Kyiwer Ex-Polizeichef jetzt bei der Moskauer Polizei?

fedtschuk

 

20. Januar 2015 • Archiv, Russland

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 20.1.2015

Der ehemalige stellvertretende Polizeichef von Kyiw, Petro Fedtschuk, der auf der Flucht ist vor der Strafverfolgung wegen gewaltsamer Vertreibung der friedlichen Maidan-Demonstranten, insbesondere auch wegen der Geschehnisse vom 30. November 2013, befindet sich jetzt möglicherweise im gleichen Rang in den Diensten der russischen Polizei. Während einige ehemalige Berkut-Offiziere sich weiterhin der Justiz entziehen, kämpfen andere Seite an Seite mit den Maidan-Aktivisten bei der Verteidigung der Ukraine.

Es waren zunächst Journalisten, die auf den Fedtschuk-Doppelgänger bei der gewaltsamen Behandlung von Moskauer Bürgern hinwiesen, die am 30. Dezember gegen die Urteile gegen den führenden Oppositionspolitiker Alexej Navalny und seinen Bruder Oleg protestiert hatten. In dem folgenden Video ist Fedtschuks Gesicht bei Minute 8’38 unter den Polizisten zu sehen, die den friedlichen Protest unterdrücken. Er trägt die Dienstgradabzeichen im Rang eines Obersten, und das Wort “Polizei” ist zu sehen, wenn er sich umdreht.

Ob Fedtschuk für die Vertreibung der Demonstranten vom 30. Dezember zuständig war, ist unklar, aber er steht unter dem Verdacht, während der Euromaidan-Proteste zusammen mit seinem Vorgesetzten Walerij Korjak unrechtmäßig Demonstrationen behindert und körperliche Gewalt angewendet zu haben. Korjak und Fedtschuk verschwanden am 5. März 2014 und wurden im April auf die Fahndungsliste des SBU [Sicherheitsdienst] gesetzt.

Dem ukrainischen Menschenrechtler Taras Hataljak zufolge war Fedtschuk für die öffentliche Ordnung verantwortlich und spielte eine sehr aktive Rolle bei den Versuchen, die Proteste in Kyiw durch Anwendung von Gewalt zu stoppen. Sein Kopf wäre gerollt, hätte er das unterlassen.

Hataljak sagt, dass Fedtschuk für die blutige Zerstreuung der jungen Demonstranten am 30. November um 4 Uhr morgens verantwortlich war, von denen viele fest eingeschlafen waren. Seine Organisation “Rechtsanwälte für die Opfer der Polizeigewalt” glaubt, dass Fedtschuk auch bei einer Reihe von anderen Gelegenheiten für kriminelle Handlungen verantwortlich war und dass dazu möglicherweise auch der Angriff von Berkut-Polizisten und Kräften des Innenministeriums auf den Maidan am 18. Februar 2014 gehört.

Anastasia Stanko, Journalistin von HromadskeTV sagte “Offenes Russland”, dass sie nicht im Geringsten überrascht sei, dass Fedtschuk bei der russischen Polizei aufgetaucht sein soll, zu der er vermutlich vorher schon gute Verbindungen hatte. “Schließlich kennt er sich gut aus mit der Zuständigkeit für das Verprügeln von Menschen und der Organisation von Provokationen.” Und er weiß, dass ihm in der Ukraine strafrechtliche Verfolgung droht.

Stanko wurde auch gefragt, ob nach ihrer Auffassung viele Polizisten bereit waren, außer Landes zugehen und bei der Polizei eines anderen Landes Dienst zu tun. Sie beantwortet dies damit, dass Ihre Antwort jetzt anders als im Februar letzten Jahres laute, als sie nur die Brutalität der Polizei im Dienst des alten Regimes kannte. Was sich geändert habe, sei der Krieg, in dem viele Polizisten, darunter ehemalige Berkut-Offiziere, in den Kampf für die Ukraine gingen. “Irgendwo in ihnen begann ein Veränderungsprozess”, sagt sie. Schon vor der Befreiung von Slawjansk im Mai gab es frühere Mitglieder der Maidan-Selbstverteidigung, die Seite an Seite mit Ex-Berkut-Offizieren kämpften. Irgendwie haben sie eine gemeinsame Sprache gefunden „und wenn man sie jetzt fragt, warum sie in der ATO [Anti-Terror-Operation]-Zone sind, antworten sie: „Aber das ist einfach, ich habe einen Eid auf das ukrainische Volk abgelegt.”

Ja, es gibt auch einige vormalige Berkut-Leute, die nach Russland oder auf die Krim geflohen sind und dort arbeiten, aber die Mehrheit hat ihrer Meinung nach ihre Haltung geändert. Berkut-Offiziere wurden einer Gehirnwäsche unterzogen. Ein früherer Offizier, der mit Mitgliedern der Nationalgarde sprach, die auf dem Maidan gewesen waren, sagte zu ihnen: “Sie hatten uns gesagt, dass Ihr der Bodensatz der Gesellschaft seid, in Wirklichkeit seid ihr aber richtige Krieger.”

Dagegen könnten, wie sie schätzt, bis zu tausend Mitglieder der Vollzugsbehörden unter Ex-Präsident Wiktor Janukowytsch, nach Russland geflohen sein. Eine beträchtliche Anzahl – vielleicht 10 Prozent – ging nach Russlands Invasion auf die Krim, und natürlich gibt es auch einige, die an der Seite der vom Kreml unterstützten Militanten der sogenannten Donezker und Luhansker „Volksrepubliken“ kämpfen.

Von den Spitzenleuten unter Janukowytsch verstecken sich vermutlich die meisten in Russland. Tatsächlich war in der letzten Woche zu erfahren, dass der frühere Innenminister Witalij Sachartschenko sowohl die russische Staatsbürgerschaft als auch einen Job bei Russian Technologies (Rostec) angenommen hat, einer Staatsfirma, die einem engen Weggefährten des russischen Präsidenten Wladimir Putin untersteht. Die Ukraine wirft Sachartschenko Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit dem Niederschießen unbewaffneter Demonstranten am 20. Februar 2014 vor. Die Vorwürfe gegen andere sind nicht weniger schwerwiegend, Janukowytsch und den flüchtigen Ex-Generalstaatsanwalt Wiktor Pschonka eingeschlossen, denen Schutz zu bieten der Kreml für angebracht hält.

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 20.1.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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