“Kommunisten und Nazis kämpfen gemeinsam für die Befreiung Russlands von der Ukraine” (El País)

Foto von B.I.M., einem der Festgenommenen spanischen Kämpfer

Foto von B.I.M., einem der Festgenommenen spanischen Kämpfer 

4. März 2015 • Krieg im Donbas, Nachrichten, Politik

Artikel von: Patricia Ortega Dolz
Quelle: El País 28.2.2015 (Englisch)
Quelle: El País 28.2.2015 (Spanisch)

Ihr Exhibitionismus hat sie verraten; ihre Fotos in sozialen Netzwerken und ihre Videos auf YouTube mit einer Kalaschnikow über die Schulter … Sie sind 24, 27 und 28 Jahre alt. Einer war arbeitslos, ein weiterer Türsteher und ein dritter arbeitete zuletzt bei der Autofabrik Mercedes. Alle lebten in Madrid (in Alcorcón, Vallecas bzw. im Stadtzentrum). Sie lernten sich erst an der pro-russischen Front in der Ukraine bei den “Internationalen Brigaden des Donbas” kennen, wo seit April letzten Jahres der Krieg zwischen Russen und Ukrainern tobt – mit mehr als 5.000 Toten – trotz eines brüchigen Waffenstillstands, der nach in diesem Monat in Minsk (Belarus) unterzeichneten diplomatischen Vereinbarungen in Kraft trat.

Im Sommer des vergangenen Jahres kamen die jungen Männer aus Madrid an die Front, getrennt, nach einer Reise von drei Tagen, mit dem Vorhaben sich den “Internationalen Brigaden” anzuschließen und wieder das “Damit kommen sie nicht durch” [“No pasarán”] zu rufen, das durch La Pasionaria in Spanien populär wurde.

Einer von ihnen fuhr direkt nach Donezk, die anderen meldeten sich zunächst in Moskau, wo ein russischer Beamter sie erwartete. Alle drei benutzten die gleiche Methode der selbstgewählten Rekrutierung: Sie kontaktierten die separatistischen Kämpfer auf der russischen Seite in der Ukraine über Twitter, sagen die Quellen der Ermittlungsbehörden.

Man zahlte ihnen weder die Reisekosten noch einen Sold, sie wurden aber mit offenen Armen von den erfahrenen russischen Kommandanten begrüßt, die die ukrainische Front kommandieren. Man gab ihnen außer einer Kalaschnikow AK-74 und einer Kriegsuniform Essen und freie Unterkunft. Sie verließen ihre bequemen Wohnungen in der Hauptstadt, um in Hallen oder Kasernen zu leben, in denen sich, so ihre Erklärungen, noch mehr spanische “Brigadisten” und viele weitere – “mehrere Hundert” – aus anderen Ländern aufhalten, vor allem Serben und Franzosen. “Die eine  Hälfte sind Kommunisten und die andere Nazis”, erklärten die Verhafteten. “Wir Kommunisten und Nazis kämpften gemeinsam”, erklärten sie. “Wir alle wollen dasselbe: soziale Gerechtigkeit und die Befreiung Russlands von der ukrainischen Invasion [sic]”, erklärten sie, um den ideologischen Widerspruch zu rechtfertigen.

Die Polizei fand nur bei einem der Verhafteten aus Madrid Hinweise darauf, dass er an der Front kämpfte. Die anderen beiden wurden für die Propaganda benutzt, um andere Kämpfer anzufeuern. Als “Freiwillige” stand es ihnen frei, die Front wieder zu verlassen. Diese drei Häftlinge taten dies im Dezember letzten Jahres und kehrten wieder in die Hauptstadt zurück, getrennt, so wie sie auch angekommen waren.

Bei den Durchsuchungen in ihren Wohnungen gestern Morgen im Zuge der sogenannten “Operation Danko” (in Anspielung an die Figur Danko in dem Film “Red Heat”, gespielt von Arnold Schwarzenegger) fanden die Ermittlungsbeamten russische Militärkleidung, Messer, Macheten und Abzeichen. Nur einer von ihnen hatte eine Vorstrafe für die Teilnahme an einer Schlägerei. Und einer war Mitglied einer neu gegründeten Kommunistischen Partei namens Kommunistischer Wiederaufbau. [Anm. d. Übers. die in ihrem Internetauftritt dementiert, dass eines ihrer Mitglieder auf Seiten der “Separatisten” in der Ostukraine gekämpft habe.] Die Polizei, die sich vor allem auf die ins Internet gestellten Fotos und Videos stützt, beschuldigt sie wegen Gefährdung des Friedens und der Unabhängigkeit Spaniens, der möglichen Mittäterschaft bei Totschlagsdelikten oder Morden und des Besitzes und der Lagerung von Waffen. Am Nachmittag des Tages ihrer Verhaftung wurden sie nach Anklageerhebung wieder auf freien Fuß gesetzt.

Artikel von: Patricia Ortega Dolz
Quelle: El País 28.2.2015 (Englisch)
Quelle: El País 28.2.2015 (Spanisch)

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

Schlagworte:, , , ,