Stalin-Museum: Putins Russland macht grausamen Diktator unsterblich

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Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 12.3.2015

Knapp eine Woche nach der Auflösung des Trägervereins des Perm-36 Gulag-Museums auf der Stätte eines berüchtigten Arbeitslagers für Opfer sowjetischer Repression wurden Pläne verlautbart, ein Museum, das dem mörderischen Diktator Joseph Stalin gewidmet ist, zu eröffnen. Die Niederlassung von Memorial in Twer berichtete, dass ein Museumshaus in der Ortschaft Choroschewo (Oblast Twer) eingerichtet werden soll, wo Stalin im August 1943 auf seinem Weg in ein Gebiet in sicherer Distanz zur Front übernachtet hatte.

Der Vorschlag für das Museum und seine Eröffnung zum Gedenken an den 70. Jahrestag des Tags des Sieges (am 9. Mai 2015) kam von der Militärgeschichtlichen Gesellschaft Russlands. Die Gesellschaft wurde am 29.12.2012 durch ein Dekret des Präsidenten geschaffen „zur Bündelung der Kräfte des Staates und der Gesellschaft beim Studium der militärgeschichtlichen Vergangenheit Russlands; indem man Bemühungen, sie zu verzerren, entgegen tritt; die Leistungen der militärgeschichtlichen Studien verbreitet; Patriotismus fördert und das Ansehen des Militärdienstes hebt.“ Die Gründer sind das russische Kulturministerium und das Verteidigungsministerium, und der Vorsitzende der Gesellschaft ist der russische Kulturminister Wladimir Medinski. Der Vorstand des Kuratoriums ist der Stellvertretende Ministerpräsident Dmitri Rogosin, und der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Rates ist Wladimir Tschurow, Vorsitzender der Zentralen Wahlkommission.

Nach dem Krieg wurde das Haus anfangs als militärisches Denkmal bewahrt, mit Bibliothek und kleiner Gedenkstätte. All das wurde Ende der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts entfernt (vermutlich in Verbindung mit der Verurteilung Stalins und seiner Verbrechen durch Chruschtschow 1956), 1983 jedoch wieder in Stand gesetzt. Eine Gedenktafel mit einem Befehl Stalins wurde am 5. August 2013 angebracht, um den 70. Jahrestag des Besuchs festzuhalten.

stalinmuseumDie geplante Ausstellung soll Stalin „als General, Staatsmann, Führer des Landes, Politiker und Organisator“ besondere Aufmerksamkeit zollen. Er soll als Führungspersönlichkeit dargestellt werden, deren Aktivitäten „das Schicksal der Nachkriegswelt für Jahrzehnte bestimmte“. Neben Themen wie „Stalins Rolle beim Sieg“ und „Stalin als Symbol der sowjetischen Erfolge und Siege“ sieht der Plan vor, sich mit Stalins Rolle bei der „Neubelebung der Russischen Orthodoxen Kirche“ zu befassen.

Michail Fedotow, Vorsitzender des Menschenrechtsrat beim russischen Präsidenten, meinte, dass „es in Bezug auf die Schaffung eines Museums viele hunderttausende Museen geben könnte, die Stalins Verbrechen dokumentieren, – überall dort, wo es die Gräber der Opfer politischer Repression gibt.“

Dies sind üblicherweise namenlose, einfache Gräber, in die viele unserer Großeltern und Urgroßeltern geworfen wurden, und es gibt keine Worte, die tiefe Kränkung zu beschreiben, die dieses geplante Museum verursacht.

Der Prozess, durch den Stalin in Wladimir Putins Russland schrittweise „rehabilitiert“ wird und Informationen über die Opfer sowjetischer Repression unterdrückt werden, gewann 2007 an Fahrt, als Putin von der angeblichen Notwendigkeit von „positiven Schritten“ in der Darstellung der Geschichte des Landes sprach. Kein Material mehr, so sagte er Lehrerinnen und Lehrern, das „einem die Haare zu Berge stehen lässt“. Die neuen Geschichtslehrbücher von Alexander Fillipow, die für die Schulen propagiert werden, stellten Stalin als „einen der erfolgreichsten Führer der UdSSR dar“.

Zu dieser Zeit wurde Stalins Rede vom 3. Juli 1941 auf eine Liste der wichtigsten Quellen für Studierende gesetzt. Auf der Liste sind anscheinend andere gleichermaßen wichtige Ansprachen nicht aufgeführt, wie zum Beispiel Nikita Chruschtschows Verurteilung Stalins, und man kann davon ausgehen, dass der Pakt zwischen Hitler und Stalin und das Abkommen, sich Polen aufzuteilen, beiseite geschoben, wenn nicht sogar ignoriert werden wird.

Im Mai 2014 unterstützte Putin tatsächlich Vorschläge, Wolgograd umzubenennen und den Namen Stalingrad wieder einzuführen, den die Stadt seit 1925 getragen hatte und der wegen der Schlacht um Stalingrad im Februar 1943 in Erinnerung ist.

Im ersten Jahr nach der russischen Invasion und der Annexion der Krim wurde in Jalta ein Denkmal für Stalin, den britischen Premierminister Winston Churchill und den US-Präsidenten Franklin Roosevelt enthüllt. Dieses Ereignis wurde zeitmäßig so angesetzt, um des 70. Jahrestages der Unterzeichnung des Abkommens von Jalta zu gedenken, welches für Hunderttausende endloses Leiden brachte, die gewaltsam in die UdSSR zurückgeschickt wurden, und welches die Aufteilung Polens durch Stalin absegnete. Die Entscheidung war eine offene Beleidigung für die Krimtataren, die Stalin als Volk 1944 deportiert hatte, ist aber auch für die meisten Ukrainer zutiefst verletzend.

Wir überlassen die Diagnose Valentina Scharipowa, der Stellvertretenden Vorsitzenden von Memorial in Twer. Sie meint, dass es bei dem gesamten Pathos über diese geschichtlichen Memorabilien darum geht, „den Ruhm unseres modernen Generals Putin von der Krim aufzubauen. Um Parallelen zu ziehen sozusagen. Es gibt zurzeit massenhaft Teams in Russland, die an Denkmälern für den derzeitigen Führer Russlands arbeiten.“ Scharipowa schreibt:

“Es muss gesagt werden: Die Tyrannei ist wie eine Erbkrankheit in Russland. Und wie ein Hirntumor, praktisch unheilbar.”

 

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 12.3.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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