Terroranschlag mit zwei Toten in Charkiw – in Kyiw nahmen Staatsgäste am Marsch der Würde teil

Ihor Tolmatschew, einer der beiden durch den Terrorangriff Getöteten, war Physiker und einer der Koordinatoren des Charkiwer EuroMaidan

Ihor Tolmatschew, einer der beiden durch den Terrorangriff Getöteten, war Physiker und einer der Koordinatoren des Charkiwer EuroMaidan 

Krieg im Donbas, Russland

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 22.2.2015

Durch eine Explosion in der Nähe des Sportpalasts in Charkiw wurden mindestens zwei Menschen getötet und 15 verletzt. Die Sprengvorrichtung war so eingestellt, dass sie in dem Moment explodierte, als sich Menschen für eine Demonstration für die Einheit zum Verfassungsplatz sammelten, um eine bürgerschaftliche Totenklage (panachyda), ein Requiem, anzustimmen für diejenigen, die in den miliärischen Auseinandersetzungen im Donbas getötet wurden.

charkiw Einer der Getöteten war Ihor Tolmatschew, einer der Koordinatoren des Euromaidn in Charkiw. Er war verheiratet und hatte eine Tochter. Der andere, noch namenlos, war ein Polizeibeamter. Im Polizeibericht steht, fünf der fünfzehn Verletzten seien Polizisten gewesen. Olexandr Turtschinow, Chef des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats, kündigte am späten Nachmittag an, dass eine Anti-Terror-Operation im Gange sei, infolge derer es möglich gewesen sei, „vier Menschen festzunehmen, die in die Explosion verwickelt seien und Waffen – unter ihnen ein Granatwerfer – sicherzustellen“. Wie die Verdächtigen so schnell identifiziert werden könnten, ist unklar.

Hier ein Live-Video vom Terroranschlag:

Wenn, wie es wahrscheinlich ist, der Terroranschlag darauf abzielte, die Prozession zu stören, hatte das keinen Erfolg. Prozession und Panachyda wurden abgehalten.

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Dieser jüngste von vielen Terroranschlägen, besonders in Charkiw und Odessa, zielte zweifellos darauf, die Aufmerksamkeit von der riesigen Prozession [in Kyiw] abzuziehen, bei der Delegationen aus 24 Ländern sich den Ukrainern bei ihrem Marsch der Würde anschlossen, der den ersten Jahrestag der Euromaidan-Proteste markiert, die in der Ukraine als „Revolution der Würde“ bekannt sind. Der Marsch führte durch die Straßen, in denen vom 18. bis 20. Februar des letzten Jahres die Protestierenden zusammengeschossen wurden. Der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, marschierte zusammen mit den Präsidenten von Georgien, Giorgi Margwelaszwili; Deutschland, Joachim Gauck; Litauen, Dalia Grybauskaite; Moldawien, Nicolae Timofi; Polen, Bronisław Komorowski, und der Slovakei, Andrej Kiska.

Die Prozession in Kiew kann hier angeschaut werden:

Sie sollte angeschaut werden von denen in Moskau, die in Russland sowie in Simferopol und Sewastopol auf der Krim am 21. Februar die „Anti-Maidan-Demonstrationen“ organisiert haben. Sie versammelten die Statisterie „Tausende Demonstranten“, doch genau wie die verdächtige Anzahl von Menschen in identischer Kluft gab es auch Pannen, einschließlich jener, dass ein junger Mann, der gefragt wurde, warum er dort war, antwortete „ich wurde gezwungen“ – man hatte ihm an seiner Uni gesagt, er solle dorthin gehen. Natalia Sotowa von der Nowaja Gaseta berichtete nicht nur, sondern hielt auch auf Video fest, dass ihr dreihundert Rubel bezahlt wurden, dafür, dass sie an der Show teilnahm.

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 22.2.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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