Putins Minsk II: «Ein Orgasmus des Herrn der Fliegen» (Video)

24. Februar 2015 • Analytik und Meinungen, Empfehlung, Krieg im Donbas, Meinung & Analyse, Russland

Artikel von: Sascha Sotnik (Interview) und Roman Pereverzev (Kamera, Schnitt)
Quelle: Sotnik-TV

16.02.15/Moskau – Schafft es Putin, den Westen von seinen „friedlichen Absichten“ zu überzeugen? Wie wird sich die Wirtschaftskrise in Russland auswirken? Werden die USA der Ukraine Waffen liefern? Über diese Fragen spricht der russische unabhängige Journalist Aleksandr Sotnik mit dem bekannten Querdenker und Politologen Andrej Piontkovskij.

Sotnik: Guten Abend, erlauben Sie mir, die Diskussion über die Ereignisse in und um Russlands zu entfachen. Darüber und über mehr wollen wir jetzt mit dem bekannten Politologen Andrej Piontkovskij sprechen. Guten Abend Andrej Andrejwich.

Piontkovskij: Guten Abend Sascha.

Sotnik: Andrej Andrejwich, was war das in Minsk, hat Putin die Weltgemeinschaft hinters Licht geführt und wenn ja, hat das funktioniert?

Piontkovskij: Also meiner Meinung nach war die Reise Merkels und Hollandes nach Moskau ein wichtigeres Ereignis als Minsk. Denn nach Brisbane fand sich Putin in der Isolation wieder, man hat ihn zu Treffen relevanter Staatsführer nicht mehr eingeladen, in London begann der Strafprozess aufgrund der radioaktiven Attacke in der Hauptstadt, in welchem die Schuldzuweisung direkt zu Putin führt. Und plötzlich wird die Isolation durchbrochen. Das war für Putin ein großer Gewinn, das wurde klar durch die Reaktion der Kreml-Propaganda, darum wurde viel Lärm gemacht. „Sie haben sich erschrocken, kommen angerannt, kommen angekrochen, sie können nicht ohne Russland, ohne Putin.“

Das war ein ernstes Ereignis, der erste Erfolg der nuklearen Erpressung Putins, denn Merkel kam nach Moskau gerannt, einen Tag nachdem der vor kurzem von Obama eingesetzte Chef des Pentagon, Ashton Carter, im Kongress ankündigte, dass er den Verkauf von Waffen an die Ukraine unterstützen wird. Es wurde klar dass es nur eine Frage der Zeit ist. Merkel hat darauf eilig erklärt, dass Deutschland sich an Waffenlieferung nicht beteiligen wird da das nur die Eskalation befördert. Deutschland wird auch deshalb nicht liefern da sie selbst keine Waffen haben. Erinnern Sie sich, sie haben damals die Operation in Libyen angeführt und innerhalb einer Woche gingen ihnen die Patronen aus oder die Raketen, die die Amerikaner lieferten. Und somit hat sie sich sofort bei Holland untergehakt und kam nach Moskau gerannt, obwohl dieselbe Merkel seit dem fünfstündigen Treffen in Brisbane eine sehr harte Position Putin gegenüber einnahm. Sie verließ dieses Treffen geschockt und erzählt danach, dass Putin Pläne für die Erweiterung der Russischen Welt Richtung Balkan oder noch weiter hegt.

Merkel erinnerte sich an ein Interview mit einem bekannten russischen Experten, dem Direktor des Carnegie-Center in Moskau, Dmitrij Vitalich Trenin, im Nebenberuf augenscheinlich Offizier der GRU (Militärnachrichtendienst), welche teilnimmt– das kann man ja nicht als beendet ansehen – an der atomaren Erpressung des Westens. Vor einigen Monaten gab er der Financial Times ein Interview, dass wenn der Westen Waffen an die Ukraine verkauft, dann werden die „russians“ – er schreibt in perfekten Englisch immer distanziert als würde er nicht seine Meinung vertreten „Russen denken das, Russen machen dies„ und der Westen hängt an seinen Lippen, denn er gilt als im Grunde amerikanischer Politologe, der Russland genau kennt, als Insider. „Wenn schon Trenin das sagt, dann muss das stimmen“. Und Trenin sagte, dass Russland taktische Atomwaffen nutzen wird. Darauf schloss sich für Frau Merkel der Kreis: Die Amerikaner, hinter dem Ozean, werden den Ukrainern moderne Waffen und Radare verkaufen, und dieser Halb-Verrückte – so spricht sie ja von ihm, als jemand der nicht ganz bei sich ist – und so einer könnte wirklich draufhauen, draufhauen mit taktischen atomaren Waffen. Professor Trenin hat sich genau ausgedrückt: taktische Atomwaffen, also nicht gegen die Amerikaner, sondern zum Beispiel gegen Deutschland. Und natürlich hält sie sich schon für das „Mütterchen des deutschen Volkes“ und so sprang sie sofort los um die Situation zu entschärfen.

Sotnik: Putin war zufrieden, dass man zu ihm kam, um sich mit ihm zu einigen.

Piontkovskij: Das ist ein beispielloser Orgasmus unserer ganzen Fernsehshows denn – erinnern Sie sich an diesen Roman „Lord of flies“ als oder „Herr der Fliegen“? Putin ist jetzt der Herr der Fliegen. Und das alles vor den Leuten, das war zweifellos ein politischer Sieg Putins.

Sotnik: Und was passierte in Minsk, hat er da den ungehorsamen Denis Pushilin vorgezeigt?

Piontkovskij: Ja, das war toll, vor allem ist Putin ja auch Schauspieler des Provinztheaters, 12 Stunden hat man sich besprochen, es fehlten nur noch die Unterschriften der Separatisten und die weigern sich.

Sotnik: So unabhängig sind sie!

Piontkovskij: Sie weigern sich und damit basta. Merkel hat dann gesagt, sie kann nur 1,5 Stunden warten, dann geht ihr Flug, und eine Minute bevor sie zum Flughafen gefahren wäre kommt Putin und sagt „Das wars, sie sind einverstanden“. Ich weiß nicht, ist das Idiotismus oder etwas anderes, aber Hollande zum Beispiel sagte dann „Wir müssen alle Putin besonders dankbar sein , denn in der schwierigsten Phase der Verhandlungen hat er auf die Separatisten eingewirkt und somit hatten wir Erfolg. Das sind Kleinigkeiten, er war nur ein wenig ungezogen mit ihnen, er liebt es ja zu zeigen „Who is Who“.

Warum wurde diese Vereinbarung getroffen? Es soll eine Vereinbarung für den Waffenstillstand sein, beziehungsweise über eine Absicht zum Waffenstillstand. Wir reden gerade miteinander, heute ist der 16., wir wissen ja nicht ob es tatsächlich einen Waffenstillstand gibt. Die ganze Situation spielt sich um Debalzewo ab, da berühren wir uns ja. Den Rest des Vertrages wird niemand einhalten. Russland wird seine ausländischen Soldaten nicht abziehen, aus dem einfachen Grund, dass es aus russischer Sicht diese dort gar nicht gibt, außer den NATO-Legionen natürlich, die im Kessel in Debalzewo umzingelt sind. Was den zweiten Punkt der Vereinbarung betrifft, die Kontrolle der Grenze, auf den die Ukrainische Seite und Europa drangen, das wird ein Jahr nach der ukrainischen Verfassungsänderung im Sinne der DNR (Republik Donezk) passieren, also nie.

Was die Punkte für die Ukraine betrifft, die Wahlen – Also was für Wahlen könnte man dort abhalten? Das würde heißen, dass in diesem wilden Feld, das von Leuten kontrolliert wird, die in der Stadt Gorlowka den Bauch des Parlamentsabgeordneten Rybak aufgeschlitzt haben, das sind die gleichen Leute – und diese Leute werden irgendwelche Wahlen organisieren? Nein. Das ist eine Vereinbarung zum Waffenstillstand, weil beide Seiten sie brauchen. Die Ukrainer brauchen sie, denn seien wir ehrlich, sie haben eine Niederlage erlitten, die ukrainische Armee kann keine Angriffsoperation gegen die russische Armee führen um sie aus dem Donbass zu treiben, das sind zwei unterschiedliche militärische Kategorien. Putin braucht den Waffenstillstand, um sich abermals als Friedensstifter zu generieren, um die Sanktionen zu durchbrechen oder aufzuheben und vor allem die Isolation zu beseitigen. Bei vollkommenem Misstrauen beider Seiten gegeneinander haben beide das Interesse zum Waffenstillstand, der jetzt am seidenen Faden hängt.

Unsere Kommentatoren haben nicht zufällig alle betont, dass man 6 von 12 Stunden über Debalzewo gesprochen hat. Also auf was drängen Putin und seine Diebe? Auf eine faktische Ergebung, auf die Kapitulation. Sie sagen die ukrainischen Soldaten könnten ihre Waffen abgeben und abziehen. Warum gibt es diesen Streit? Es scheint, es wäre eine rein semantische Frage, wie man etwas benennt. Aber in dem Streit geht es darum, entweder sind sie eingeschlossen und werden zunichte gemacht oder, wenn nicht, könnten sie über eine Straße abziehen, da wird aber geschossen. Wenn man der Logik des Abzugs schwerer Waffen folgt, dann müssten sie über diese Straße mit ihren schweren Waffen abziehen, und da das Feuer eingestellt wurde, dürfte man nicht auf sie schießen. Und Putin und die Separatisten wollen sie entweder zur Kapitulation zwingen oder sie vernichten.

Sotnik: Andrej Andrejwich, heute ist schon der 16., der Waffenstillstand hätte also gestern um 0.00 Uhr in Kraft treten sollen.

Piontkovskij: Heute sollte der Abzug der schweren Waffen beginnen, faktisch sollten sie in der Zone von 50 km um Debalzewo abziehen. Man wird aber auf sie schießen. Die erste und die zweite Bedingung der Vereinbarung wird von den Separatisten und Moskau erheblich verletzt in und um diesem Kessel, und wie sich das entscheiden wird in den nächsten Tagen wissen wir nicht.

Sotnik: Wird die USA der Ukraine am Ende doch noch letale Waffen liefern, wurde eine grundsätzliche Entscheidung schon getroffen, was glauben Sie?

Piontkovskij: Ich denke Ja, denn es gibt quasi einen Konsens darüber in der amerikanischen Politik, dafür sprechen sich Demokraten und Republikaner aus. Obama betont, dass er noch keine Entscheidung getroffen hat, aber man merkt dass er für Putin keine Sympathien hegt, und er wird sich in dieser Frage nicht gegen den gesamten Kongress stellen.

Sotnik: Man darf nicht vergessen, dass er zudem eine lahme Ente ist.

Piontkovskij: Naja er hat noch zwei Jahre vor sich, und es gibt für ihn hat wichtigere Entscheidungen, bei welchen er sich mit dem Kongress anlegen muss, die Reformen des Gesundheitssystems und so weiter.

Sotnik: Er wird in dieser Frage nicht gegen den Kongress kämpfen.

Piontkovskij: Das ist ihm momentan einfach nicht möglich. Somit ist diese Entscheidung so gut wie getroffen, und danach kommt ein grundlegendes Problem; Man darf gegenüber Erpressern nicht zu nachgiebig sein. Obama hat schon mal einiges zugelassen, wir haben darüber schon gesprochen, es gibt eine atomare Erpressung des Baltikums .„Wollt ihr für die NATO sterben?“, das ist die Frage die Putin im Prinzip stellt, wie Hitler damals in den 30ern den Westen fragte „Wollt ihr für Danzig sterben?“.

Obama hat diese Frage an Putin zurück gestellt, als die NATO im September beschloss , Soldaten der NATO also auch amerikanische Soldaten dorthin zu verlegen, das hatte eine symbolische politische Bedeutung. In Lettland und Estland befinden sich amerikanische Soldaten, das sind Bürgen und Todeskandidaten falls diese grünen Männchen dort auch Republiken organisieren wollen, die gibt es alle schon im Internet „Republik Wilensk“, „Republik Latwansk“ und so weiter, dann befindet sich Russland automatisch in einem Krieg mit den USA in vollem Umfang. Kalkuliert hat man folgendermaßen; Wir erschrecken die USA, die kommen nicht zu Hilfe und wir finden hier einen Weg.

Sotnik: Werden die Franzosen die Mistrale noch liefern oder nicht? Was denken Sie?

Piontkovskij: Das hängt davon ab wie sich die Ereignisse entwickeln. Die politische Klasse Frankreichs ist auf jeden Fall gegen die USA eingestellt, nicht nur ist Hollande ein „Friedensstifter“, auch Sarkozy hat gesagt, die Krim ist unser, und über Le Pen braucht man gar nicht erst zu reden, die ist schon von Putins Millionen abhängig. In Frankreich gibt es eine andere Einstellung, sie würden sehr gerne die Mistrale liefern.

Sotnik: Werden die europäischen Länder die Sanktionen gegen Russland erweitern in der nächsten Zeit?

Piontkovskij: Das hängt von den nächsten Schritten Putins ab. Das ist genau der richtige Moment, um darüber zu reden, was meiner Meinung nach die Ukraine jetzt am besten täte, die ukrainische Regierung und Armee. Die Erfahrung nach dem August, der Verstärkung, zeigt, sie haben erfolgreich das Gebiet vor solchen wie Girkin oder Boroda geschützt, aber wenn es sich um die reguläre russische Armee handelt, mit solchen wie Sorogan und Tarmada, mit dem bekannten Raketenkomplex BUK und allen anderen, dann war klar, dass diese Kräfte die ukrainische Armee überwiegen, und sie keine Angriffsoperation durchführen kann. Mir scheint, das einzig positive Resultat des Minsker Abkommens, ist – vorausgesetzt man entspannt die Situation in Debalzewo irgendwie – eine Grenzlinie zu ziehen zwischen den ukrainischen Soldaten und, sagen wir, den russischen und prorussischen Soldaten. Die Verteidigung dieser Linie muss von der Ukraine übernommen werden, denn eine strategische Verteidigung entspricht ihren Kräften. Das ist auch politisch sehr gewinnbringend, denn jeder Versuch Moskaus, diese Linie zu durchbrechen wird ohne Diskussion sofort als Bruch des Abkommens empfunden, und ich kann Ihnen sicher sagen, dass wird zu stärkeren Sanktionen führen, und eine Verstärkung der Sanktionen wäre verheerend für unsere Wirtschaft, das bedeutet die Aufhebung von SWIFT und das bedeutet auch, die Einfrierung der Konten aller Anführer, beginnend mit Putin. Auf diesen steht natürlich nicht direkt V.V.Putin, aber wie der Leiter des amerikanischen Office of Terrorism and financial Intelligence mehrmals betonte, sind sie im Bilde darüber, wer die Nutznießer welcher Konten sind.

Inmitten alldem denke ich, wäre es für die Ukraine gut, sich von Illusionen zu verabschieden, vor allem der territorialen Integrität. Putin hatte sie nach der Annexion der Krim in der Hand und dann war er für die territorialen Integrität, nach dem Motto; Das ist alles euer Territorium, aber Ihr werdet euch einig werden über den besonderen Status und so weiter und faktisch wird dieses Territorium von der russischen Armee und dem russischen Geheimdienst kontrolliert. Diese Spiel muss man beenden, Putin kann es ja spielen, man muss klar machen, dass es sich um ein momentan besetztes Gebiet handelt, alles hinter diese Linie, auch die Krim. Wir haben jetzt nicht die Stärke und überhaupt planen wir nicht, diese Gebiete gewaltvoll zurück zu gewinnen, denn durch jede Niederlage wird die ukrainische Armee schwächer als die russische und kann auf keinen Fall Operationen durchführen. Aber bestimmte Gebiete schützen kann sie effektiv, und durch dieses Konzept der Abwehr wird der gesellschaftliche Tenor des Westens, vor allem der USA, eher für die Ukraine stehen.

Die Aufgabe dieser Länder, der Großmächte, die der Ukraine damals ihre territoriale Unabhängigkeit zusicherten, ist es, dieses Problem zu lösen, Russland zu überzeugen das besetzte Gebiet freizugeben mit allen diplomatischen, wirtschaftlichen und allen anderen nicht-militärischen Mitteln. Ich denke diese Position ist politisch gewinnender, für die ukrainische gesellschaftliche Meinung genauso wie die westliche. Ich werde vom 21. bis 23. in der Ukraine bei einem russisch-ukrainischen Forum sein mit Journalisten und Politikern, und dort werde ich für dieses Konzept werben, es ist auch dargelegt in einem Aufsatz, der bei Exo Moskwy schon über 2000 Leser hatte.

Sotnik: Andrej Andrejwich, die Krise schreitet triumphierend Richtung Russland, die Läden schließen, die Preise steigen, das Business hat fantastische Verluste, welche Stimmung herrscht bei der russischen Elite? Beobachten Sie eine Zersplitterung?

Piontkovskij: Nun, ich bin kein Teil der russischen politischen Elite, aber es gibt einige Informationen, die durchsickern auch bei öffentlichen Auftritten, es ist kein Geheimnis, dass es schon immer eine Partei für den Frieden und eine Partei für den Krieg gab. Die Partei des Friedens hat mehrmals großartig, also auf Kreml-Art angekündigt, zuletzt im Juli, man wolle sich nicht an einem zweiten Afghanistan abmühen. „Wir haben schon die Krim befreit, lassen Sie uns noch einen zweiten Sieg erringen – wir zerstören die Pläne der Amerikaner, uns in den Ukraine-Konflikt hineinzuziehen. In die Ukraine sollte man sich nicht einmischen, Sie sollten die ganzen Borodas und Makarovs zurückholen, mach Sie sich keine Sorgen, wir werden die Ukraine auch so strangulieren, Vladimir Vladimirovich, mit politischen und anderen Mitteln, es brauch keinen Krieg, der wäre schlecht für uns.“ Das ist die Einstellung der Partei für den Frieden. Die Partei für den Krieg sehen wir täglich – also wirklich, da passiert schon etwas Unglaubliches, gestern oder vorgestern war ein Treffen, da haben unsere Journalisten mit Schirinowski gesprochen, und der schrie: „Wir müssen Kiew zerstören, in Brand stecken bis zum letzten Mann“. Das ist übrigens für ihn nichts besonderes, zwei Tage davor hat er in der Duma gefordert man müsse Paris in Brand setzen, Deutschland zerstören und so weiter. Im August, als Putin in Jalta war, verlangte er man müsse Polen und das Baltikum verbrennen und ausradieren.

Sotnik: Aber Polen zu verbrennen, das meint er doch nicht ernst?

Piontkovskij: Was heißt ernst oder nicht ernst, stellen Sie sich für eine Sekunde vor was los wäre wenn im amerikanischen Kongress ein Senator fordern würde, man solle Moskau verbrennen und Russland vernichten, und danach käme Präsident Obama zu ihm, würde ihm auf die Schulter klopfen und sagen: „Leg richtig los! Vladimir Wolfwowich heizt ein! Momentan noch entspricht nicht jede seiner Aussagen der offiziellen Position der russischen Regierung. Wissen Sie, mich überrascht nicht dieses Tier, es verdient dasselbe wie – wissen Sie, in Nürnberg haben sie als erster Streicher gehängt, ein deutscher Ideologe des Faschismus und Redakteur…

Sotnik: Streicher

Piontkovskij:… Genau, mich frappiert das Publikum. Ich habe mal eine Sendung gesehen, die ganze Hörerschaft, den Moderator und die Teilnehmer eingenommen, die ganze Menge schaut darauf mit einem freudigen Lächeln, mit halboffenem Mund, mit einem Art Orgasmus, dass jetzt einer das sagt, was wir gerne sagen würden, uns aber noch nicht trauen.

Sotnik: Wie sagt man, er hat ihnen was zugeschoben.

Piontkovskij: Vladimir Wolfwowich heizt eben klasse ein! Warum wird so was erlaubt, in jeder normalen Gesellschaft würde man ihn nach Den Haag schicken oder wie einen tollen Hund einwickeln und in eine Psychiatrie bringen, in die Station der Rasenden, und bei uns tritt er wieder und wieder während der Prime-Time auf. Das ist das Alter Ego unseres Anführers und das Alter Ego eines kollektiven Unterbewusstseins unserer Gesellschaft, und das sind keine Arbeiter, das ist die sogenannte russische Elite, die mit ihm spricht und seinen Wahnsinn genießt. Das ist ein ungeheuerlicher Zustand unserer Gesellschaft, das sieht die Welt und beurteilt uns nach diesen Szenen und kommt natürlich zu dem Schluss, das man da etwas tun muss.

Sotnik: Die Krise beginnt das russische Volk zu berühren, einer unserer Zuschauer fragt, was Sie erwarten wenn sich die Krise weiter ausbreitet; einen Zusammenbruch der Wirtschaft, einen großen Krieg oder das Verfaulen und der Zerfall des russischen Imperiums?

Piontkovskij: Ich denke einem großen Krieg – hoffen wir – können wir ausweichen, nur nachdem sich Europa als Sprungbrett für die atomare Erpressung Putins herausgestellt hat, bleibt als Großmacht nur die USA übrig, die eindrücklich Putin, Schirinowski, Trenin und den anderen erklären muss, dass eine atomare Erpressung nicht geht, das sollte man vergessen. Ein Zusammenbruch des Regimes oder ein langsames Verfaulen, das kommt auf die Leute im Umfeld Putins an, die offensichtlich nicht zufrieden sind mit dem, was passiert – übrigens, wenn man den engsten Kreis nimmt, was sie anstrengt sind nicht die wirtschaftlichen Probleme, obwohl sie Milliarden verlieren, sondern die wachsende Isolation, die Isolation von Brisbane bis Minsk hat sie beunruhigt. Dass unsere Regierung eine mafiöse Struktur hat, darüber wurde schon viel geschrieben, auch in dem ausgezeichneten Werk von Karen Dawisha „Putin’s Kleptokracy“, das vor kurzem raus kam. In diesen mafiösen Strukturen hat der Pate seine Aufgabe, denn die ganze Struktur der Mafia ist auf die Kommunikation mit dem Westen ausgelegt, hier stehlen, seine Schätze anhäufen und dann mehrere Generation das Leben dort genießen. Deshalb ist eine seiner Funktionen, eine Arbeitsbeziehung zu den Staatsführern des Westens aufrecht zu halten, welche übrigens diese Kombination schon 25 Jahre wohlwollend betrachten, denn sie erhalten die Dollars und so weiter. Aber jetzt hat er diese Beziehung ruiniert und das widerspricht den Interessen der Mafia. Deshalb hat er das Kommen von Merkel so sehr begrüßt, sie hat diese Blockade durchbrochen, die für ihn höchst gefährlich war. Aber ich denke mit den kommenden Ereignissen wird es klar werden, dass er keinerlei friedliche Absichten hegt in der Ukraine, die Isolation wird sich ausweiten und sein Umfeld wird gezwungen sein, nachzudenken. Falls sie nicht entschieden genug nachdenken, dann tritt die langsame Verfaulung der Russischen Föderation ein.

Sotnik: Die letzte Frage, Andrej Andrejwich, warten Sie nicht trotzdem auf die Verwirklichung des Waffenstillstands oder ist das ein Ding der Unmöglichkeit?

Piontkovskij: Wissen Sie, eine Prognose für 10 Jahre zu erstellen ist leichter als eine für 2 Tage, die Frage des Waffenstillstands ist eine Frage von Debalzewo, wenn Putin 6000 Menschen die dort sind, vernichten will und auch den Tod von Nadezhda Savchenko anstrebt, dann wird es keinen Waffenstillstand geben, wenn aber dieser Knoten irgendwie gelöst wird, dann wird es einen fragilen Waffenstillstand für eine bestimmte Zeit geben, und dann hat die Ukraine die Möglichkeit diese strategische Linie zu besetzen, die Verteidigungslinie, die Putin vor unlösbare Probleme stellt.

Sotnik: Vielen Dank Andrej Andrejwich für dieses lange Gespräch, wird Frieden sein oder nicht, das hängt trotz allem nicht nur von Vladimir Putin ab sondern auch von jedem von uns. Schauen Sie Sotnik-TV.

Unterstützung für den Kanal Sotnik-TV:

Sberkarta MasterCard 5469 3800 3483 8788 (bis 01/18)
Yandex-Geldbeutel (in Rubeln): 410012227172002
PayPal – Nutzer [email protected]
Western Union: Sotnik Aleksandr Vladimirovich (Moscow)

Artikel von: Sascha Sotnik (Interview) und Roman Pereverzev (Kamera, Schnitt)
Quelle: Sotnik-TV

Schlagworte:, , , , , , , , ,