Kaspersky: Software, Sauna und Spione

Virenschutz-Entwickler Jewgenij Kaspersky. Foto: Ruslan Krivobok / RIA Novosti

Virenschutz-Entwickler Jewgenij Kaspersky. Foto: Ruslan Krivobok / RIA Novosti 

Analytik und Meinungen, Empfehlung, Meinung & Analyse, Russland

Artikel von: Carol Matlack, Michael A. Riley und Jordan Robertson
Quelle: Bloomberg Business News, 19. März 2015

Die Firma, die Ihr Internet sicher macht, hat enge Verbindungen zu russischen Spionen

Kaspersky Lab hat Berichte über angebliche elektronische Spionage durch die USA, Israel und Großbritannien veröffentlicht – doch es wäre noch Russland zu betrachten.

Kaspersky Lab verkauft Sicherheitssoftware, einschließlich Antivirus-Programme, die von Großhändlern und anderen US-Amerikanischen Computerverkäufern empfohlen werden. Die Moskauer Firma steht, an ihren Einkünften gemessen, auf dem sechsten Platz der Produzenten von Sicherheits-Software. Sie erwirtschaftete 667 Millionen US-Dollar im Jahr 2013 und ist der Favorit von Bewertern und Technikfreaks auf Amazon.com. Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender Jewgenij Kaspersky hat früher für den KGB gearbeitet, und eine der japanischen Werbekampagnen nutzte den Slogan: „Ein Verschlüsselungsexperte vom KGB“. Die Verkaufstaktik, Idee eines einheimischen Partners, wurde „vom Hauptquartier schnell zurückgezogen“, so Kaspersky Lab, als die Firma Führungskräfte aus den USA und Europa rekrutierten, um Ihr Geschäft auszuweiten und, gemeinsam mit einer US-Investment-Firma, den Börsengang vorzubereiten.

Engere Verbindungen zum Geheimdienst seit 2012

Im Jahr 2012 änderte Kaspersky Lab jedoch abrupt den Kurs. Seitdem haben hochrangige Manager die Firma verlassen oder wurden gefeuert und ihre Stellen dann oft von Leuten mit engeren Verbindungen zum russischen Militär oder Geheimdienst besetzt. Einige von ihnen unterstützen aktiv die Strafverfolgung des KGB-Nachfolgers FSB und nutzen dazu die Daten von einigen der 400 Millionen Nutzer, die sich auf die Software von Kaspersky Lab verlassen, so sechs gegenwärtige und frühere Angestellte, die es – aus Furcht vor Repressalien – abgelehnt haben, das öffentlich zu erörtern.

Diese Nähe beginnt an der Spitze: Wenn Kaspersky nicht gerade reist, versäumt er fast nie seine wöchentliche Banja (Sauna) mit einer 5 bis 10 Mann starken Gruppe, in der gewöhnlich auch einige Geheimdienstmänner sind. Kaspersky sagte jedoch in einem Interview, dass diese Gruppen-Sauna-Abende reine Gesellschaftsabende seien: „Wenn ich in die Banja gehe, bin ich unter Freunden.“

Kaspersky sagt, Regierungsstellen könnten die Daten seiner Firma nicht mit einzelnen Kunden verknüpfen, und er sagt weiter, dass er keinen erhöhten Druck zu fürchten habe, seine Loyalität zu Wladimir Putin zu demonstrieren. „Ich bin nicht die richtige Person, um über die russische Wirklichkeit zu sprechen, denn ich lebe im Cyberspace“, sagt er.

Messen mit zweierlei Maß?

Wie dem auch sei: Während Kaspersky Lab eine Serie von Berichten veröffentlicht hat, die die angebliche elektronische Spionage der USA, Israel und Großbritanniens untersuchten, hat die Firma die angeblichen russischen Operationen nicht mit gleichem Nachdruck untersucht. Im Februar veröffentlichten die Untersucher von Kaspersky Lab einen bemerkenswert detaillierten Bericht über die Taktik eines Hacker-Kollektivs, das unter dem Namen „Equation Group“ bekannt wurde, die Russland, den Iran und Pakistan angegriffen habe, und von der Cyber-Analysten annehmen, dass sich dahinter die NSA verbirgt. Einen ähnlichen Bericht über die Verbindungen von Russland zu einer ausgefeilten Software namens Sofacy hat Kaspersky Lab nicht veröffentlicht. Sofacy hat die NATO und die Außenministerien in Osteuropa angegriffen. Über Sofacy hat die US-Cybersicherheitsfirma FireEye im letzten Frühjahr berichtet.

Da Kaspersky Lab die prominenteste Cybersicherheitsfirma mit engen Verbindungen zur russischen Regierung ist, spiegelt sich in der Affinität mit den Schlapphüten des Landes eine sich über Jahre hinziehende Verlagerung (der Politik) von Sicherheitsfirmen dahin wieder, Partei zu ergreifen. Die meisten Hersteller von Sicherheitssoftware arbeiten in irgendeiner Hinsicht mit den USA zusammen. Verbindungen zu irgendeiner Regierung können es im paranoiden globalen Markt nämlich erschweren, Produkte zu verkaufen, sagt Rick Holland, Hauptanalyst für Sicherheits- und Risikomanagement der Firma Forrester Research. „Das ist eine Herausforderung für jede Sicherheitsfirma da draußen“, so Holland. „Was für Verbindungen zur Regierung haben Sie?“

Dramatischer Richtungswechsel

Die Verbindungen von Kaspersky Lab nahmen nach zwei Entlassungswellen von Führungskräften dramatisch zu, sagen vier der früheren Insider. Die erste Welle kam 2012, nachdem Kaspersky eine IPO-Partnerschaft (Partnerschaft zum Gang an die Börse) mit der Investment-Firma General Atlantic aus Greenwich, Connecticut, abwürgte. Danach schickte der Vorstand für Geschäft und Vertrieb, Garry Kondakow, eine Rundmail, in der stand, von nun an würden die höchsten Posten der Firma nur noch mit Russen besetzt, so zwei Leute, die diese Mail gesehen haben. Board meetings, früher in Englisch abgehalten, würden heute nur noch in Russisch durchgeführt. Die Firma leugnet, dass eine solche eMail je verschickt wurde.

2014, als eine Handvoll Führungskräfte, unter ihnen der Technische Direktor Nikolai Grebennikow und der Präsident für Nord Amerika, Steve Orenberg, baten, die Ernennung eines neuen CEO (Generaldirektors) zu überlegen und nur die Führung der Firma zu behalten, wurden sie gefeuert.

Der Leitende Rechtsberater, Igor Tschekunow, der regelmäßig an Kasperskys Banja-Nächten teilnimmt, ist die Schlüsselfigur für die Zusammenarbeit der Firma mit der russischen Regierung, sagen drei der Insider. Seit 2013 führt er ein Team von 10 Spezialisten, die Daten von Kunden auswerten, die gehackt wurden, und dem FSB und anderen russischen Behörden technische Unterstützung geben. Das Team kommt von überall in der Firma an alle Daten heran. Während der geschäftsführende Direktor für Nordamerika, Christopher Doggett, sagt, die Daten blieben anonym, sagen Zwei, die sich mit der Technologie auskennen, dass sie so verändert werden könne, dass man Informationen von individuellen Rechnern sammeln könne, und dass sie schon benutzt worden sei, um dem FSB bei seinen Nachforschungen zu helfen. Über Tschekunow gibt es auf der Firmenwebsite keine Biographie, bevor Bloomberg Business Week danach gefragt hat. Firmensprecherin Sarah Kitsos sagt, er sei, nach seinem Dienst in den KGB-Grenztruppen, Polizist gewesen.

Und die USA?

(Das Beispiel) FireEye zeigt, wie diese Verbindungen in den USA funktionieren. Die Firma war früher von der CIA geführt worden, die deren Technologie benutzt und jahrelang durch ihren Investment-Arm, In-Q-Tel, einen Anteil dieser Firma hielt. FireEye hat russisches und chinesisches Hacking aufgedeckt, doch es steht noch ein großer Bericht über die Spionage durch die USA aus. Obwohl der CEO von FireEye, David DeWalt, den Bericht der Equation Group von Kaspersky Lab sehr lobt, will er nicht sagen, ob er die Gruppe erforscht. „Ist es denn ein Geheimnis, welche Wurzeln die Gruppe hat und wer sie wahrscheinlich mit Informationen füttert?“ sagt er. „Man sieht sich all das an und geht einfach weiter, ‚Hey, das ist die Realität, in der wir jetzt leben‘“.

In direkten Vergleichtests schlägt sich Kaspersky Labs Software immer noch gut gegenüber seinen Mitbewerbern. „Die Techies lieben uns“, so Doggett. Doch der Absturz des Rubels wird sehr wahrscheinlich den Verdienst des Jahres 2014 für die Firma deckeln, den die Firma im Internet in Dollar veröffentlicht. Kaspersky kämpft noch um Aufträge von US-Bundesbehörden. „Es entwickelt sich definitiv ein Cyber-Isolationismus“, so Forrester-Analyst Holland. „Sie müssen alle vermeintlichen oder tatsächlichen Allianzen überwinden.“

Zusammenfassung: Die populäre Software-Schmiede Kaspersky Lab hat enge Verbindungen zu russischen Militär- und Geheimdienstfunktionären.

(Später hinzugefügt: Aktualisierung des ersten Abschnitts durch den Autor, um klarzustellen, dass Jewgenij Kaspersky in einem KGB-gesponsorten Verschlüsselungsinstitut ausgebildet wurde und dann für den russischen Militärgeheimdienst gearbeitet hat.)

Artikel von: Carol Matlack, Michael A. Riley und Jordan Robertson
Quelle: Bloomberg Business News, 19. März 2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

Schlagworte:, , ,