Mobilmachung, Beute und „erbärmliche Juden“ – Sachartschenko spricht mit der Presse

(Pro)russische Kämpfer auf einer Straße in Makijewka, einem Vorort von Donezk in der Ostukraine am 1. Februar 2015 (Photo: Dominique Faget, AFP)

(Pro)russische Kämpfer auf einer Straße in Makijewka, einem Vorort von Donezk in der Ostukraine am 1. Februar 2015 (Photo: Dominique Faget, AFP) 

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Artikel von: AFP
Quelle: Libération Monde

Gestärkt durch die der ukrainischen Armee unlängst zugefügten Rückschläge, haben die (pro)russischen „Rebellen“ am Montag angekündigt, 100.000 Männer mobilisieren zu wollen, er sei bereit, die Offensive zu stoppen, so Separatistenchef Alexander Sachartschenko; die einzige Bedingung sei, daß sie die neu eroberten Territorien behalten könnten.

„Wir brauchen kein Blut, Wir sind bereit, anzuhalten, doch nur, wenn wir bleiben können, wo wir jetzt sind“, bekräftigte Sachartschenko auf einer Pressekonferenz am Montag in Donezk, Ostukraine, nachdem die Separatisten beachtlich an Boden über die im September in Minsk in den dortigen Friedensverhandlungen vereinbarte Trennlinie hinaus gewonnen haben.

Er sprach ferner von der pro-westlichen Regierung in Kiew: die Ukraine werde „von erbärmlichen Repräsentanten des großen jüdischen Volkes“ regiert.

Er hatte bereits – zitiert durch die offizielle Presseagentur der Separatisten, DAN, eine Generalmobilmachung angekündigt, die binnen zehn Tagen wirksam werde: man werde 100.000 Männer einziehen.

Wie die russische Presseagentur Tass berichtet, sei der russische Präsident, Wladimir Putin, über die Situation in der Ostukraine „extrem besorgt“, doch ein hoher Beamter der Präsidialverwaltung, läßt sich ohne Namensnennung zitieren, man unterstütze diese Mobilmachung, da sie, „wegen der Intensität der Kämpfe verständlich sei.“

Diese Erklärungen wurden nach dem Scheitern der Minsker Friedensgespräche am Samstag gegeben, bei denen man beabsichtigt hatte, eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand zu unterzeichnen, um die Gewalt zu beenden, die in den vergangenen neun Monaten zu mehr als 5.000 Todesfällen geführt hatte.

In der vergangenen Woche hatten die Aufständischen gedroht, im Falle des Scheiterns dieser Verhandlungen würden sie ihre Offensive über die gesamten Gebiete von Donezk und Luhansk ausdehnen, von denen jeweils ein großer Teil immer noch von der Regierung in Kiew kontrolliert wird.

Wie der Sprecher des ukrainischen Militärs, Andrij Lysenko, sagt, bedeutet die von Sachartschenko angekündigte Mobilisierung, daß die Rebellen weder über (ausreichend) Personal verfügten, und bislang ihr Ziel, die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Debalzewo, nicht erreicht hätten. Debalzewo liegt auf einer Straße, die die Hauptstädte der Separatisten, Donezk und Luhansk, miteinander verbindet und war in den vergangenen Wochen Schauplatz heftiger Kämpfe.

Russische Söldner?

Für Serhij Sgurets, einen Kiewer unabhängigen Militärexperten, lässt das vermuten, da0 maßgebliche Verstärkung aus Russland kommen könnte. „Die separatistischen Republiken haben nicht die Mittel, um so viele Männer zu mobilisieren, ohne auf russische Söldner zurückzugreifen.“

Ein anderer ukrainischer Analyst, Oleksandr Suschko, schätzt, daß Russland „kein Interesse hat, einen Waffenstillstand auszuhandeln, bevor es nicht der Ukraine eine maßgebliche Niederlage beigebracht hat, um dann seine Bedingungen diktieren zu können.

In Donezk, einer Hochburg der (pro)russischen Rebellen, hat die Ankündigung der Generalmobilmachung die Einwohner trotzdem kalt erwischt.

„Ich glaube nichts davon. Sollte das falsch sein, so wurde es sicher Richtung ukrainische Medien gesagt“, so die Reaktion von Alexander (28), der dennoch die Separatisten unterstützt. Sachartschenko sei dabei, seine Popularität bei denen zu untergraben, die ihn unterstützt haben“, fügt er hinzu.

Vitalij, ein 24-jähriger Web-Designer beurteilt solche Initiativen als „in eine Sackgasse führend“. „Jeden Tag fühle ich mich ein wenig mehr als Geisel (des Chefs der Separatisten)“ wirft er ein.

Am Boden haben die ukrainischen Streitkräfte und die Zivilbevölkerung in den letzten Wochen schwere Verluste erlitten. Zwölf Personen, davon sieben Zivilisten, wurden in den letzten vierundzwanzig Stunden bereits getötet –nach einem blutigen Wochenende, in dem fünfzig ukrainische Soldaten und Zivilisten starben.

Tödliche Waffen für die Ukraine?

Ein Zeichen für die wachsende Besorgnis des Westens im Angesicht der Perspektive eines Sieges der Aufständischen, ist die Bereitschaft des Oberkommandos der NATO und der Verantwortlichen in der US-Regierung, den ukrainischen Streitkräften tödliche Verteidigungswaffen zu liefern, wie die New York Times am Sonntag bestätigte.

Am Donnerstag wird der amerikanische Chefdiplomat, John Kerry, der Ukraine einen Besuch abstatten, um ihr „lückenlose Unterstützung“ zu bringen.

Nach einem unabhängigen, in den USA veröffentlichten Bericht fordern mehrere Denkfabriken, der Ukraine Waffen im Wert von bis zu drei Milliarden Dollar zu geben, unter ihnen Aufklärungsdrohnen und panzerbrechende Raketen.

Artikel von: AFP
Quelle: Libération Monde

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam

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