Laser-Bären und Besatzer: Die Meisterwerke wahnhafter russischer Propaganda

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Analytik und Meinungen, Empfehlung, Krieg im Donbas, Meinung & Analyse, Politik, Russland

Artikel von: Elias Groll und Reid Standish
Quelle: Foreign Policy 3.3.2015

Wirklich gute Propaganda ist wie ein Fiebertraum: phantasierend, paranoid und gekennzeichnet durch logische Sprünge, die auf den ersten Blick vielleicht genauerer Betrachtung standhalten. Bei der verfahrenen Pattsituation zwischen Moskau und dem Westen bezüglich der zukünftigen geopolitischen Ausrichtung der Ukraine hat sich ein besonderes Bild der russischen Propaganda während der letzten Monate als Meister dieser Kunstgattung ausgezeichnet, die stolz die russische Besatzung fremder Gebiete verteidigt und Präsident Putin als Heilsbringer mit nacktem Oberkörper besetzt, der auf einem Bären, der mit den Augen Laserstrahlen ausschickt, zur Rettung reitet.

Wenn das absurd klingt, so deswegen, weil es absurd ist. In einigen Videos, die zu Online-Sensationen wurden, hat sich eine Gruppe, deren Mantra sich frei als „anti-westliche kreative Aktivität“ übersetzen lässt, als Meister des völlig paranoiden, völlig haarsträubenden Genres postmoderner Propaganda hervorgetan. Dieser Stil kehrt sich von allen Fakten ab, übernimmt rückhaltlos Verschwörungstheorien und verkauft das Aberwitzige.

Ihre jüngste Leistung heißt „Ich bin ein russischer Besatzer“ und bietet eine loyale Verteidigung an, die an Werbung für russische Intervention und tatsächlich für Besatzung grenzt. Die russische Besatzung der Baltischen Staaten, so erklärt das Video, brachte Fabriken, Kraftwerke und die Produktion von Funk- und Audio-Ausrüstung. Nun, da die russischen Truppen abgezogen sind, verkaufen die Balten billigen Fisch, und ein Großteil der Bevölkerung sind Arbeitsmigranten, die europäische Toiletten putzen. Woanders ist die Geschichte ziemlich ähnlich. Russland brachte Kosmodrome und Stadien nach Zentralasien, Weltraumtechnologie in die Ukraine.

Wie vorherzusehen war, werden diese Bemühungen nun zerstört, heißt es in dem Video. „Sie bauen nichts anderes außer endlose ‚Maidans‘ und Diktaturen“, sagt der Kommentator und bezieht sich dabei auf die Revolution in Kyiw, die zum Sturz von Wiktor Janukowytsch führte. „Ja, ich bin ein Besatzer! Und ich bin es leid, mich dafür zu entschuldigen!“

Das Video liest sich als reiner Ausdruck einer russo-nationalistischen ID, und es wurde auf Twitter von Dmitri Rogosin, dem Stellvertretenden Ministerpräsidenten, der als Falke gilt, stillschweigend gutgeheißen.

Doch diese Verteidigung der russischen Besatzung ist noch nicht das größte Werk des künstlerischen Kollektivs mit dem seltsamen Namen. Im September brachte die Gruppe ein pikantes Video heraus, das den Krieg in der Ukraine als einen von den Vereinigten Staaten instrumentierten Trick zur Schwächung Europas und Russlands darstellt –  alles nur, um Amerika in seinem Konkurrenzkampf mit China Auftrieb zu verleihen. Der Abschuss von Malaysian-Airlines-Flug 17 wird als CIA-Operation dargestellt. Der Krieg, so argumentiert das Video krampfhaft, wird die amerikanischen Staatskassen retten – so wie der Zweite Weltkrieg die US-Wirtschaft aus der Großen Depression rettete. An einer Stelle reitet Putin mit nacktem Oberkörper in eine Stadtlandschaft auf dem Rücken eines Bären, der aus seinen Augen Laserstrahlen schießt.

Wir können uns nur demütig vor diesen Meister-Propagandisten auf YouTube verneigen.

Artikel von: Elias Groll und Reid Standish
Quelle: Foreign Policy 3.3.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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