Russischer Politiker: Putins Krieg in der Ukraine macht den Weg für Faschismus in Russland frei

Der Krieg, den Wladimir Putin in der Ukraine führt, wird nicht nur zur wirtschaftlichen Zerstörung Russlands, sondern auch zu seiner moralischen Zerstörung führen, und das macht den Weg für den Aufstieg des Faschismus frei, sagt Lew Schlosberg. Tatsächlich, so argumentiert er, wird Russland für dieses schreckliche System „ideal bereit“.

Der Krieg, den Wladimir Putin in der Ukraine führt, wird nicht nur zur wirtschaftlichen Zerstörung Russlands, sondern auch zu seiner moralischen Zerstörung führen, und das macht den Weg für den Aufstieg des Faschismus frei, sagt Lew Schlosberg. Tatsächlich, so argumentiert er, wird Russland für dieses schreckliche System „ideal bereit“. 

5. Februar 2015 • Empfehlung, Nachrichten, Politik, Russland

Artikel von: Paul A. Goble
Quelle: Euromaidan Press English

Der Krieg, den Wladimir Putin in der Ukraine führt, wird nicht nur zur wirtschaftlichen Zerstörung Russlands, sondern auch zu seiner moralischen Zerstörung führen, und das macht den Weg für den Aufstieg des Faschismus frei, sagt Lew Schlosberg. Tatsächlich, so argumentiert er, wird Russland für dieses schreckliche System „ideal bereit“.

In einem Artikel in der neuesten Ausgabe von “Pskowskaja Gubernija,” behauptet Schlosberg, der die Russische Demokratische Partei Jabloko  im Regionalparlament vertritt, dass der Kriegskurs, der „im Wesentlichen von nur einem Mann eingeschlagen wurde“, jeden einzelnen enorm viel koste und dass „viele bereits mit ihrem Leben bezahlt haben“.

Trotz dieser Kosten, so der Abgeordnete weiter, „hat Putin für sich und das Land genau diesen Pfad der Konsolidierung der russischen Gesellschaft gewählt“, ein Pfad, der auf der Idee basiert, dass „die belagerte Festung Russland bereit ist, mit der gesamten übrigen Welt zu kämpfen. Krieg bedeutet Leben für Russland, Friede Tod“.

Je länger dieser Krieg dauere, desto ernster würden die Konsequenzen sein, fährt er fort. „Ein Kriegsjahr hat bereits gereicht, die wirtschaftlichen Erfolge der letzten zehn Jahre zunichte zu machen“, hat „Russland bereits um zwanzig Jahre zurückgeworfen“ und wird es noch weiter zurückwerfen.

„Russland hat weder die Streitkräfte noch die Mittel, diesen Krieg noch ein Jahr fortzusetzen“, sagt Schlosberg, aber „alles wird auf diesen Kriegs-Scheiterhaufen geworfen“. Und Putin hört nicht auf, weil er glaubt, dass es ihn stärkt, wenn er militärische Gewalt einsetzt, um die Ukraine zu unterdrücken.

Was der Kreml-Chef tut, hat jedoch nichts mit Landnahme zu tun. Es geht darum, sich an der Ukraine zu rächen, für alles, wofür sich die Leute entschieden haben – “für die europäische Wahl der Mehrheit der Gesellschaft“ und für die Vertreibung des Kreml-Mannes vor Ort, Viktor Janukowitsch.

Und für Putin ist es absolut notwendig, jetzt Rache an der Ukraine zu nehmen, bevor eine Generation in Russland kommt, die dieselbe Wahl treffen und damit seiner Herrschaft ein Ende bereiten wird, sagt Schlosberg. Um das zu verhindern, wird Putin in der Ukraine „jeden Preis“ bezahlen.

Er wird das tun, sagt der Abgeordnete aus Pskow, weil er „sicher ist, dass die russische Gesellschaft ihn unterstützt in seinem Wunsch, sich an der Ukraine zu rächen. Er ist sich sicher, dass sein Volk bereit ist, jeden Preis für seine Politik zu zahlen, auch mit dem Leben“, eine Überzeugung, die daher kommt, dass er in Russland ein „Kriegsvolk“ herangezogen hat.

Putin glaubt auch, dass niemand ihn richten wird, wenn er militärisch gewinnt. Nur Verlierer werden seinem Verständnis nach verurteilt Und tragischer Weise hat er es geschafft, viele Russen, die heute das Kriegsvolk sind, zu überzeugen und seine Meinung zu teilen. “Das Kriegsvolk grüßt den Kriegspräsidenten.”

So schrecklich die wirtschaftlichen Konsequenzen von Putins Krieg sind, die moralischen Folgen dieser Art sind noch schlimmer: „Seit dem Ende der UdSSR war die russische Gesellschaft noch nie in so einem verheerenden moralischen Zustand wie jetzt. Russland ist ein Land das idealerweise bereit ist für den Faschismus.“

„Faschismus“, so Schlosberg weiter, „liegt vor, wenn Millionen Menschen als Resultat von Hass glücklich sind, wenn Feindschaft die Haltung der Menschen formt und wenn die, die anders denken, zu Staatsfeinden werden.“

„Faschismus liegt vor, wenn der Staat ein Kriegsvolk heranzieht“, wenn es ein Propaganda-Ministerium gibt, was „letztlich die gesamte russische Staatsmacht“ geworden ist und wenn die Leute überzeugt sind, dass sie die Strategien des Führers oder seine Kriege nie in Frage stellen dürfen, wenn wie jetzt das „Kriegsvolk“ gegenüber den „Friedensleuten“ überwiegen.

Die meisten Russen denken, dass es bei den Nürnberger Prozessen nur um die Kriegsverbrechen des Nazi-Regimes ging, „aber im Rahmen [jenes Prozesses] wurde auch untersucht, wie der faschistische Staat zustande kam und wie ein ganzes Volk“ im Zentrum Europas seinem Bann erlag[M1] .

In Nürnberg zeigte sich, dass „auch ein großes Volk der Wissenschaft und Kultur nicht immun gegen den Faschismus ist. Der Faschismus verbrannte die öffentliche Moral in Deutschland mit der Geschwindigkeit des Feuers“, und das Ergebnis war entsetzlich. Seine „Jahrhunderte alte Kultur konnte es nicht vor dem Faschismus bewahren“.

„Das Kriegsvolk braucht keine Kultur“, denn „der Brennstoff für diese Feuersbrunst wurde die Lüge, die alles umspannende Staatslüge“, wobei die Bücherverbrennung diese Wirklichkeit symbolisierte.

Putin hat ein Kriegsvolk herangezogen, weil es in Wirklichkeit sehr leicht ist, ein Kriegsvolk zu werden. Man muss nur mehr hassen als lieben, dem Nachbarn nichts Gutes wünschen, sondern Zerstörung, glauben, dass die Großartigkeit des Vaterlandes die Verunglimpfung anderer Völker erfordert und sich daran ergötzen, an der Verunglimpfung teilzunehmen.

„Ein Kriegsvolk ist dazu imstande, das eigene Vaterland zu zerstören, weil Hass und Lügen jeden Staat und jede Gesellschaft zerstören“, sagt Schlosberg, und „der russische Staat bewegt sich schnell durch den Krieg auf seinen eigenen Nürnberger Prozess zu“, eine Bewegung, die „jeden Tag und jede Stunde stattfindet“.

„Es ist sehr schwer aufzuhören“, sagt er weiter, „so schwierig, wie einen Zug aufzuhalten, der unkontrolliert aus den Bergen kommt. Und im Moment gibt es in Russland „sehr wenige Leute, die diesen Wahnsinn zu stoppen versuchen“. Besteht irgendeine Chance, dass sie das tun können?

„Das ist die Frage für die Friedensbefürworter“, die in Russland weit weniger zahlreich sind als die „Leute des Krieges“. Aber sie sollten aus der folgenden Tatsache Mut schöpfen: „Ein Soldat im Krieg hört immer auf die Stimme des Friedens, weil er leben will.“ Weil das so ist, „ist es falsch zu schweigen“.

http://euromaidanpress.com/2015/01/31/russian-politician-putins-war-in-ukraine-opened-the-way-to-fascism-in-russia/ (5.2.2015)

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Wir haben schon früher über Schlosberg berichtet:

http://de.euromaidanpress.com/2014/10/01/lew-schlossberg-befehl-zu-lugen/

http://de.euromaidanpress.com/2014/10/03/lew-schlossberg-befohlen-zu-lugen/

http://de.euromaidanpress.com/2014/10/24/ermittlungsverfahren-wegen-des-angriffs-gegen-lew-schlossberg-gefordert/

[M1]A.d.Ü.: Damit keine Missverständnisse aufkommen: der Hinweis auf die Nürnberger Prozesse bedeutet keinen Nazi-Vergleich, sondern, dass die Weltgemeinschaft in Nürnberg das erste Mal der Frage nachging, was ein ganzes Volk, das allgemein als Kulturvolk, als Volk der Dichter und Denker wahrgenommen wurde, dazu brachte, die Verbrechen, die dort verhandelt wurden, mitzutragen. Bei jedem der beim Internationalen Gerichtshof verhandelten Verbrechen stellt sich seitdem diese Frage. Auch das Volk, das z.B. einen Tolstoj, einen Mendelejew, einen Pirogow hervorbrachte, muss sich das fragen lassen.

Artikel von: Paul A. Goble
Quelle: Euromaidan Press English

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