Mustafa Najem: Ihor Kolomojskyj in der Zwickmühle

Ihor Kolomojskyj

Ihor Kolomojskyj 

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Artikel von: Mustafa Najem
Quelle: Blog von Mustafa Najem bei Ukrajinska Prawda

Zum Hintergrund: Die gewaltsame Übernahme einer staatlichen Ölfirma durch eine Gruppe bewaffneter Männer in Kampfanzügen hat zu Protesten im ukrainischen Parlament geführt und die Medienaufmerksamkeit auf den Milliardär Ihor Kolomojskyj gelenkt. Zwei Parlamentarier beschuldigten Kolomojskyj, die bewaffneten Männer am Donnerstagabend in die Büros von UkrTransNafta geschickt zu haben, nachdem der Vorsitzende, ein Verbündeter des 52-jährigen Oligarchs, entlassen worden war.

Auf einem in YouTube veröffentlichten Clip, in dem er die Journalisten, die über den Fall berichteten, heftig beschimpfte, sagte Kolomojsky: “Ich bin gekommen, um das Gebäude von russischen Saboteuren zu befreien.”

Mustafa Najem, Journalist und Abgeordneter der Werchowna Rada und “Initiator” des Euromaidan, kommentiert:

Mustafa Najem

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Ihor Kolomojskyj hatte die Chance, als Teufelskerl in die Geschichte der Ukraine einzugehen, als jemand, der einen unschätzbaren Beitrag geleistet hat, um das Land vor dem Abgrund aus Chaos und Unordnung zu retten. Vor einem Jahr waren im ganzen Land Hunderttausende, wenn nicht Millionen begeistert von seiner Kühnheit, und offen oder insgeheim stolz auf seine gewagten Angriffe auf den Feind. Als Dank für seinen Mut waren sie sogar bereit, seine oligarchische Vergangenheit zu vergessen.

Ein Jahr später wird aus dem Elefanten wieder eine Maus. In nur wenigen Tagen hat es Ihor Kolomojskyj geschafft, das Bild des Helden zu ruinieren und seine ganzen Verdienste in den Augen seiner vorherigen Fans zu verlieren.

Er hat Verdienste, sogar beträchtliche. Und sie zu vergessen wäre unfair. Aber genauso wäre es naiv, nicht zu bemerken, wie im Laufe des Jahres der Sessel des Gouverneurs der Region Dnipropetrowsk zum Bonus für die Unternehmensgruppe “Privat” wurde. Ihor Kolomojskyj wurden sein großer Appetit und sein absolutes Selbstvertrauen zum Verhängnis. Die Ereignisse der letzten Tage haben seine Verdienste quasi in Luft aufgelöst. Und das nicht, weil diese Leistungen unbedeutend waren, sondern weil man sich dazu entschied, sie einzutauschen dafür, sich demonstrativ alles mögliche zu erlauben.

Der Versuch, das durch patriotische Parolen, Andeutungen zum Separatismus und Forderungen an den Staat zu maskieren, ist absurd. Noch absurder ist es, die dreiste Aneignung staatlicher Macht zugunsten privater Interessen mit den “Machenschaften des Kremls” zu erklären.

Mit seinen Handlungen brachte sich Ihor Kolomojskyj nicht nur in die Zwickmühle und setzte der Regierung ein Ultimatum, er hat selbst seine treuesten Partner der Argumente zu seiner Verteidigung beraubt. Man kann seine Handlungen unterschiedlich betrachten und sogar verstehen, dass er als Person versucht, seinen Besitz zu schützen. Aber eine direkte Konfrontation der regionalen Verwaltung und des Gouverneurs mit Kyiw in einer Kriegssituation – das ist ein krimineller Akt und grenzt an Verrat. Die Nichtbeachtung dieser Herausforderung droht das ganze Land, nicht nur diese Region, zu destabilisieren.

Der Umstand, dass sich alle Regierungsabteilungen, Spitzenbeamten und Rechtsschutzorgane in ihrer öffentlichen Bewertung der Handlungen des Gouverneurs einig sind, ist eine rote Karte an das gesamte Team von Ihor Kolomojskyj. Was diesem Team des Gouverneurs droht, wird die Zeit zeigen; Kein Zugang mehr zu öffentlichen Mitteln, die Entlassung von ihren Posten oder die vollständige Entziehung von Einfluss und Macht.

Nun ist es die wichtigste Aufgabe, zu verhindern, dass dieser Platz von den Interessen anderer Finanz-und Industriegruppen eingenommen wird, die sich natürlich schon die Hände reiben, in der Hoffnung, einen leer gewordene Nische einzunehmen. Die Oligarchen-Kumpel Ihor Kolomojskyjs werden keine mildernden Umstände erfahren. Da sie ihr Vermögen zu Lasten der Allgemeinheit schützen, wird es ihnen nicht gelingen, sich zu verstecken.

Zu guter Letzt; In einer Sache hat sich Ihor Kolomojskyj nicht geändert: Er hat zum Schluss noch einmal die Pläne des Kreml durchkreuzt. Eine Junta – blutig und brutal, mit öffentlichen Hinrichtungen der ehemaligen Revolutionäre wie in Moskau, was die ganze Welt erschreckt hat – ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.

Der gestrige Tag markierte den Endpunkt eines anstrengenden Marathons der Vermutungen darüber, woher diese Junta kommen wird, wer sie führen wird, und wem die Bataillone dienen werden, wenn sich die Junta Richtung Kyiw bewegt. Obskurantismus und militärisches Chaos, mit welchen man das Land seit vielen Monaten erpresst, sie scheiterten kläglich.

An der Front sind fast keine strukturierten militärischen Formationen übrig. Einige freie Radikale sind nicht in der Lage, systematisch zu handeln. Und der Rest ist in jedem Fall gezähmt, entweder durch das Verteidigungsministerium oder die Nationalgarde und das Innenministerium. Und selbst diese wenigen Einheiten sind klug genug, sich lieber damit zu begnügen, kleine Aufgaben einzelner Oligarchen zu erledigen, sie kennen die Beziehung “Sklave-Chef”, und zumindest die Ebene höherer Beamter ist sich der Gefahren und Verluste durch Befehlsverweigerung durchaus bewusst.

Artikel von: Mustafa Najem
Quelle: Blog von Mustafa Najem bei Ukrajinska Prawda

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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