Antifa-Demonstranten festgenommen, Neonazi-Sadist bei rechtsextremem russischen Forum willkommen

Alexei Miltschakow

Alexei Miltschakow 

24. März 2015 • Nachrichten, Politik, Russland

Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 23.3.2015

Acht Antifa-Demonstranten wurden am Sonntag vor dem ‚Internationalen Russischen Konservativen Forum‘ in St. Petersburg von der Polizei festgenommen. Einer von ihnen wurde später von der Rettung abtransportiert, nach der Befragung durch Beamte des Zentrums zur Extremismusbekämpfung. Das russische Anti-Extremismus-Kommando scheint nur mit denen ein Problem gehabt zu haben, die gegen ein Forum von Mitgliedern vor allem europäischer und russischer rechtsextremer und Neonazi-Parteien auftraten. Der eine „Nationalist“, der zur selben Zeit festgenommen worden war und von dem Zeugen berichteten, dass er einen Konflikt mit den Antifa-Demonstranten provoziert und einen von ihnen ins Gesicht geschlagen haben soll, wurde jedenfalls bereits am frühen Nachmittag freigelassen. Vier der Antifa-Demonstranten sollen jedoch laut OVD-Info die Nacht in Polizeigewahrsam verbracht und Verwaltungsstrafen zu erwarten haben.

Die Polizei sah keinen Grund, den berüchtigten Neonazi-Sadisten Alexei Miltschakow festzunehmen, der 2012 traurige Berühmtheit dafür erlangte, dass er Welpen tötete und Neonazi-Kollegen aufforderte, Obdachlose und Tiere in seiner Heimatstadt St. Petersburg zu töten, und den vermutlich ein Gerichtsverfahren erwartet. Miltschakow war Teil der ‚Delegation’, gemeinsam mit dem norwegischen Neonazi Jan Petrovskij (Kampfname: “Weliki Slawjan” – der große Slawe), aus den selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk, die der Kreml im vergangenen Jahr schwer bewaffnet und mit Soldaten verstärkt hatte. Sie hatten zweifellos dem Forum eine Menge darüber zu erzählen, wie sie gegen die „faschistische Junta“ Kyiws im Donbas gekämpft hatten. Die beiden wurden vor kurzem von den Kreml-treuen Life-News interviewt, allerdings ohne indiskrete Fragen zu ihren Neonazi Ansichten und sadistischen ‚Hobbys‘.

Nowaja Gaseta war weniger zurückhaltend, als sie die beiden befragte, die bestätigten, dass sie auf Einladung der Organisatoren aus dem Donbas gekommen seien. „Miltschakow bekannte sich zu Hitler, jedoch mit einigen Vorbehalten“ und erwähnte die Tatsache, dass 27 Millionen „Angehörige meines Volkes“ getötet worden seien.

Petrovskij wurde nach seiner „Foto-Session vor dem Hintergrund getöteter ukrainischer Soldaten“ gefragt und ob er das für ethisch vertretbar halte. Petrovskij antwortete, dass die Fotos vor dem Hintergrund von zerstörter Ausrüstung gemacht worden seien und dass die Tatsache, dass da auch verbrannte Leichen von ukrainischen Soldaten gewesen seien, „ihn nicht sonderlich gekümmert“ hätte.

Nach seiner Einstellung zum Holocaust befragt, meinte er, dass er keine habe. „Wenn manche Leute hier den Holocaust leugnen, dann ist das ihre persönliche Meinung, und sie haben ein Recht, sie zu äußern. Für mich ist das nicht einmal ein Diskussionsthema. Der Holocaust geht mich nichts an. Ich kümmere mich um Russen, Europäer.“ Es gäbe Dinge im Dritten Reich, die er nachvollziehen könne, wie die Institution der Familie und die Eugenik, nicht aber die Beziehungen zu Russland.

Über die Ziele des Forums und viele der teilnehmenden Parteien wurde hier schon berichtet, und es gab nur wenige Überraschungen, außer vielleicht die Teilnahme einer derzeitigen Abgeordneten im Gemeinderat von Dnipropetrowsk, Wiktoria Schilowa (siehe Programm unten). Es ist gut möglich, dass das bunt zusammen gewürfelte Aufgebot randständiger Faschisten und Neonazis die Sorge über die wachsende Annäherung zwischen Moskau und den anti-europäischen und generell rechtsextremen Parteien beschwichtigen sollte. Nick Griffin aus Großbritannien war zum Beispiel anwesend, aber weder seine neue Partei noch die British National Party, aus der er voriges Jahr ausgeschlossen wurde, haben in Großbritannien tatsächlich Gewicht, ganz im Gegensatz zur UKIP, deren Vorsitzender Nigel Farrage sich auch für Wladimir Putin stark gemacht hat.

Zwei Parteien, die enge Beziehungen aufgebaut haben und in jüngster Zeit beträchtliche Unterstützung aus Moskau bekamen und Russland gegen die Ukraine unterstützt haben, waren nicht anwesend: Die ungarische Jobbik-Partei und Marine Le Pens Front National in Frankreich. Letztere nahm am Wochenende an Regionalwahlen teil, in denen sie ca. 26% der Stimmen erhielt, und man ging davon aus, dass Le Pen negative Auswirkungen vermeiden wollte, mit einigen der Parteien in Zusammenhang gebracht zu werden, die am Sonntag zugegen waren. Laut France Press trat sie jedoch am Samstag im staatlichen russischen Fernsehen auf und verurteilte die EU-Sanktionen gegen Moskau und die anti-russische „Propaganda“, die „auf Befehl der USA“ gemacht werde.

Das stand in vollem Einklang mit Berichten über das St. Petersburger Forum, wo anscheinend alle Referenten ihre Unterstützung für Russland bekundeten und über die US-Hegemonie, Homosexualität und natürlich die Ukraine schimpften. Bei einem Forum, das eineinhalb Monate vor dem 70. Jahrestag des Tag des Sieges in einer der Heldenstädte Russlands, die während des Zweiten Weltkrieges maßlos gelitten hatte, abgehalten wurde. Das ohne Hindernisse abgehalten wurde, und bei dem nur Antifa-Demonstranten verhaftet wurden.

program

Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 23.3.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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