»Russland, deine Antifaschisten« – “Die Kentrail-Verschwörung” kommentiert

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Artikel von: Die Kentrail-Verschwörung Facebook
Quelle: Die Kentrail-Verschwörung Facebook

Freunde Russlands, die Putin unterstützen, habe man eingeladen, keine Faschisten. Das sagt Fjodor Birjukow über die Teilnehmer des »Internationalen Russischen Konservativen Forums«, das am 22.03.2015 in St. Petersburg stattfand. Das sei nur eine Phantasie der liberalen Presse und der Gegner eines starken Russlands. Birjukow ist Mitglied der rechtsextremen Partei »Rodina« (»Heimat«), gegründet vom derzeitigen Vize-Premierminister Rogosin, der aktuelle Vorsitzende Schurawljow ist gleichzeitig Mitglied der Fraktion der Kreml-Partei »Einiges Russland«.

Wer käme auch auf das F-Wort in Anbetracht dieser Rednerliste bei der Veranstaltung im Petersburger Holiday Inn Hotel? Bulgarische »Ataka«, »British National Party«, deutsche »NPD«, griechische »Goldene Morgenröte«, italienische »Forza Nuova«, US-amerikanische »White Identity«, um nur einige zu nennen.

Vier Stammgäste waren nicht dabei: die »FPÖ« hat kurzfristig abgesagt, der »Front National« wird wohl durch die Kommunalwahlen in Frankreich verhindert gewesen sein. Zum Fehlen von »Jobbik« und »UKIP« gibt es keine Anhaltspunkte.

Macht nichts – dafür üben die anderen noch mal den von Stalin geprägten Faschismusbegriff, der kein wissenschaftlicher ist, sondern einfach nur den Gegner belegt.

Allein der Italiener Roberto Fiore hat gepatzt, als er gegenüber einem Journalisten erklärte, er fände nichts Abwertendes daran, als Faschist bezeichnet zu werden.

Dabei war er doch schon im August bei der Gründung des »Antifaschistischen Rates der Russischen Föderation« auf der Krim mit dabei, der ebenso eindeutige Mitglieder hat. Bevor mehr schiefgehen konnte, twitterte Fjodor Birjukow Ideologe der »Rodina«-Partei und Vorsitzender des sozial-patriotischen Clubs »Stalingrad«, noch flugs die nötigen Eckdaten zum NPD-Gast: »Der Abgeordnete des Europaparlaments @udovoigt ist auch ein Antifaschist.«

(Anm.: Dieser tweet ist nicht von Alexej Schurawljow, dem Rodina-Vorsitzenden, wie häufig berichtet (Spon, indymedia etc.), der hatte nur retweeted und inzwischen gelöscht. Schurawljow war auch nicht in St. Petersburg mit dabei – stattdessen kündigte er zwei Tage vorher seine Abreise in den Donbas an.)

»Russland hat auf die Schaffung eines internationalen ‘Clubs von Freunden’ oder eine neue virtuelle Komintern gesetzt, die für propagandistische Ziele nützlich ist oder sogar dafür, in Zukunft ernsten Druck auf die europäischen Regierungen auszuüben mit dem Ziel der Korrektur ihres politischen Kurses« – das sagte im Vorfeld Oleg Ignatew, stellvertretender Direktor des kremlnahen Instituts für politische Konjunktur.

Offensichtlich war man sich in vielem einig – Xenophobie, Rassismus, Homophobie, Antiamerikanismus, Ablehnung der EU, Haltung zur Ukraine, Überzeugung von der eigenen Überlegenheit und der des Christentums. Dass der ein oder andere Gast über das selbst in Russland Akzeptable hinausschießt – geschenkt. Er ist ja kein ideologischer Partner, sondern Mittel zum Zweck der Beeinflussung zurück in seinem Land.

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Teilnehmer der islamkritischen Bewegung Kargida (Karlsruher gegen die Islamisierung des Abendlands), die am 24. Februar durch Karlsruhe demonstrierten. | © Uli Deck/dpa

Bezeichnend ist die Bewertung von Konstantin Krylow, Befürworter eines nationaldemokratischen russischen Staates, der die europäischen Rechten für naiv und komplett uniformiert über die russische Realität hält; wahrscheinlich ist genau das die Voraussetzung für die Zusammenarbeit und funktioniert analog bei der Einbindung ausländischer »Linker«. Seine »Russische Gesellschaftliche Bewegung« (ROD) war ebenso vertreten wie die »Nationale Befreiungsbewegung« (NOD), die in Deutschland ihre Heimat bei den Reichsbürgern gefunden hat. Die NOD arbeitet beim russischen, gewaltbereiten »Antimaidan« mit der ebenfalls anwesenden Gruppe »Kampf für den Donbas« zusammen, die ihrerseits aus einem breiten Bündnis von eurasischen Dugin-Anhängern bis zu Mitgliedern der Organisation »Recht auf Waffe« besteht. Nach eigenem Bekunden arbeiten sie nur unterstützend an einem »Endsieg« in Noworossija.

miltschakowMit der Waffe in der Hand im Donbas machen das andere Gäste: Aleksej Miltschakow, ein notorischer Neonazi und Tierquäler, war auf Heimaturlaub in St. Petersburg. Unter dem Kampfnamen »Fritz«, führt er im Donbas die Gruppe »Russitsch« an, weswegen er es auf die Sanktionsliste der EU im Februar geschafft hat. Begleitet wurde er von seinem wortwörtlichen Kampfgefährten, dem norwegischen Neonazi Jan Petrovskij, der dadurch bekannt wurde, dass er vor den Leichen gefallener Ukrainer posierte.

Das Abzeichen von »Russitsch« ist das »Kolowrat«, das ungefähr so nahe am Hakenkreuz vorbeischrammt wie Miltschakows Aussage, er möge Hitler, aber mit Einschränkungen. Es soll an die Konferenzteilnehmer verschenkt worden sein.

Überreicht wurden auch Teilnehmer-Urkunden, hier exemplarisch die von Karl Richter, einem weiteren NPDler. Fifty shades auf brown halt, die keinen prinzipiellen Unterschied mehr machen.

Mindestens ein russischer Teilnehmer der braunen Veranstaltung sollte auch in Deutschland inzwischen bekannt sein: Stanislaw Byschok, Verfasser des Buches »Neonazis und Euromaidan«. Auch er war mal Mitglied bei »Rodina«, kommt aus der russischen Neonazi- und Rechtsextremisten-Szene und ist, wie seine Anwesenheit bei diesem Forum zeigt, dort mindestens noch bestens vernetzt und kein Aussteiger. U.a. die »junge Welt« und die »Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten« (VVN-BdA) bewarben letzten Sommer eine geplante Präsentation dieses Buches in Berlin mit ihm und seinem Co-Autor Kotschetkow, der eine ähnlich eindeutige Biographie hat.

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Stanislav Byschok (links), Aleksej Kotschetkow (Mitte), Milan von antikrieg.tv (rechts) bei der Vorstellung von “Neonazis & Euromaidan” am 7. Juli in Berlin

Menschen mit Landes-, Sprach- und Szenekenntnissen klärten damals im Vorfeld auf und dieser Termin wurde abgesagt. Eigentlich hatte der Berliner VVN-BdA sich damals davon distanziert, dass er zu dieser Veranstaltung eingeladen hatte und sich selbst »Dummheit und Unwissenheit« attestiert. Es hat nicht lange vorgehalten oder sich nicht weit herumgesprochen – Byschoks Unterschrift ist aktuell auf der »Stellungnahme von VVN BdA-Mitgliedern und anderen Antifaschisten mit dem Titel ‘Eine Neutralität im Ukrainekonflikt gibt es nicht’« zu finden.

Weiß beim VVN-BdA die linke Hand nicht, was die rechte tut? Oder ist die linke Hand die rechte und die erneute Zusammenarbeit mit Byschok symptomatisch für die generelle Kompetenz (oder eben Inkompetenz), Sachverhalte zu bewerten? Oder dürfen wir gar gespannt sein, wie lange es dauert, bis auch der bekannte »Antifaschist Voigt« den ersten VVN-BdA-Aufruf mitzeichnet?

Das Petersburger »Internationale Russische Konservative Forum« jedenfalls endete in einer gemeinsamen Resolution, Zusammenarbeit und Treffen sind geplant.

Artikel von: Die Kentrail-Verschwörung Facebook
Quelle: Die Kentrail-Verschwörung Facebook

Redigiert von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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