Namen der “Russischen Welt” eingreifen, um dies zu verhindern.

Diese Behauptung Moskaus war nie so stimmig, wie der Kreml das glauben machen wollte – aber jetzt gibt es neue Hinweise, dass das Gegenteil zutrifft. Professor Sergej Zenkin zufolge, einem Moskauer Literaturtheoretiker und Übersetzer, kümmern sich die Ukrainer derzeit weniger als jemals zuvor darum, ob jemand Russisch spricht – denn sie seien dabei, “eine moderne politische Nation” zu errichten.

In einem Beitrag, der am 4. Januar 2015 auf der [oppositionellen russischen Website] Kasparov.ru erschien, berichtet Professor Zenkin von einem Gespräch, das er vor Kurzem mit einer russischen Bekannten führte, die zwar “die russische Aggression in der Ukraine verurteilt” aber dennoch den ukrainischen Nationalismus als “unsympathisch” empfindet.

In den Worten des Moskauer Wissenschaftlers beklagte sie sich ihm gegenüber, dass in der Vergangenheit an ihrer ukrainischen Universität “die Vorlesungen ausschließlich auf Ukrainisch gehalten” wurden und dass sie und ihre Kollegen sogar in privaten Gesprächen nicht ins Russische wechseln wollten, damit niemand darüber Bericht erstattet.

Aber “jetzt”, sagte sie, “gibt es das selbstverständlich nicht mehr” Auf die Frage, ob sie mit “jetzt”, “nach der Revolution” meine, antwortete die Freundin des Übersetzers: “Ja, natürlich”, und begann dann sofort, über etwas anderes zu sprechen.

“Ich betone,” sagte Zenkin, “meine Gesprächspartnerin legte keinen besonderen Wert auf ihre Aussage,” eine Tatsache, die es sogar “noch bedeutsamer” gemacht habe. Dies sei ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich “in dem Land, in dem eine nationale Revolution stattfand, deren Ziel es unter anderem war, sich von Russland zu trennen, die Einstellung gegenüber Russland nicht verschlechtert, sondern verbessert hat und toleranter geworden ist – und das, obwohl man sich im Krieg mit Russland befindet.”

Dies zeige deutlich, dass sich “in der Tat eine moderne politische Nation gebildet hat, und zwar unabhängig von den ethnischen oder sprachlichen Hintergründen ihrer Bewohner.” Eine solche Transformation der Ukraine müsse von allen Beteiligten anerkannt werden, und könne von allen, die das Beste für die Ukraine und ihre Menschen wünschen, nur begrüßt werden.

Auf dem Foto: Sergej Zenkin,  Professor für Literaturtheorie und Semiotik an der Staatlichen Russischen Universität für Geistes- und Sozialwissenschaften (RGGU) in Moskau

Artikel von: Paul A. Goble / Sergej Zenkin
Quelle: Stopfake.org
Quelle: Window on Eurasia
Quelle: Kasparov.ru
Quelle: Sergej Zenkin (Facebook)

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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