Zugang zur griechischen Regierung? Die Vorwahl von Moskau wählen!

Tsipras in Moskau - mit Walentina Matwijenko (Vors. des Föderationsrats der RF) - Blog von Anton Shekhovtsov

Tsipras in Moskau - mit Walentina Matwijenko (Vors. des Föderationsrats der RF) - Blog von Anton Shekhovtsov 

25. Februar 2015 • Analytik und Meinungen, Empfehlung, Meinung & Analyse, Politik, Russland

Artikel von: Christo Grozev
Quelle: Blog von Christo Grozev, 22.2.2015

Vor ein paar Wochen schrieb ich über den intensiven Kontakt zwischen der derzeitigen griechischen Regierungskoalition und Moskau (Moskau wird hier als generischer Begriff gebraucht, bestehend aus Oligarchen, Ideologen und Regierungsbeamten). Von besonderer Bedeutung war meiner Ansicht nach die Tatsache, dass das Hellenische Institut für Strategische Studien, ein Think-Tank mit Verbindungen zur nationalistischen Partei “Unabhängige Griechen” ANEL (Anexartiti Ellines), das Russische Institut für Strategische Studien RISS besucht hatte – und eine Kooperationsvereinbarung mit dem RISS abschloss. Etwa zur gleichen Zeit erfuhren wir durch gehackte E-Mails von George Gavrish, einem Beamten der russischen Botschaft in Athen, dass der ANEL-Vorsitzende Pannos Kammenas eine Erleuchtung erfuhr und beschloss, eng mit seinem [bisherigen] politischen Rivalen, der Partei Syriza zu kooperieren.

Das RISS ist ein notorisch unwissenschaftlicher Think-Tank der russischen Regierung; es war früher mit dem Auslandsgeheimdienst SWR verbunden und ist seit 2009 als mit eigenem Budget finanziertes Beratungsinstitut ausschließlich für den Kreml tätig (zu seinen typischen Veröffentlichungen gehören Titel wie: “Die Analyse der russischen NGOs und Universitäten, die ausländischen Agenten sein könnten” und diese Video-Dokumentation, derzufolge die Ukraine nicht existiert und vom Westen erfunden wurde, um Russland zu bestrafen). Vorsitzender des RISS ist Leonid Reschetnikow, ein fließend griechisch, bulgarisch und serbisch sprechender Ex-Generalleutnant des Auslandsnachrichtendienst und seit 1976 KGB-Geheimdienstler.

Wie nun durch eine unvorsichtige Prahlerei auf der Webseite des RISS bekannt wurde, war die ANEL waren nicht die einzige griechische politische Gruppierung, die 2014 Moskau besuchte und mit dem RISS zusammenarbeitete. In einer unscheinbare Meldung auf RISS.ru mit dem Titel “Brief an das RISS aus Griechenland”, heißt es:

Sehr geehrter Herr Direktor! Liebes Team von RISS!

Mit besonderer Freude teile ich Ihnen mit, dass alle Mitglieder der griechischen Delegation, die Ihr Institut am 12. Mai 2014 besucht und mit Ihnen auf der Konferenz über die griechisch-russischen Beziehungen zusammengearbeitet haben, die folgenden Regierungspositionen in der griechischen Regierung eingenommen haben:

  •    Alexis Tsipras – Ministerpräsident (Regierungschef)
  •    Yannis Dragasakis – stellvertretender Ministerpräsident, zuständig für die wirtschaftliche Entwicklung
  •    Nikos Pappas – Minister für die Koordinierung der Regierungsarbeit
  •    Nadya Valavani – stellvertretende Wirtschaftsministerin
  •    Nikos Kotzias – Außenminister
  •    Kostas Isichos – Stellvertretender Minister für Verteidigung

Mit den besten Wünschen für unsere zukünftige fruchtbare Zusammenarbeit zwischen uns und unseren Völkern

Dimitrios Velanis

Athen, 28.1.2015

Dimitrios Velanis ist ein griechischer Unternehmer und Mitglied der griechisch-russischen Handelskammer, der in den 70er Jahren mehrere Jahre zum Studium und Berufstätigkeit in der Sowjetunion verbracht hatte. Im März 2014 schrieb er an das RISS und dankte Präsident Putin dafür, dass er den Westen heruntergemacht und “eine prinzipielle Position zur Ukraine” eingenommen hatte. Es gibt keine offenkundige Erklärung, warum ein griechischer Unternehmer sich an einen Generalleutnant des russischen Auslandsgeheimdiensts wendet, um Putin zu danken.

Die griechische Regierung zeigte sich vor kurzem verärgert über Publikationen mit der Andeutung, dass die Syriza und ANEL mit der russischen Regierung und quasi-staatlichen Interessengruppen “zusammenarbeite”. In dieser Erklärung griff das griechische Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten die Financial Times wegen der Behauptung an, dass [Außenminister] Nikos Kotzias Moskau besucht habe, um den militanten Eurasier und Ukraine-Leugner Dugin zu treffen. Kotzias, so die Erklärung, sei nicht nach Moskau zu Dugin gereist. Was die Erklärung habe aber nicht besagt, ist, dass Kotzias die Reise nach Moskau anscheinend deswegen unternahm, um bei einem mit dem FSB verbundenen und vom Kreml finanzierten “Institut” trainiert zu werden.

Als nächstes erwarte ich, dass die griechische Regierung sagen wird, das Vorspiel mit dem RISS von Syriza und ANEL sei nur ein One-Night-Stand gewesen und für den Fortgang der Dinge irrelevant. Nur um ihnen die Mühe zu sparen, zitiere ich eine jüngste Erklärung des FSB-Generalleutnants Reschetnikow:

В течение года мы активно сотрудничали с аналитиками греческой партии СИРИЗА, победившей сегодня на выборах, руководитель этой партии А. Ципрас побывал в РИСИ.

Im Laufe des Jahres [2014] waren wir aktiv mit Analyse von der griechischen Partei Syriza beschäftigt, die heute bei den Wahlen gewonnen hat; ihr Parteiführer A. Tsipras besuchte das RISS.

Zusammenfassend kann man sagen, beide (bisher rivalisierenden) Parteien, die Mitglieder der derzeitigen Regierungskoalition in Griechenland sind, haben im Jahr 2014 ein russisches Strategie-Institut besucht und “aktiv” mit ihm zusammengearbeitet, das unter direkter Steuerung des Kreml ist und von einem General des Auslandsgeheimdienstes mit besonderer Zuständigkeit für den Balkan geleitet wird. Und sie fanden sich doch alle zu einer überraschenden Koalitionsregierung zusammen, trotz aller Widrigkeiten.

In der Tat beweist eine Korrelation noch nicht deren Verursachung. Aber mangels alternativer Erklärungen liegt das Ganze doch nahe an einem Nachweis, wie wir hoffen.

[Zum gleichen Thema siehe auch unsere frühere Veröffentlichung vom 2. Februar:
Kreml-Denkfabrik bestätigt enge Bindungen mit dem Kreml und dem neuen griechischen Premier]

 

 

Artikel von: Christo Grozev
Quelle: Blog von Christo Grozev, 22.2.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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