Heute vor einem Jahr gab es die ersten Todesopfer auf dem Euromaidan

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22. Januar 2015 • Archiv, Empfehlung, Soziales

Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 22.1.2015

Heute vor einem Jahr, am 22. Januar 2014, wurden zwei Maidan-Aktivisten – Serhyj Nihojan und Michail Schysnewskij – auf der Hruschewskij-Straße (вул. Грушевського) in Kyiw erschossen. Am selben 22. Januar – dem ukrainischen Tag der Einheit [День соборності] wurde Roman Senyk tödlich verletzt, er starb einige Tage später, und Jurij Werbyzkij ließ man in einem Wald sterben, nachdem er schrecklichen Folterungen ausgesetzt war. Niemand wurde bisher für einen dieser Todesfälle strafrechtlich zur Verantwortung gezogen.

nihojanSerhyj Nihojan (Сергій Нiгоян) war 21 Jahre alt und hatte seit Dezember 2013 als Mitglied der freiwilligen Selbstverteidiger des Maidan gedient.

Serhyj Nihojan war ukrainisch-armenischer Herkunft. Seine Eltern hatten kurz vor der Geburt ihres Sohns Zuflucht in der Ukraine gesucht, um dem gewaltsamen Konflikt um Berg-Karabach zu entrinnen.

Das folgende Video mit dem Titel “Unser Schewtschenko” wurde erstmals am 22. Dezember 2013 veröffentlicht und zeigt, wie Serhyj Nihojan auf dem Maidan und Zeilen aus dem Gedicht “Kaukasus” von Taras Schewtschenko rezitiert.

Ja! Ruhm auch euch, ihr kühnen Kämpen,

Ob Tod, ob Fessel euer harrt!

So kämpft nur fort, ihr werd’t doch siegen,

Gott steht euch bei im guten Streit;

Mit euch ist Kraft und heil’ge Freiheit,

Mit euch ist die Gerechtigkeit!

 

Sergei Nihojan war das einzige Kind seiner Eltern. Seine Mutter ist seit seinem Tod schwer krank, und in der Regel besucht sein Vater Harik Nihojan sein Grab in der Nähe von Beresnowatiwka, dm Dorf in der Nähe von Dnipropetrowsk, wo er bei seinen Eltern wohnte.

schysnewskijMichail Schysnewskij (Михаил Жизневский) war 25 und stammt aus Belarus. Er war vor 10 Jahren auf der Flucht vor Verfolgung in die Ukraine gekommen. In der Ukraine war er in der nationalistischen UNA-UNSO-Bewegung aktiv.

senykRoman Senyk (Роман Сеник) war 45 und kam aus der Oblast (Region) Lwiw. Er starb im Krankenhaus, drei Tage nachdem er auf dem Maidan Schussverletzungen erlitten hatte.

Die Ermittlungen über die Tötungen wurden zunächst unter der Zuständigkeit des Innenministeriums angestellt, wurden aber inzwischen von der Generalstaatsanwaltschaft übernommen. Serhyj Horbatjuk, Leiter der Abteilung für Sonderermittlungen bei der Generalstaatsanwaltschaft, erklärte laut Inter Podrobnosti:

“In den Akten des Innenministeriums gab es keinerlei Angaben darüber, welche Einheiten in der Stadt eingesetzt waren. Entweder wurde darüber keine Dokumentation erstellt, oder jemand hat sie zerstört.”

werbyzkijJurij Werbyzkij (Юрий Вербицкий)

Der 51-jährige Seismologe aus Lwiw wurde in den frühen Morgenstunden des 21. Januar von zehn Männern in Zivil aus dem Krankenhaus entführt. Seine Leiche wurde am 23. Januar in einem Wald außerhalb von Kyiw aufgefunden. Er war schwer gefoltert worden, hatte schwerste Verletzungen erlitten und wurde dem Tod durch Erfrieren überlassen.

Die zentrale Ermittlungsabteilung des Innenministeriums erklärte im August 2014, dass die Ermittlungen im Falle der Entführung der Euromaidan-Aktivisten Ihor Luzenko (Ігор Луценко) und Jurij Werbyzkij abgeschlossen habe. Die Ermittlungen kamen zum Ergebnis, dass die Entführungen beider Männer von zwei Männern organisiert worden waren, die mit der vollen Unterstützung der ehemaligen Verwaltung des Innenministeriums und der Generalstaatsanwaltschaft gehandelt hatten. Gegen zwei Männer wurde Anklage erhoben, und weitere zehn wurden auf die internationale Fahndungsliste gesetzt. Die Polizei weigerte sich jedoch, die Namen zu veröffentlichen. Später hieß es, dass nur eine Person tatsächlich in Haft ist.

Eine der wichtigsten Versionen der Ermittler für die Morde auf der Hruschewskij-Straße lautet, dass die ersten Todesfälle nicht von ungefähr geschahen, sondern den Versuch darstellten, die Unterstützer des Maidan zu terrorisieren.

Es scheint jedoch, dass die Familien der ersten Opfer längst jede Hoffnung auf eine angemessene Untersuchung verloren haben, durch die festzustellen wäre, wer für die Morde verantwortlich war.

 

Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 22.1.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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