Girkin: Das Krim-Referendum war eine Farce

girk

 

24. Januar 2015 • Empfehlung, Krim, Russland

Artikel von: Jaroslav Jay
Quelle: Euromaidan Press (englisch) 24.1.2015

Igor Girkin (alias Strelkow), früher mal Verteidigungsminister der sogenannten Donezker Volksrepublik, der im August 2014 aus Donezk floh, als die ukrainischen Streitkräfte ihre Bekämpfung terroristischer Kräfte begannen, ist inzwischen zu einer Art Whistleblower geworden, der sich selbst bloßstellt. Kürzlich saß er in einem Studio einer Talkshow namens “Polit-Ring”, die von einem so bezeichneten NeuroMirTV produziert wird. Girkin beschrieb ganz offen die Systematik, wie das illegale Referendum auf der Krim im Frühjahr 2014 durchgeführt wurde, das später als Vorwand für die Annexion der Halbinsel durch Russland verwendet wurde. Als sein Gesprächspartner leidenschaftlich zu beschreiben anhob, wie die Krimer Uniformträger der ukrainischen Armee und der Polizei seiner Meinung nach in jeder Hinsicht die “Sehnsucht der Menschen, mit Russland wiedervereint zu werden” unterstützten, lachte Girkin leise und erwiderte:

“Nikolai, wann waren sie auf der Krim?  Nun, ich war auf der Krim seit dem 21. Februar. Was Sie hier beschreiben, ist absoluter Unsinn. Von welchen Ordnungskräften, die auf die Seite der Bevölkerung [damit meint Girkin wohl die russische Seite; der Üb.] übergingen, reden Sie überhaupt? Auf die Seite der Bevölkerung, ich unterstreiche, der Bevölkerung, nicht der Machtorgane, ist nur die Berkut übergegangenAlle anderen Organe des Innenministeriums befanden sich unter der Kontrolle von Kiew, und erfüllten Befehle aus Kiew, ich habe das selbst gesehen. Ja, sie erfüllten sie ohne Begeisterung, irgendwo erfüllten sie sie mit runtergelassenen Ärmeln, irgendwo simulierten sie Krankheiten, sabotierten einfach nur. Aber sie erfüllten weiter die Befehle aus Kiew, und führten nicht die Befehle aus, die ihnen die neuen Machthaber gaben. Ich habe leider überhaupt keine Unterstützung durch offizielle Regierungsvertreter in Simferopol gesehen, wo ich mich befand. Die “Volkswehr” musste die Abgeordneten einsammeln, um sie in den Plenarsaal des Regionalparlaments reinzutreiben, damit sie [die Gesetze] verabschiedeten. Anders kann man das nicht sagen. Ich weiß das, weil ich zu der Zeit das Kommando über die Volkswehr hatte, und ich habe alles von innen gesehen. […] Und ich spreche gar nicht erst von der Armee, der ukrainischen. […] Die Armee war Kiew unterstellt, und gehorchte auch weiterhin Kiew.  […] Mehr noch, die meisten Abteilungen blieben Kiew treu, und zogen vom Territorium der Krim ab. […] Der einzige Faktor, [der im Donbass und in Luhansk fehlte], und der auf der Krim vorhanden war, war die Präsenz russischer Truppen, welche die die Position der Volksmassen eindeutig unterstützten. Hätte es diese Unterstützung in den anderen Regionen gegeben, hätte es genau so einen, unblutigen, überwältigenden Sieg gegeben wie auf der Krim.

Girkins militante Fassade ist heute ziemlich verblasst, so als ob der Ex-Terrorist versuche, sich von der Verantwortung für seine Verbrechen zu distanzieren. Seine welliges Haar im Kosakenstil hat er sauber getrimmt; seine früher übliche Tarnkleidung hat er jetzt durch eine biedere Strickjacke ersetzt. Obwohl er freimütig über die von ihm verursachten Gräueltaten spricht, über die er aber dennoch stolz zu sein scheint, versucht der Ex-Rebell eine gewissen Neutralität zum heutigen Krieg zu pflegen, obwohl er sich bitter über die, wie er sagt, fehlende Unterstützung seitens Russlands im Osten der Ukraine beklagt. Ob dies seine Art von Agitation für die weiterzuführende russische Invasion ist oder einfach nur eine kaschierte Lüge, um unangenehmen Fragen über sein überstürztes Absetzen aus Donezk Ende August 2014 aus dem Weg zu gehen, ist schwer zu sagen. Was aber nicht zu leugnen ist, dass Girkin nicht allzu gerne wieder zu seiner “Rebellion” in der Ukraine zurückkehren will. Vielleicht ist es Zeit für seine Kameraden, dem Beispiel ihres Führers zu folgen. Schließlich ist er noch am Leben.

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Artikel von: Jaroslav Jay
Quelle: Euromaidan Press (englisch) 24.1.2015

Bild: SobiNews
Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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