Neue Umfrageergebnisse: Ukrainer fürchten Russland, misstrauen aber der EU-Appeasement-Politik

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21. März 2015 • Krieg im Donbas, Nachrichten, Politik, Russland

Quelle: Euromaidan Press (engl.) 21. März 2015

Wie eine neue Umfrage in Kyiw zeigt, ist seit dem Maidan der Anteil der Ukrainer, die eine  EU-Integration bevorzugen, von 41 % auf 47,2 % gestiegen, während die Unterstützung für eine Integration mit Moskau von 35 % auf 12,3 % gesunken ist. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, sie sich für eine Neutralitätspolitik aussprechen, von 9 auf 27 % angewachsen.

Diese Zahlen sind eine Reaktion auf die militärischen Aktionen Russlands gegen die Ukraine und auf das Versagen der Europäischen Union, so viel zu tun, wie viele Ukrainer gehofft hatten, sagte die Analystin des Kyiwer Internationalen Instituts für Soziologie Tatjana Iwdschenko, die die Umfrage durchgeführt hat, gegenüber der “Nesawissimaja Gaseta”.

Die Kyiwer Expertin weiter: “Die Ukrainer haben Angst vor den Aktionen Russlands und gleichzeitig vertrauen sie der Europäischen Union nicht.”

Der einzige Teil des Landes, in dem sich mehr Menschen für die Integration mit der Eurasischen Union (30 %) als mit der EU (20 %) aussprachen, war im Donbas, aber auch dort waren die Erstgenannten weit von einer Mehrheit entfernt. In den südlichen Regionen lag die Unterstützung für den EU-Beitritt bei 33 %, während für die Eurasische Union nur 12 % waren. In der West- und Zentral-Ukraine sprachen sich Mehrheiten von 57 bzw. 75 Prozent für die EU aus, während nur sehr wenige die von Moskau geführte Organisation befürworteten.

Diese Zahlen bedeuten nach Aussage von Tatjana Iwdschenko, dass “der Donbas auch nach dem vollständigen Ende der militärischen Aktivitäten nur unter seine eigenen Bedingungen wieder in die Ukraine eingegliedert werden könnte,” was Kyiw noch nicht akzeptiert hat, und dass es anderswo ebenfalls ernsthafte Debatten wegen des Misstrauens gegenüber der Europäischen Union geben würde.

Das Misstrauen gegenüber Europa, so sagen ukrainische Wissenschaftler, ist im vergangenen Jahr wegen der ständigen Erklärungen der Europäischen Union gegenüber der Ukraine gewachsen, sie dürfe nichts tun, was die Russen ärgern könnte, und wegen des Versagens, mehr zu tun, als politische Erklärungen abzugeben, mit denen die EU zeigte, dass sie “für den Frieden um jeden Preis” sei, auch wenn dabei ukrainische Interessen geopfert werden.

Die Einstellungen im Donbass werden “durch ganz andere Dinge als in der übrigen Ukraine diktiert”, sagen die Experten. Dort setzen die Menschen die regionalen Werte vor diejenigen des Staates, ein Muster, das auch in jenen Teilen der Region gelte, die noch unter der Kontrolle der ukrainischen Regierung sind.

Nach Aussage einer der Freiwilligen unter der Bedingung der Anonymität, sei die “pro-russische Haltung” dort nicht stark, “aber die Leute fühlen dennoch den Wunsch,” sich von der Ukraine zu trennen, die sie nicht verteidigt hat oder sie nicht vor dem Beschuss gerettet hat, ihnen ihre Löhne und Renten nicht bezahlt und ihnen keine Hilfe angeboten” habe. Sie stellen die gleichen Anforderungen auch an Russland.

Konstantin Bondarenko, Leiter des Instituts für ukrainische Politik, sagt, dass “wir den Donbas verloren haben, in dem Sinne, dass die Ukraine den Kampf um die Menschen verloren hat”. Auch wenn Kyiw militärisch gewinnt, wird es sich mehr Probleme für sich selbst schaffen, “da der Donbas nicht mit Gewalt allein untergeordnet werden kann”.

Aber Sergej Taran, der Leiter des Internationalen Instituts für Demokratie, ist damit nicht einverstanden. Zumindest, er sagt, sei es zu früh, um solche Schlüsse zu ziehen. Und er weist auf das auf der Hand Liegende: der Donbas kann es sich nicht leisten, einen eigenen Weg zu gehen und braucht die Hilfe von Kyiw oder von Moskau. Im Laufe der Zeit ist die ukrainische Regierung eher in der Lage, dies zu schaffen, und das könnte entscheidend sein.

Quelle: Euromaidan Press (engl.) 21. März 2015

Bild: Titelfoto: Reuters
Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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