Russlands neue Aktivisten: die Antimaidan-Bewegung!

„Antimaidanler, überall Antimaidanler.” Fotos bearbeitet von Kevin Rothrock.

„Antimaidanler, überall Antimaidanler.” Fotos bearbeitet von Kevin Rothrock. 

2. März 2015 • Analytik und Meinungen, Meinung & Analyse, Menschenrechte, Politik, Russland

Artikel von: Will Wright
Quelle: globalvoicesonline 20.2.2015

Das Neueste, das über die Kultur der Moskauer Straßendemos hinwegfegt, ist eine Koalition aus Kriegsveteranen, patriotischen Politikern, nationalistischen Bikern und Mixed Martial Arts-Kämpfern. Sie bezeichnen sich als Antimaidan-Bewegung.

Der Name der Gruppe drückt die Ablehnung der noch nicht lange zurück liegenden Euromaidan-Revolution in der Ukraine aus und spiegelt eine gegen Kyiw gerichtete, pro-separatistische Haltung zum aktuellen Krieg in der Ostukraine wider.

Als sie den Start der Bewegung verkündete, twitterte die Mitbegründerin der Bewegung, die Veteranengruppe der Kampfgemeinschaft ‘Bratstwo’:

Wir schaffen den „Antimaidan”. Na und, Ukrainer, seht ihr jetzt, was euch euer Herumgammeln gebracht hat?

Links über dem Tweet ist Alexander Saldostanow abgebildet, einer der Anführer der Bewegung, auch bekannt als „Der Chirurg“, der dem Motorrad- und Rockerclub der Nachtwölfe vorsteht. Die Nachtwölfe sind dafür bekannt, dass sie Wladimir Putin unterstützen und die Entscheidung des Kremls preisen, die Krim und Sewastopol zu annektieren.

Weitere Namen von als Schlüsselfiguren in der Antimaidan-Führungsriege genannten Personen sind der Stellvertretende Vorsitzende der Allrussischen Partei „Großes Vaterland“, Nikolai Starikoje, die Weltklasse-Mixed-Martial Arts-Kämpferin und Boxerin Julia Beresikowa und der Stellvertretende Vorsitzende der Kampfgemeinschaft Bratstwo, der russischer Senator Dmitry Sablin.

In einem Interview mit RBK nach dem Start des Antimaidan äußerte sich Sablin über den Zweck der Bewegung:

“Schon circa 1000 Leute seien der Bewegung beigetreten, erzählte der Senator und Stellvertretende Vorsitzende der Kampfgemeinschaft RBK. Laut Sablin erwartet sich Antimaidan eine Größe von mindestens 10.000 Leuten, wenn man bedenke, dass „Beitrittserklärungen in großer Zahl bei den Organisatoren eintreffen“. Ein Hauptquartier mit mehreren Vorsitzenden wird gemeinsam mit einem Präsidium die Bewegung leiten.

Die Mitgliederzahl sei wichtig für die Organisation, so Sablin, weil Antimaidanler zu allen größeren, nicht genehmigten Protesten gehen und die Anzahl der Teilnehmer zahlenmäßig übertreffen werden. “Wenn eine nicht genehmigte Veranstaltung geplant ist, dann kommen alle Mitglieder unserer Organisation. Wenn die Aktion regional ist, werden wir die Situation beurteilen: Kosaken fahren dann dahin, Mitglieder der Kampfgemeinschaft dorthin. „Auf jeden Fall werden wir immer mehr sein als die“, sagte Sablin.

Bei nicht genehmigten Veranstaltungen verspricht Antimaidan sich friedlich zu verhalten, aber man will, wenn nötig, Gewalt anwenden, um die Ordnung wiederherzustellen. „Wir werden bei jenen Provokateuren Repressionen anwenden, die durch Worte oder Handlungen die Leute zu Chaos ermutigen.“ In einigen Fällen, wenn wir sehen, dass jemand Feuer legt oder Autoreifen anzuzünden versucht, werden wir diese Leute selbst aus der Menge herausholen und der Polizei übergeben“, sagt Sablin.

Kämpfer und erfahrene Sportler, die zumindest Kandidaten für Leistungssport sind, werden das erledigen. „Es ist besser, uns nicht zu provozieren. Wir stehen Schulter an Schulter. Da unsere Organisation hauptsächlich aus Soldaten besteht, wissen wir, wie man das macht. Wir werden nicht zurückweichen oder weglaufen“, meinte Sablin.”

(englische Übersetzung)

(russischer Originaltext)

  • Das offizielle Manifest des Antimaidan

    Das offizielle Manifest des Antimaidan

    Das offizielle Manifest der Bewegung klärt das politische Programm zusätzlich:

“Wir sind Russen, die das Schicksal unseres Vaterlandes und die Zukunft unserer Kinder wertschätzen. Wir schließen uns zur Antimaidan-Bewegung zusammen, weil wir Russland lieben und unser großes Land bewahren und beschützen wollen. Wir stehen zusammen, um „Farben-Revolutionen“, Unruhe auf den Straßen, Chaos und Anarchie zu verhindern. Wir werden diese Kräfte nicht in unsere Städte lassen, die ein starkes, souveränes Russland hassen und Beifall und Unterstützung aus dem Ausland bekommen. Wir glauben daran, dass nur ein souveränes Russland ein würdiges Leben für alle Bürger garantieren kann. Daher sollten alle wichtigen Entscheidungen für unser Land nur in Moskau fallen, nicht in Washington oder Brüssel. Wir kennen die Geschichte unseres Landes, den schrecklichen Preis, den unsere Nation bezahlt hat, um den Zusammenbruch der Ordnung, den es manchmal in Russland gegeben hat, zu überleben

Wir sehen die Tragödie in der Ukraine, wo der Bruderkrieg im Donbas mit dem „Maidan“, Straßenprotesten und Chaos begann. Wir sind überzeugt, dass es die klare Haltung der Mehrheit der ukrainischen Bürger gewesen wäre, das Blutvergießen und den Zerfall der Regierung zu verhindern, aber dem war nicht so, und es war nicht so, wie die Ereignisse berichtet wurden. Wir sind einig, nachdem wir all das festgestellt haben, die Staatsordnung und auch die traditionellen Werte unserer Gesellschaft und die Zukunft unseres Landes zu verteidigen. Wir kündigen entschlossen an, dass wir keinen bewaffneten Umsturz einer rechtmäßig gewählten Regierung dulden werden, ungeachtet dessen, welch hübsche Slogans diese Kräfte benützen, um sich zu tarnen. Russland ist unser Land. Wir alle sind Russland. Und wir werden nicht erlauben, dass es zerstört oder mit Blut befleckt wird. Wir sind die Antimaidan Bewegung, sind entschlossen, unser Vaterland zu verteidigen, seinen Frieden und seine stabile Entwicklung. Wir brauchen keinen großen Umsturz! Wir brauchen ein großes Russland!”

Unmittelbar nach dem Start des Antimaidan wurde die Bewegung aktiv, so wie Sablin sich das vorgestellt hatte, um eine nicht genehmigte Zusammenkunft von Unterstützern des russischen Oppositionellen Alexei Nawalny und seines Bruders Oleg vor den Kremlmauern zu zerschlagen. Laut einem LiveJournal-Foto-Blogger sorgte die bunt zusammen gewürfelte Menge für eine “eigenartige“ Nacht.

Zusätzlich zur Störung der Proteste hat der Antimaidan auch eine Freiluft Foto-Ausstellung organisiert, mit dem Titel „Das Antlitz der amerikanischen Demokratie“. Die Ausstellung, die am Puschkin-Platz im Zentrum Moskaus abgehalten wurde, zeigte drastische Aufnahmen amerikanischer Militärkonflikte und fehlgeschlagener Volkserhebungen.

Ansicht von der Antimaidan Fotoausstellung im Zentrum Moskaus. Foto: Moscow Times.

Ansicht von der Antimaidan Fotoausstellung im Zentrum Moskaus. Foto: Moscow Times.

Einige bekannte russische Politik-Berichterstatter sind bisher noch nicht von der Bewegung beeindruckt, erzählte  Stanislav Belkowsky bei Echo Moskau:

Die Erfahrung mit Projekten dieser Art zeigt jedoch Folgendes: Die Patrioten in solchen Projekten sind extrem schwach – sowohl körperlich als auch moralisch. Und sie arbeiten für nahezu nichts außer für Geld. Sie haben keine ideologischen Überzeugungen. Daher werden sie im entscheidenden Moment, wenn man sie braucht, dass sie hinausgehen und das Vaterland retten, nicht handeln, bevor der Zahlungseingang für die Rettung des Vaterlandes nicht unterschrieben ist.

(engl. Übersetzung)

(russ. Originaltext)

Die nächste Antimaidan-Veranstaltung ist für Samstag, den 21. Februar geplant. Die Bewegung hat ungefähr 120 Moskauer Plakatwände zu einem beträchtlichen Preis gemietet, um den Marsch zu bewerben, berichtete RBK.

Der Moskauer Bürgermeister hat die Veranstaltung für bis zu 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer genehmigt, und der Marsch wird entlang der Petrowka-Straße führen und seinen Höhepunkt in einer Kundgebung direkt vor dem Kreml finden.

Es ist noch unklar, welche Auswirkung die Antimaidan-Bewegung auf die russische Politik der Straße haben wird. Bis jetzt ähnelt der Antimaidan einer militärischeren Version der pro-Kreml Jugendgruppen “Naschi” und “Junge Garde”, die 2005 nach der Orangen-Revolution in der Ukraine entstanden, um Proteste in Russland im Keim zu ersticken.

Während des Winters 2011-2012, als das Putin-Regime sich zum ersten Mal mit Massenprotesten konfrontiert sah, übten Organisationen wie “Naschi” oder die “Junge Garde” wenig bis keinen Einfluss bei den Veranstaltungen aus. Ob der Antimaidan die Straßen der Hauptstadt besser kontrollieren kann, falls das Putin-Regime sich wieder Massenprotesten gegenüber sieht, bleibt abzuwarten.

Will Wright -  globalvoicesonline

Will Wright –
globalvoicesonline

 

Artikel von: Will Wright
Quelle: globalvoicesonline 20.2.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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