Putin betreibt einen Fake-Propaganda-TV-Kanal in der Ukraine

Foto von BBC Ukraine

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Krieg im Donbas, Kultur, Russland

Artikel von: Paul Gregory
Quelle: The Blaze 23.2.2015

Die BBC Ukraine berichtet, dass ukrainische Fernsehsendungen von den Bildschirmen in der selbsternannten Volksrepublik Donezk verschwunden sind.

Sie wurden ersetzt durch russische und regionale Kanäle, die von den Separatisten (oder sollte ich sagen, von deren russischen Puppenspielern) betrieben werden. Ukrainische Bemühungen, die Zuschauer in den besetzten Gebieten durch stärkere Sendesignale und mit von Polen zur Verfügung gestelltem Equipment zu erreichen, wurden durch die Tatsache vereitelt, dass zwei Drittel der Fernsehzuschauer in den besetzten Gebieten über Kabel oder Satellitenfernsehen versorgt werden, wofür man Programme nur lokal einspeisen kann.

Der BBC-Report erwähnt jedoch nicht eine noch subversivere Form der Informationssabotage – den Betrieb eines gefälschten Senders, der vorgibt, der beliebte ukrainische 1+1-Kanal zu sein. (Ich habe dies von unanfechtbaren Quellen erfahren, die aus offensichtlichen Gründen nicht genannt werden wollen).

So funktioniert der “Potemkinsche 1+1”-Kanal von Donezk: “Potemkin 1+1” zeigt das Logo des ukrainischen 1+1 oben links in der Ecke des Bildes. Leichtgläubige Zuschauer nehmen an, dass sie Sendungen sehen, die in Kiyw eingespeist werden. Im Gegensatz zum veröffentlichten Programmablauf, bestehend aus Nachrichten, Wetterberichten, Sport und Unterhaltung zeigt “Potemkin 1+1”alte Filme, Komödien und andere Arten leichter Unterhaltung. Es gibt keinerlei Nachrichtensendungen, obwohl das Programm aus Kyiw regelmäßige Unterbrechungen für Nachrichten vorsieht.

Was gewinnen Wladimir Putins Propagandisten aus der Sendung ausschließlich leichter Unterhaltung auf “Potemkin 1+1”?

Die Zuschauer in Donezk wundern sich: Was geht da vor? Weiß man in Kyiw nicht, dass wir einen heißen Krieg in unseren Hinterhof haben?

Das gefälschte 1+1-Programm lässt die Zuschauer im vom Krieg erschütterten Donezk glauben, dass der Rest der Ukraine ihrem Leiden gleichgültig gegenübersteht. Sie müssen ohne fließendes Wasser leben; sehen, wie ihre Gebäude zerstört und Zivilisten getötet werden, während sich die Kyiwer und Westukrainer vor den Fernseher setzen und Seifenopern und alte Komödien anschauen.

Wenn die Zuschauer in Donezk russische und Separatisten-Kanäle einschalten, werden sie mit den schrecklichen Bildern zerstörter Städte und Dörfer begrüßt, mit Lügengeschichten von jungen Mädchen, die von durchgeknallten ukrainischen Nazis vergewaltigt werden, und mit Berichten über das wahllose Bombardieren aus dem Westen mit dem einzigen Ziel, die unschuldige Zivilbevölkerung von Donezk zu terrorisieren.

Hin und wieder erlauben Putins Propagandisten tatsächlich die direkte Übersetzung echter 1+1-Sendungen auf Donezker Bildschirmen — wenn es zu ihrem Vorteil ist.

So wurde es den Donezkern beispielsweise erlaubt, die Zeremonie in Kyiw zu Ehren der während der Maidan-Revolution von Scharfschützen getöteten “Himmlischen Hundertschaft” anzuschauen. Warum haben Putins Manipulatoren diese Übertragung zugelassen? Donezker Einwohner, die Zeugen von Tod und Zerstörung wurden, reagieren auf solche Bilder mit dem Gedanken: Wir haben Tausende verloren und die Undankbaren in Kyiw betrauern den Verlust von 100! Sie interessieren sich einfach nicht für uns.

Der ukrainische Premierminister Jazenjuk hat ein Ministerium für Informationspolitik gegründet, um dieser Sabotage zu begegnen, doch dieses steht vor einem harten Kampf. Es ist der David, der Goliath ohne eine Schleuder bekämpft.

Der BBC-Report wirft Licht auf ein sogar noch beunruhigenderes Schreckgespenst. Russland-Sympathisanten scheinen sich tief ins ukrainische Telekommunikationswesen eingenistet zu haben. Scheinbar haben sie eine Taktik des langsamen Vorgehens gewählt, um die ukrainischen Bemühungen zum Erreichen der besetzten Gebiete mit ihren Nachrichten zu sabotieren.

Die Tatsache, dass die Menschen im besetzten Teil der Ukraine nonstop einem einseitigen Propagandakrieg ausgesetzt sind, wirft eine noch bedeutendere Frage auf: Vor der russischen Invasion mit “Polittechnikern” und “selbsternannten Obersten Führern,” schenkten die Ukrainer Fragen von Ethnizität und sprachlichen Hintergründen wenig Beachtung. Putins Propaganda treibt einen Spalt in diese Tatsache. Auch wenn Putins Militärabenteuer in einer Niederlage für die russischen Truppen und ihre Verbündeten enden sollte, würde sich die Ukraine noch immer dem monumentalen Problem der De-Putinisierung der Bevölkerung der Südost-Ukraine gegenüber sehen.

Artikel von: Paul Gregory
Quelle: The Blaze 23.2.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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