Acht Spanier wegen Kampfhandlungen für pro-russische Gruppierungen festgenommen (mit Videos)

Foto von B.I.M., einem der Festgenommenen spanischen Kämpfer

Foto von B.I.M., einem der Festgenommenen spanischen Kämpfer 

28. Februar 2015 • Krieg im Donbas, Nachrichten, Politik

Artikel von: Jorge A. Rodriguez
Quelle: El País 27.2.2015

Sie werden der Beteiligung an Verbrechen wie Morden und des Besitzes von Waffen und Sprengstoffen beschuldigt

B.L.M., einer der verhafteten Spanier. / Quelle: Policía Nacional

Der Sicherheitsabteilung Comisaría General de Información der Nationalpolizei hat am Freitag acht Spanier verhaftet, weil sie für die pro-russischen Kriegsparteien in der Ukraine als Kämpfer beteiligt waren. Die Verhaftungen fanden in Asturien, Katalonien, Extremadura, Murcia, Navarra und Madrid statt. Drei der Festgenommenen sind ehemalige Angehörge des spanischen Militärs mit Erfahrungen bei der Verwendung von Kriegswaffen, und bei einem gibt es gesicherte Erkenntnisse, dass er in der vordersten Frontlinie gewesen war, wie die Quellen aus der Antiterrorabteilung besagen. Das Alter der während der Operation “Danko” Beschuldigten liegt zwischen 20 und 30 Jahren. Die Polizeiquellen besagen, dass alle Verhafteten auf freien Fuß gesetzt wurden, bis sie von einem Richter zur Beweiserhebung zu einer Aussage aufgefordert werden.

Die Initalen der Beschuldigten sind: R.M.P., A.A.M., A.I.B., S.B.V., A.R.S., B.L.M., H.A.P. und D.S.A. Die Festnahmen erfolgten in Gijón, Cartagena, Barcelona, ​​Cáceres, Pamplona, ​​Alcorcón (Madrid), und zwei in der Stadt Madrid. Auf Rückfrage gaben die Quellen an, dass zu den jetzt vorübergehend festgehaltenen Rückkehrern Rafael Muñoz, 27, und Angel Arribas Mateo, 22, gehören. Beide jungen Spanier veröffentlichten Videos in sozialen Netzwerken, die sie als Angehörige des Bataillons Wostok unter dem Kommando von Igor [Girkin alias] Strelkow zeigten, dem früheren Chef der Streitkräfte der Donezker Volksrepublik. Muñoz ist gebürtig aus Madrid und ehemaliger Sozialarbeiter, auch wenn er aus Gijón (Asturien) stammt, wo er seit 2010 in der Jugendorganisation der Vereinigten Linken Juventudes de Izquierda Unida aktiv war. Mateo ist in Murcia geboren und Anhänger des Kommunistischen Jugend von Cartagena (Colectivos de Jóvenes Comunistas), der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei der Völker Spaniens Partido Comunista de los Pueblos de España.

Die acht Häftlinge gehören zu verschiedenen Unterabteilungen kommunistischer Gruppierungen und wurden von einer pro-russischen europäischen Liga unterstützt. Nach der Rückkehr von drei von ihnen in diesem Februar wurde der Einsatz vorangetrieben; der letzte von ihnen kam vergangene Woche zurück. Die Festgenommenen hatten sich nach Angaben aus dem Innenministerium im vergangenen Jahr in die ukrainischen Regionen Luhansk und Donezk begeben, um sich dort an den Kampfhandlungen zu beteiligen.

Die Festgenommenen, die heute um 6.30 Uhr bei einem Polizeieinsatz festgenommen worden waren, waren als Kämpfer beteiligt an dem bewaffneten Konflikt in der Region Donbas, weswegen sie der Mittäterschaft an Verbrechen wie Mord, Besitz von Waffen und Sprengstoffen und Handlungen gegen die Interessen Spaniens  beschuldigt werden.

Die Identifizierung der Täter wurde durch ihre Neigung erleichtert, sich mit militärischer Ausrüstung (Sturmgewehren, Kriegsgerät und Sprengmitteln) fotografieren zu lassen und diese Bilder in sozialen Netzwerken zu posten. Polizeiquellen erklären, dass eine weitere Gruppe von jungen Spaniern, die ebenso Verbindungen zu pro-russischen und kommunistischen Bewegungen haben, sich anschicken, in die Ukraine zu gehen.

In der Erklärung des Innenministeriums heißt es weiter: “Während ihres Aufenthalts auf  ukrainischem Territorium haben sie sich neben den ihnen vorgeworfenen Begehung von Verbrechen der Mittäterschaft oder Beteiligung an Morden und Tötungen, wie sie durch die Gruppen und Bataillone begangen wurden, denen sie beigetreten waren, auch des Besitzes und der Vorratshaltung von Waffen und Sprengstoffen schuldig gemacht, Handlungen, die sie auch über soziale Netzwerke verbreitet haben und die Auswirkungen auf die Gewinnung und Rekrutierung von zukünftigen Kämpfern hatten.”

Der Einsatz war ähnlich wie in anderen europäischen Ländern, um weitere Entsendungen von Kämpfern zu vermeiden und Kämpfer zu demobilisieren, die dies vorhaben. Allerdings sagt das Innenministerium: “Dies ist der erste Polizeieinsatz in Europa, der sich gegen die Aktivitäten der ausländischen Kämpfer im ukrainischen Konflikt richtet.”

Die Quellen besagen, dass die internationale Gruppe, die die Kämpfer unterstützt, inzwischen Niederlassungen in Deutschland, Italien, Frankreich und anderen Ländern hat. Aus all diesen Ländern sind Kämpfer in die Ukraine gezogen, von denen einige durch das sogenannte Unterstützungskomitee für die Antifaschistische Ukraine unterstützt wurden.

Asturien ist die für die Unterstützung der pro-russischen Gruppierungen in der Ukraine wichtigste Gegend. Beispielsweise hat im Dezember letzten Jahres ein bewaffneter Spanier mit einem Scharfschützengewehr, der angeblich dem Bataillon Wostok angehörte, eine Erklärung verlesen zur Verurteilung der Ermordung von Francisco Javier Romero Taboada, alias Jimmy, einem aus A Coruña gebürtigen Anhänger von Deportivo, und Unterstützer von ultra-linken Bewegungen.

Dieser Einsatz, der sich auf weit gefächerte Untersuchungen der Sicherheitspolizei (Comisaría General de Información) unter Aufsicht der Fiscalía de la Audiencia Nacional stützt,, geschah auf Anordnung der 1. Kammer  des Nationalen Gerichtshofs (Diligencias del Juzgado Central de Instrucción número 1 de la Audiencia Nacional). Das Verfahren ist noch anhängig.

Eine Gruppe von Spaniern, die sich selbst als “antikapitalistisch” bezeichnet, berichtete im September, sie seien die Ostukraine gereist, um zusammen mit den pro-russischen Separatisten zu kämpfen, um einer “Wiederbelebung des Vierten Reiches in Europa” zuvorzukommen. “Wir sind stolz, zu verkünden, dass die Internationalen Brigaden zurückgekehrt sind,” verkündeten sie in einer Erklärung.

Diese jungen Männer gründeten die Internationale Brigade Carlos Palomino zum Gedenken an den ermordeten antifaschistischen jungen Mann, der in Madrid von einem Militärangehörigen mit Neonazi-Ideologie getötet worden war, als er mit anderen Radikalen eine Demonstration der extremen Rechten stören wollte. Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung gehörten der Brigade mindestens “zehn “Spanier aus mehreren spanischen Städten an”. Die im Internet verbreitete Erklärung, mit der sie ihre Demonstration  ankündigten, schließt in sehr poetischer Sprache des Krieges mit: “Der Donbas wird das Grab des Faschismus sein. Heute wie gestern: “Sie werden nicht siegen!” (¡No pasarán!) Wir sehen uns auf den Barrikaden!”

Am heutigen Freitag veröffentlichten vier mit russischen Raketenwerfern und Sturmgewehren bewaffnete angebliche “brasilianische Freiwillige” im Internet eine Erklärung zur Unterstützung für die Verhafteten. Darüber hinaus äußerten mehrere selbsternannten “Komitees der Solidarität mit der antifaschistischen Ukraine” in Asturien, Cuenca, Saragossa und Madrid ihre Unterstützung und riefen zur Mobilisierung für ihre Freilassung auf.

 

 

Artikel von: Jorge A. Rodriguez
Quelle: El País 27.2.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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