Syriza-Kontaktmann Dugin: Faschismus – Grenzenlos und Rot

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Kultur, Politik, Russland

Artikel von: Alexandr Dugin
Quelle: Russische Originalquelle
Quelle: Linksunten Indymedia (Übersetzung)

Titelbild: Aleksandr Dugin (rechts) mit einem seiner berühmtesten Anhänger und Verbreiter in Russland – der russische Prime-Time TV Journalist Michail Leontjew (links) 

Aus dem Buch “Tempelritter des Proletariats” (elektronische Version) 1997

In Ergänzung der Analyse des Rechtsextremismusforschers Anton Shekhovtsov “Aleksandr Dugin und die SYRIZA-Connection” (siehe auch Robert Coalson: “New Greek Government Has Deep, Long-Standing Ties With Russian ‘Fascist’ Dugin“) hier die Übersetzung einer der Schlüsseltexte Dugins:

Faschismus – Grenzenlos und Rot
Von Aleksandr Dugin

Im 20. Jahrhundert gibt es nur drei Ideologien, die zeigen konnten, dass ihre Prinzipien realistisch sind in Bezug auf ihre politische und administrative Umsetzung – dies sind der Liberalismus, der Kommunismus und der Faschismus.

So sehr man dies auch möchte – es ist unmöglich, ein anderes Gesellschaftsmodell zu nennen, das nicht eine Ausprägung dieser Ideologien wäre und [das] gleichzeitig in der Realität existierte. Es gibt liberale Länder, es gibt kommunistische [Länder] und es gibt faschistische (nationalistische) [Länder]. Andere Länder gibt es nicht. Und sie sind unmöglich.

In Russland haben wir zwei ideologische Phasen durchlaufen – die kommunistische und die liberale.

Was bleibt ist der Faschismus.

1. Gegen den nationalen Kapitalismus

Eine Version des Faschismus, die, so scheint es, die russische Gesellschaft anzunehmen bereit (oder nahezu bereit) ist, ist der Nationalkapitalismus.

Es steht nahezu außer Zweifel, dass das Projekt des Nationalkapitalismus oder „rechten Faschismus“ eine ideologische Initiative des Teils der Elite der Gesellschaft darstellt, die sich ernsthaft mit dem Problem der Macht auseinandersetzt und die die Anforderungen der Zeit [velenie vremeni] intensiv spürt.

Dennoch schöpft die „nationalkapitalistische“, „rechte“ Variante des Faschismus keineswegs die Natur dieser Ideologie aus. Überdies stellt die Vereinigung der „nationalen Bourgeoisie“ mit der „Intelligentia“, auf der laut einigen Analysten, der kommende russische Faschismus basieren wird, ein eklatantes Beispiel für etwas dar, das eigentlich dem Faschismus als Weltsicht, als Doktrin, [und ] als Stilrichtung gänzlich fremd ist. Die „Vorherrschaft des nationalen Kapitals“ – dies ist eine marxistische Definition des Phänomens des Faschismus. Sie berücksichtigt die spezifische philosophische Sebstreflexion der faschistischen Ideologie überhaupt nicht [und] klammert das fundamentale innerste Pathos des Faschismus bewusst aus.

Faschismus – das ist Nationalismus, doch nicht irgendein Nationalismus, sondern eine revolutionäre, rebellische, romantische, idealistische [Form von Nationalismus], die einen großen Mythos und eine transzendente Idee anspricht, die den unmöglichen Traum [Hervorhebung durch großen Anfangsbuchstaben] in die Praxis umzusetzen versucht, eine Gesellschaft des Helden und des Übermenschen [Swerchtčelowek – Hervorhebung durch großen Anfangsbuchstaben] hervorbringen will, um die Welt zu verändern und zu transformieren [preobrazowat’ i preobrazit’]. Auf wirtschaftlicher Ebene ist der Faschismus durch sozialistische oder gemäßigt sozialistische Methoden gekennzeichnet, die persönliche, individuelle ökonomische Interessen den Prinzipien des nationalen Gemeinwohls, der Gerechtigkeit [und] der Brüderlichkeit unterordnen. Und schließlich deckt sich die faschistische Sicht von Kultur mit einer radikalen Ablehnung der humanistischen, „exzessiv menschlichen“ Mentalität, d.h. dessen, was das Wesen der „Intelligentia“ ausmacht. Der Faschist hasst den Intellektuellen [Intelligenten] als Typus. Er sieht in ihm einen maskierten Bourgeois, einen angeberischen Philister, einen Dampfplauderer und verantwortungslosen Feigling. Der Faschist liebt gleichzeitig den Brutalen [zverskoe], den Übermenschlichen und Engelhaften. Er liebt die Kälte und die Tragödie, er mag Wärme und Bequemlichkeit nicht. In anderen Worten, der Faschismus verachtet alles, was das Wesen des „Nationalkapitalismus“ ausmacht. Er kämpft für die „Vorherrschaft des nationalen Idealismus“ (und nicht für „nationales Kapital“) und gegen die Bourgeoisie und die Intelligentia (und nicht für sie und nicht mit ihr). Das faschistische Pathos ist genau definiert im berühmten Satz Mussolinis: „Erhebe dich, faschistisches und proletarisches Italien!“

„Faschistisch und proletarisch“ – solcher Art ist die Ausrichtung des Faschismus. [Er ist] eine Ideologie der Arbeiterschaft und heroisch, militant und kreativ, idealistisch und zukunftsorientiert, die nichts gemein hat damit, für die Geschäftsleute [torgasham] zusätzlichen obrigkeitlichen Komfort zu sichern, (auch wenn sie tausend Mal national sind), und Pfründe für die parasitäre Intelligentia. Die zentralen Figuren des faschistischen Staates [und] des faschistischen Mythos [sind] der Bauer, der Arbeiter [und] der Soldat. An der Spitze, als oberstes Symbol des tragischen Kampfes mit dem Schicksal, der kosmischen Entropie, [steht] ein gottgleicher Anführer, Duce [duče], Führer [fyurer], ein Übermensch, der in seiner supra-individuellen Persönlichkeit die außergewöhnliche Spannung des nationalen Willens zur Heldentat realisiert. Natürlich gibt es irgendwo am Rande auch einen Platz für den ehrlichen bürgerlichen Kaufmann [graždanin-lawočnik] und den Universitätsprofessor. Sie stecken sich auch Parteiabzeichen an und gehen zu zeremoniellen Zusammenkünften. Aber in der faschistischen Realität verblassen ihre Figuren, gehen verloren, [und] treten in den Hintergrund [otstupajut na zadnii plan].

Nicht für sie und nicht durch sie geschieht die nationale Revolution.

In der Geschichte erfuhr der reine, ideale Faschismus keine direkte Inkarnation. In der Praxis zwangen die dringlichen Probleme der Machtergreifung und der Herstellung wirtschaftlicher Ordnung die faschistischen Führer – einschließlich Mussolini, Hitler, Franco und auch Salazar – Allianzen mit Konservativen, Nationalkapitalisten, Großgrundbesitzern und Großunternehmern zu schmieden. Dieser Kompromiss endete jedoch immer erbärmlich für die faschistischen Regime. Den fanatischen Anti-Kommunismus, der durch die deutschen Kapitalisten angeheizt wurde, bezahlten die Deutschen mit ihrer Niederlage im Krieg gegen die UdSSR, während Mussolini – der auf die Ehrlichkeit des Königs vertraute (Sprecher der Interessen des Großkapitals) – von diesem an die Überläufer Badoglio und Ciano ausgeliefert wurde, die den Duce ins Gefängnis brachten und sich selbst den Amerikanern an den Hals warfen.

Franco hielt am längsten durch und das wegen der Konzessionen des liberalen, kapitalistischen England und der USA und wegen [seiner] Weigerung, die ideologisch verwandten Regime der Achse zu unterstützen. Außerdem war Franco kein richtiger Faschist. Nationalkapitalismus ist das innere Virus des Faschismus, sein Feind [und] Garant [zalog] für seine Degeneration und seinen Untergang. Nationalkapitalismus ist keinesfalls ein wesentliches Charakteristikum des Faschismus, da [der Nationalkapitalismus] im Gegenteil ein zufälliges und widersprüchliches Element seiner inneren Struktur ist.

Daher kann man in unserem Fall, im Fall des wachsenden russischen Nationalkapitalismus nicht von Faschismus sprechen, sondern von einem Versuch, etwas, das nicht vermeidbar ist, frühzeitig zu entstellen. So ein Pseudo-Faschismus kann als „präventiv“ [oder] „vorbeugend“ bezeichnet werden. Er beeilt sich rasch bekannt zu werden, bevor ein authentischer, tatsächlicher, radikal revolutionärer und konsequenter Faschismus, ein faschistischer Faschismus, in vollem Ausmaß geboren und in Russland stark wird. Nationalkapitalisten – dies sind ehemalige [kommunistische] Parteibonzen, die es gewohnt waren, Menschen herumzukommandieren [wlastwowat’] und zu erniedrigen, und die anschließend aus Konformismus „liberale Demokraten“ wurden und die nun, da dieses Stadium vorüber ist, genauso eifrig versuchen, sich im nationalistischen Gewand zu zeigen.

Nachdem sie die Demokratie zu einer Farce gemacht hatten, sind die „Partokraten“ nun offenbar zusammen mit der diensteifrigen Intelligentia drauf und dran, den Nationalismus, der in die Gesellschaft eindringt, zu versauen und zu vergiften.

Die Natur des Faschismus [ist] eine neue Hierarchie, eine neue Aristokratie. Das Neue liegt darin, dass die Hierarchie auf natürlichen, organischen [und] klaren Prinzipien fußt – Würde, Ehre, Mut [und] Heldentum. Die marode Hierarchie, die sich in die Ära des Nationalismus hinüber zu tragen versucht, beruht so wie früher auf konformistischen Fähigkeiten, „Flexibilität“, „Vorsicht“, „einer Vorliebe für Intrige“, „Kriechertum“ etc. Der offenkundige Konflikt zwischen den zwei Stilrichtungen, zwei menschlichen Typen, zwei normativen Systemen ist unausweichlich.

2. Russischer Sozialismus

Es ist absolut ungerechtfertigt, den Faschismus eine „rechtsextreme Ideologie“ zu nennen. Diese Erscheinung wird durch die paradoxe Formel „Konservative Revolution“ viel genauer charakterisiert. Er ist eine Kombination aus einer „rechten“ kulturell-politischen Ausrichtung – Traditionalismus, Heimattreue, Treue den Wurzeln gegenüber, den nationalen Werten – und aus einem „linken“ Wirtschaftsprogramm  – soziale Gerechtigkeit, Beschränkung der Kräfte des Marktes, Entbindung von der „Kredit- [protsentnogo] Sklaverei“, Verbot von Börsenspekulationen, Monopolen und Kartellen, [und] Vorrang für ehrliche Arbeit. In Analogie zum Nationalsozialismus, der oft einfach nur “Deutscher Sozialismus” genannt wurde, kann man vom russischen Faschismus als „russischem Sozialismus“ sprechen. Die ethnische Spezifizierung des Begriffs „Sozialismus“ hat in diesem Kontext eine besondere Bedeutung. Was damit gemeint ist, ist die Formulierung einer von Beginn an sozio-ökonomischen Doktrin, nicht auf der Basis von abstrakten Dogmen und rationalistischen Gesetzen, sondern auf Basis von konkreten, spirituell-ethischen und kulturellen Prinzipien, die die Nation als solche organisch geformt haben. Russischer Sozialismus – das heißt nicht Russen für den Sozialismus, sondern Sozialismus für die Russen. Im Unterschied zu starren marxistisch-leninistischen Dogmen,  geht der russische National-Sozialismus von einem Verständnis von sozialer Gerechtigkeit aus, die sehr charakteristisch für unsere Nation, für unsere geschichtliche Tradition, für unsere Wirtschaftsethik ist.

So ein Sozialismus wird mehr bäuerlich als proletarisch sein, mehr kommunal und genossenschaftlich als administrativ [gosudarstvennyi], mehr regional als zentralistisch – all dies sind Anforderungen an die russisch nationale Spezifizität, die in der Doktrin und nicht nur in der Praxis ihren Ausdruck finden wird.

3. Neue Menschen

Ein derartiger russischer Sozialismus sollte von neuen Menschen [Hervorhebung durch Satzzeichen] geschaffen werden, einer neuen Art von Menschen, einer neuen Klasse. Einer Klasse von Helden und Revolutionären. Die Überreste der Partei-Nomenklatura und ihrer morschen Ordnung sollten der sozialistischen Revolution zum Opfer fallen. Der nationalen russischen Revolution. Die Russen sehnen sich nach Frische, nach Modernität [sovremennosti], nach echter Romantik, nach lebendiger Teilhabe an einer großen Sache. Alles, was ihnen heutzutage angeboten wird, [ist] entweder archaisch (die nationalen Patrioten) oder langweilig oder zynisch (die Liberalen).

Der Tanz und der Angriff, Mode und Aggression, Übermäßigkeit und Disziplin, Wille und Gebärde, Fanatismus und Ironie werden in den nationalen Revolutionären brodeln – jung, bedrohlich [zlych], heiter, furchtlos, leidenschaftlich und keine Grenzen kennend. Sie [werden] aufbauen und zerstören, herrschen und Befehle ausführen, Säuberungen unter den Staatsfeinden durchführen und sich fürsorglich um die russischen Alten und um die Kinder kümmern. Voller Zorn und heiter werden sie sich der Zitadelle des morschen [und] alten Systems [Hervorhebung durch großen Anfangsbuchstaben] nähern. Ja, sie lechzen stark [krovno] nach Macht [Hervorhebung durch großen Anfangsbuchstaben]. Sie wissen sie zu gebrauchen. Sie werden der Gesellschaft Leben einhauchen [Hervorhebung durch großen Anfangsbuchstaben], sie werden die Menschen in den süßen Prozess schubsen [wwergnut], Geschichte zu schreiben [Hervorhebung durch großen Anfangsbuchstaben]. Neue Menschen. Jetzt endlich: intelligent und tapfer. So wie sie gebraucht werden. Die die äußere Welt als Schlag verstehen  (in den Worten von [Ewgeni] Golowin [eines russischen Mystikers und Lehrers von Dugin]).

Unmittelbar vor seinem Tod machte der faschistische französische Schriftsteller Robert Brasillach eine merkwürdige Prophezeiung: “Ich sehe, wie im Osten, in Russland der Faschismus aufsteigt – ein Faschismus, grenzenlos und rot.“

Beachten Sie: Kein verblasster, bräunlich-blassrosa Nationalkapitalismus, sondern die gleißende Morgendämmerung einer neuen russischen Revolution [Hervorhebung durch großen Anfangsbuchstaben], Faschismus – grenzenlos wie unser Land und rot wie unser Blut.

Artikel von: Alexandr Dugin
Quelle: Russische Originalquelle
Quelle: Linksunten Indymedia (Übersetzung)

Übersetzt von: Eugen1979

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