Söldner aus Murmansk beschweren sich über “Zwangsreise” in die Ukraine

Eine Gruppe von Söldnern aus Murmansk widersetzt sich der illegalen Zwangsreise an die ukrainische Front

Eine Gruppe von Söldnern aus Murmansk widersetzt sich der illegalen Zwangsreise an die ukrainische Front 

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Artikel von: Iwan Piwsajew
Quelle: Doschd

Sergej Kriwenko, Mitglied der Präsidialen Menschenrechtskommission, hat eine Beschwerde an das russische Verteidigungsministerium eingereicht. Darin fordert er Informationen über eine Reihe von Söldnern aus der Murmansker Oblast, die vor einer Ausübung von Kampfhandlung auf dem Territorium der Ukraine warnten.

Rund 20 Soldaten reichten Beschwerde ein. Zum Zwecke eines Treffens kam Kriwenko eigens in die Oblast Murmansk gefahren. Die Soldaten erklärten ihm, dass sie vor kurzem zu einem militärischen Trainingscamp etwa 100 Kilometer von ihrer jetzigen Position gebracht worden seien.

„Man bildete sie dort weiter aus“, so Kriwenko. „Irgendwann baute sich vor ihnen der Kommandeur auf und erklärte, dass sie zu einer Dienstreise in die Oblast Rostow geschickt würden. Dort müssten sie zum Ausführen militärischer Befehle die Grenze überqueren.“

Fragen der Soldaten nach den rechtlichen Grundlagen des Marschbefehls konnte der Offizier nur sehr unzureichend beantworten. Stattdessen, so Menschenrechtler Kriwenko, „schlug er patriotische Töne an – dass dort ein Krieg im Gange sei, dass man helfen, ja das russische Volk verteidigen müsse, welches unter dem Beschuss der Ukrainer sterbe.“ Denjenigen, die sich dem Befehl verweigerten, drohte der Kommandeur mit einer Entlassung.

Tatsächlich weigerten sich die Soldaten, ohne einen schriftlichen Marschbefehl nach Rostow zu reisen – und verfassten eine Beschwerde. Darin ist auch von besagtem Trainingscamp die Rede. Dort hätten die Soldaten auf dem Boden von Kamaz-Lastwägen schlafen müssen – ohne Heizung, bei Minustemperaturen um die zehn bis 15 Grad. Darüber hinaus gebe es den Soldaten zufolge Probleme mit der Stromversorgung. Aus dem Bericht geht jedoch auch hervor, dass die Soldaten den Dienst fortsetzen möchten.

Kriwenko zufolge ist in der Murmansker Oblast eine Kommission des Verteidigungsministeriums für die Untersuchung verantwortlich. Diese schweigt jedoch bislang zu den Vorwürfen.

Es handelt sich nicht um den ersten Fall eines Zwangsausflugs an die Front. Der Murmansker Menschenrechtlerin Irina Pajkatschewa zufolge wurde bereits am 25. Januar eine Gruppe von 23 Söldnern zu einem „speziellen Kampftraining“ in einem Militärausbildungslager in der Gemeinde Sputnik (bei Murmansk) geschickt. Dort wurde ihnen dann eröffnet, dass man sie zur ukrainischen Grenze bringe, die sie anschließend überqueren sollten.

Die militärische Leitung in der Gemeinde sollte die Truppe laut Informationen des lokalen Komitees der Soldatenmütter binnen einer Woche an der ukrainischen Grenze reorganisieren, nachdem die Soldaten sich geweigert hatten, die entsprechenden Einberufungsverträge zu verlängern.

Einige der Söldner berichteten den Menschenrechtlern Ende Januar, dass sie und einige Kameraden – insgesamt etwa 70 Kämpfer – im November unter dem Druck ihrer Befehlshabenden dem Kampfvertrag unterzeichnet haben und zur Oblast Rostow geschickt wurden, wo sie die russisch-ukrainische Grenze überquert hätten. Details über ihre Aktivitäten auf ukrainischem Gebiet wollten die Kämpfer nicht preisgeben.

Die militärische Leitung habe ihnen die Kündigung der Verträge im Anschluss an den Kampfeinsatz in Aussicht gestellt. Nach der Rückkehr von den Einsatz im Januar habe sich jedoch herausgestellt, dass dies nicht so leicht zu bewerkstelligen ist. Nach Beratungen mit einigen Menschenrechtlern haben sämtliche 70 Soldaten bei ihrem Vorgesetzten eine schriftliche Beschwerde eingereicht. Erst daraufhin, so Pajkatschewa, wurden die Verträge beendet.

Sergej Kriwenko weiß ebenfalls von Fällen „nachdrücklicher Vertragsverlängerung“ zu berichten, obwohl jeder Söldner eigentlich das Recht hat, eine Verlängerung zu verweigern.

Artikel von: Iwan Piwsajew
Quelle: Doschd

Bild: RBK
Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam

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