Russischer Politiker: Retten Sie unsere Soldaten – geben Sie der Ukraine Waffen!

„Leonid Gozman“ von Pete Souza of the Official White House

„Leonid Gozman“ von Pete Souza of the Official White House 

18. Februar 2015 • Empfehlung, Krieg im Donbas, Meinung & Analyse, Russland

Artikel von: Leonid Gosman
Quelle: Echo Moskau / echo moskwy

Der russische Oppositionspolitiker und stellvertretende Vorsitzende der liberalen Partei “Rechte Sache” Leonid Gosman fordert die Bewaffnung der Ukraine – und bedient sich in seinem Appell eines interessanten Perspektivwechsels: Je eher die Ukraine bewaffnet werde, desto schneller höre das Sterben der russischen Soldaten auf.

Im Donbas sterben unsere Jungs. Kugel und Patrone unterscheiden nicht zwischen freiwilligen Kämpfern, die ihr Schicksal selber ausgewählt haben und denen, die als „Urlauber“ auf Befehl in diese Knochenmühle gehen mussten. Und schließlich sind das alles unsere Jungs. Die Natürlich, die Ukraine verfügt nur über eine kleine und schlecht bewaffnete Armee. Aber sie reicht aus. Unsere Jungs sterben trotzdem – während sie das lesen, ist wahrscheinlich ein weiterer umgekommen. Gestern wurde der Sohn Ihres Nachbars getötet, und morgen der Verlobter einer Ihrer oder meiner Verwandten. Und wieder wird die Kugel nicht unterscheiden, ob Sie sich wie die meisten über die Krim-Annexion gefreut oder ob Sie sich geschämt haben wie ich und meine Freunde.

Die Ukrainer haben bewiesen, dass sie bereit sind und ihr Land verteidigen werden – siehe allein das Beispiel von Nadija Savchenko. Und je weiter wir auf ukrainischer Erde vorrücken, desto mehr unserer Jungs werden ihr Leben verlieren. Und selbst wenn wir die ukrainische Armee komplett zerschlagen, werden sie trotzdem weiter sterben – denken Sie daran, dass der Partisanenkrieg gegen die UdSSR dort bis zum Beginn der 50er Jahre andauerte.

Sie sterben nicht, weil es dort Anhänger Banderas (angebliche radikale Nationalisten) oder US-Amerikaner gibt. Sie sterben, weil sie als Feinde und Besatzer dorthin gehen oder geschickt wurden und den Menschen ihren Willen aufzwingen wollen. Denjenigen, die sie dorthin geschickt haben, ist völlig egal, ob sie als Krüppel oder überhaupt nicht zurückkehren. Die namenlosen Gräber – die Generäle, die die Soldaten in den Tod geschickt hatten, haben sie auch nach dem Tod verraten – demonstrieren das Verhalten der Befehlshaber gegenüber den Truppen.

Es gibt nur eine Hoffnung, dass sie dort nicht mehr sterben werden – wenn wir von dort weggehen. Aber wir gehen von dort nicht weg! Zumindest gehen wir nicht in der nahen Zukunft weg. Unsere Diplomaten werden weiterhin einen auf dumm machen und erzählen, dass wir damit überhaupt nichts zu tun haben, dass die bevollmächtigten Vertreter der Donezker und Luhansker „Volksrepubliken“ keine Räuber und Banditen sind – voller Stolz werden sie diesen Unsinn von sich geben, und der Krieg wird weitergehen. Aber es wird weniger Tote, Krüppel und Leid geben, wenn wir wenigstens nicht vorrücken werden.

Und dafür – ich sage jetzt etwas Schreckliches – ist es notwendig, dass die Ukraine Waffen erhält. Denn Gewalt kann man nur mit Parität aufhalten, mit dem Bewusstsein, dass es eine Antwort geben wird. In ein Haus mit Waffen wir mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit eingebrochen. Der Colt – der großer Ausgleicher – gibt dem Kleineren und Schwächeren eine relative Sicherheit. Der Größere und Stärkere wird zweimal überlegen, ob er sich an ihm vergehen soll. Als sowjetische Wissenschaftler ihrem Land die Atombombe gaben, wendeten sie damit den Krieg ab. Denn das zweifellos tolle amerikanische System der „Checks and Balances“ (Gewaltentrennung und Machtbalance) kann auch mal versagen – wer weiß, was da einmal jemand entscheiden könnte?

Und auch heute braucht man Parität – soweit das überhaupt möglich ist. Den Verstand verlierende Geopolitiker können nur durch die Angst vor inneren Unruhen gestoppt werden. Deshalb, nicht etwa aus der ihnen fremden Menschenliebe, sondern aus purem Pragmatismus, werden sie sich nicht auf hohe und landesweite Verluste einlassen. Und das bedeutet, dass sich die Wahrscheinlichkeit weiterer Offensiven zum Durchbrechen einer Landpassage zur Krim oder zur „Befreiung“ von Kiew deutlich reduziert, wenn die Ukrainer moderne Waffen bekommen. Und das wiederum bedeutet, dass weniger unserer Jungs sterben werden.

Und deshalb sage ich – retten Sie unsere Soldaten, geben Sie der Ukraine Waffen.

 

 

Artikel von: Leonid Gosman
Quelle: Echo Moskau / echo moskwy

Bild: Wikimedia Commons
Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam

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