Kafka 2015 oder Landesverrat – Eine Mutter von sieben Kindern braucht Eure Unterstützung

Kafka 2015 in Russland: Eine Hausfrau und Mutter von sieben kleinen Kindern aus der Stadt Wjasma wurde - zunächst ohne Angabe von Gründen - festgenommen; Tage später erfuhr ihr Mann, dass ihr der KGB-Nachfolger FSB "Landesverrat" vorwirft. Ihr drohen 12 bis 25 Jahre Haft. Ihr jüngstes Kind war zum Zeitpunkt der Festnahme sechs Wochen alt.

Kafka 2015 in Russland: Eine Hausfrau und Mutter von sieben kleinen Kindern aus der Stadt Wjasma wurde - zunächst ohne Angabe von Gründen - festgenommen; Tage später erfuhr ihr Mann, dass ihr der KGB-Nachfolger FSB "Landesverrat" vorwirft. Ihr drohen 12 bis 25 Jahre Haft. Ihr jüngstes Kind war zum Zeitpunkt der Festnahme sechs Wochen alt. 

31. Januar 2015 • Menschenrechte, Russland

Artikel von: Boris Reitschuster und andere
Quelle: Svoboda.org
Quelle: Interview mit Swetowa

Kafka 2015 oder Landesverrat –Eine Mutter von sieben Kindern braucht Eure Unterstützung

Zusammengestellt aus Material von Boris Reitschuster und mehreren Facebook-Usern

Kafka 2015 in Russland: Eine Hausfrau und Mutter von sieben kleinen Kindern aus der Stadt Wjasma wurde – zunächst ohne Angabe von Gründen – festgenommen; Tage später erfuhr ihr Mann, dass ihr der KGB-Nachfolger FSB “Landesverrat” vorwirft. Ihr drohen 12 bis 25 Jahre Haft. Ihr jüngstes Kind war zum Zeitpunkt der Festnahme sechs Wochen alt.
Swetlana Dawydowas “Verbrechen”: Sie hatte im April in der ukrainischen Botschaft in Moskau angerufen und mitgeteilt, dass die Kaserne gegenüber ihrer Wohnung seit kurzem leer sei, und die Soldaten möglicherweise in die Ukraine abkommandiert wurden.
9 Monate später, am 21. Januar, stürmte die Polizei Dawydowas Wohnung, ihre Computertechnik wurde beschlagnahmt, und ihr wurde kein Wort gesagt, worum es gehe und was der Vorwurf sei. Erst sechs Tage später bekam ihr Mann die Antwort, sie sei wegen Landesverrats festgenommen worden.
Dawydowa befindet sich im früheren KGB-Gefängnis Lefortowo in Moskau.
Laut Ermittlern soll die Information, die die Hausfrau Dawydowa der ukrainischen Botschaft am Telefon mitteilte, geheim gewesen sein – de facto ein Eingeständnis, dass Russland Krieg führt.
Der Anwalt Dawydowas sagte laut ihrem Mann, ihr drohe als Mindeststraße 12 Jahre Haft.

Der Duma-Abgeordnete Dmitryj Gudkov hat sich gestern an die Generalstaatsanwaltschaft gewandt und auf eine Stellungnahme des russischen Verteidigungsministeriums aus dem September 14 verwiesen. Demnach sei Russland keine Konfliktpartei in der Ostukraine; womit die Mitteilung Davydovas an die ukrainische Botschaft nur als “ihre eigenen Phantasien und subjektive Bewertung der Realität” eingestuft werden könne, aber nicht als Spionage. Oder das Verteidigungsministerium habe gelogen. http://www.novayagazeta.ru/news/1691214.html

Original (russisch): http://www.svoboda.org/content/article/26819727.html

Ihr Pflichtverteidiger hat vor Gericht nicht einmal gesagt, dass sie einen zwei Monate alten Säugling hat – und arbeitet offenbar eher gegen als für sie: Im Verfahren gegen die wegen “Landesverrats” inhaftierte Swetlana Dawydowa werden immer haarsträubendere Details bekannt. Die Mutter von vier eigenen und drei Pflegekindern sitzt im berüchtigten Moskauer Geheimdienstgefängnis Lefortowo ein, weil sie der ukrainischen Botschaft per Telefon mitgeteilt haben soll, dass eine Kaserne gegenüber von ihrer Wohnung leer sei und sie fürchte, die Soldaten seien in der Ukraine (siehe https://www.facebook.com/reitschuster/posts/1045565858791935). Die Menschenrechtlerin Soja Swetowa konnte die 36-jährige, der bis zu 20 Jahren Haft drohen, jetzt hinter Gittern treffen und interviewen.

Der Pflichtverteidiger erklärte Journalisten, die Vorwürfe gegen seine Mandantin seien begründet, und Haftbeschwerde lege er nicht ein, weil eine entsprechende Verhandlung “viel Lärm in der Presse machen und ein zusätzliches psychologisches Trauma für ihre Kinder” bringen würde.

Die Ermittler verbieten Swetlana den Telefonkontakt mit ihrem Mann. Swetlana. ist völlig überrascht und beginnt zu weinen, als ihr Menschenrechtlerin Swetowa erzählt, dass ihr Pflichtverteidiger keine Haftbeschwerde eingelegt habe. Genau das habe er ihr aber versprochen, und sie auch ein entsprechendes Papier unterschreiben lassen, so Swetlana, die ihre Zelle mit einer Betrügerin teilen muss. Sie berichtet, dass sie ein vollständiges Geständnis abgelegt habe. Vor dem Untersuchungsrichter sei überhaupt nicht zur Sprache gekommen, dass sie kleine Kinder habe. Es drängt sich der Verdacht auf, dass – wie leider oft in Russland – der vom Staat zugeteilte Pflichtverteidiger eher die Interessen der Anklage wahrnimmt als die seiner Mandantin.

Der Link zum russischen Original des Interviews mit Swetowa.

Während des gesamten Treffens hätten die Gefängnisbeamten versucht, das Gespräch zu stören und Swetlana dazu zu bringen, nichts zu erzählen, berichtet Swetowa. Das Gespräch musste dann unterbrochen werden, weil just zu diesem Zeitpunkt der Pflichtverteidiger mit Swetlana sprechen wollte.

Als Swetowa später selbst den Pflichtverteidiger trifft und ihn fragt, ob er jetzt Haftbeschwerde doch einlegen werde, wie das seine Mandatin möchte, sagt er: “Wir haben viel Arbeit”. Eine konkrete Antwort bleibt er schuldig.

Hier ist der von einem fb-User übersetzte Artikel aus dem russischen Strafgesetzbuch:

Artikel 275. Landesverrat

Landesverrat, also durch einen Staatsbürger der Russischen Föderation begangene Spionage oder Weitergabe von Informationen, die ein Staatsgeheimnis darstellen, welches der betreffenden Person anvertraut wurde oder ihr im Rahmen des Dienstes, der Arbeit, des Studiums oder in anderen durch die Gesetzgebung der Russischen Föderation vorgesehenen Fällen zur Kenntnis gelangt ist, an einen anderen Staat, eine internationale oder ausländische Organisation oder an deren Vertreter oder finanzielle, materielle, technische, beratende oder sonstige Unterstützung eines anderen Staates, einer internationalen oder ausländischen Organisation oder deren Vertreter bei einer gegen die Sicherheit der Russischen Föderation gerichteten Tätigkeit,

wird mit Freiheitsentzug zwischen zwölf und zwanzig Jahren einschließlich einer Geldstrafe in Höhe von bis zu 500.000 Rubel oder in Höhe des Einkommens oder anderer Einkünfte des Verurteilten aus einem Zeitraum von bis zu drei Jahren oder ohne eine solche Geldstrafe und mit einer bis zu zweijährigen Freiheitsbeschränkung bestraft.

Anmerkung. Personen, welche die durch diesen Artikel sowie die durch die Artikel 276 und 278 des Strafgesetzbuches vorgesehenen Straftaten begangen haben, werden nicht strafrechtlich belangt, wenn sie die Behörden freiwillig und rechtzeitig hierüber informiert haben oder auf andere Art und Weise dabei mitgewirkt haben, weiteren Schaden von den Interessen der Russischen Föderation abzuwenden, und wenn ihre Handlungen keine weiteren Straftaten beinhalten.”

Wer Swetlana und ihren Kindern helfen will, kann etwa Amnesty anschreiben und bitten, sich der Sache anzunehmen: [email protected]

Die Nowaja gaseta hat einen offenen Brief an Putin geschrieben, den man unterschreiben kann im Internet (leider nur, wenn man eine russische Handynummer hat). Bislang haben ca. 7000 Menschen unterschrieben. http://www.novayagazeta.ru/inquiries/15.html

Einen facebook-hashtag gibt es bereits: #‎FreeSvetlanaDavidowa , eine russischsprachige Unterstützergruppe ebenfalls: Помочь Светлане Давыдовой (Hilfe für Swetlana Davidowa) mit bislang bereits 1078 Unterstürzer*innen.

Wird fortgesetzt …

Artikel von: Boris Reitschuster und andere
Quelle: Svoboda.org
Quelle: Interview mit Swetowa

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