Westen vermasselt Putins Parade, Krise in der Ukraine fordert weiter Opfer – AFP

Bundeskanzlerin Angela Merkel (rechts) wird nicht an der Parade am 9. Mai auf dem Roten Platz teilnehmen, aber …

Bundeskanzlerin Angela Merkel (rechts) wird nicht an der Parade am 9. Mai auf dem Roten Platz teilnehmen, aber … 

Analytik und Meinungen, Meinung & Analyse, Politik, Russland

Artikel von: Anna Smolchenko, Olga Rotenberg
Quelle: AFP (yahoo news), 19. März 2015

Die westlichen Spitzenpolitiker werden Präsident Wladimir Putin die kalte Schulter zeigen, indem sie an der Parade auf dem Roten Platz am 9. Mai anlässlich des 70. Jahrestages des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland nicht teilnehmen.

Vor siebzig Jahren haben sie die Nazi-Truppen zerschmettert, aber die Spannungen in der Ukraine bedeuten für Russland, dass seine ehemaligen westlichen Verbündeten aus dem Weltkrieg der Kreml-Schaufeier zum Jubiläum des Sieges fernbleiben werden.

Während die wichtigsten westlichen Politiker Präsident Wladimir Putin bei der Parade am 9. Mai auf dem Roten Platz die kalte Schulter zeigen, macht die Gästeliste der wahrscheinlich erscheinenden Gäste – darunter der chinesische Präsident und der zurückgezogen lebende Führer Nordkoreas – deutlich, wie sich Moskaus internationales Ansehen verschoben hat.

Die Spitzenpolitiker Großbritanniens und Frankreichs nehmen nicht an den Veranstaltungen anlässlich des 70. Jahrestages des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland teil, und kaum jemand erwartet, dass US-Präsident Barack Obama zu den Feiern am 9. Mai kommen wird.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wird sich auch von den Hauptgedenkveranstaltungen auf dem Roten Platz absentieren, und Polen hält seine eigenen Gedenkfeiern ab.

Zu einem Zeitpunkt, an dem man die russische Konfrontation mit Washington und Brüssel auf einem historischen Tiefpunkt seit dem Kalten Krieg ansieht, sind die Moskauer Feierlichkeiten so etwas wie ein politischer Lackmustest, sagen Beobachter.

“Die Teilnahme an den Feierlichkeiten am 9. Mai in Moskau wäre eine Legitimation Putins und des Kremls durch den Zweiten Weltkrieg,” sagte die Politologin Lilia Schewzowa.

Die Sowjetunion verlor schätzungsweise 27 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg, wenngleich einige sagen, dass die Zahl noch höher sein könnte, und der Sieg in diesem Konflikt, der in Russland “der Große Vaterländische Krieg” genannt wird, bleibt ein herausragendes Element des Nationalstolzes im Land.

putin-mikroEine internationale Unterstützung bei den Feierlichkeiten zum Zweiten Weltkrieg würde einen enormen Schub für Putin bedeuten, dem auf dem G-20-Gipfel in Australien im November ein eisiger Empfang von Seiten der westlichen Politiker bereitet worden war.

Im Januar blieb er auch den Zeremonien in Polen anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Sowjetarmee demonstrativ fern.

“Schierer Wahnsinn”

In einer Sitzung unter Putins Vorsitz über die Vorbereitungen für die Russland-weiten Feierlichkeiten in dieser Woche sagte der Präsident, jeder Versuch, Russlands Rolle im Zweiten Weltkrieg zu schmälern, bedeute, ihm seine “moralische Autorität abzusprechen.”

“Gelegentlich hören wir den schieren Wahnsinn – es ist erstaunlich, wie die Menschen dazu kommen.”

Polen verärgerte Moskau, als sein Außenminister sagte, es seien ukrainischen Soldaten gewesen – und nicht die sowjetische Rote Armee – die Auschwitz im Jahre 1945 befreiten.

Der Kreml schob die zu erwartenden Absagen beiseite und betont weiterhin, dass die meisten Länder die große Symbolik der Gedenkfeiern verstehen.

Von den 68 eingeladenen Staatschefs sowie Chefs der UNO, des Europarats, der UNESCO und der EU haben 26 ihre Teilnahme bereits bestätigt.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras wird in Moskau erwartet

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras wird in Moskau erwartet

Zu den in Moskau erwarteten Gästen gehören der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras, der tschechische Präsident Milos Zeman und Nordkoreas Kim Jong-Un, der seit der Machtübernahme im Jahr 2011 seine erste Auslandsreise machen wird.

Die führenden Politiker aus Indien, Südafrika, der Mongolei, Kuba und Vietnam sowie einigen ehemaligen Sowjetstaaten haben ebenfalls ihre Teilnahme zugesagt.

In einer Kompromissgeste wird Merkel am 10. Mai Moskau besuchen.

In Russland wird der Tag des Sieges traditionell mit viel Pomp und Flair gefeiert, aber die diesjährige Feier wird in einer neuen Dimension stattfinden.

An mehr als 2,5 Millionen Veteranen werden Medaillen vergeben werden, und Märsche werden im ganzen Land und einigen ehemaligen Sowjetstaaten stattfinden.

Die Krönung der Feierlichkeiten besteht in einer Parade auf dem Roten Platz mit Soldaten in Uniformen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und mit Russland neuesten Waffen.

An der Parade werden Truppen aus mehr als 10 Ländern teilnehmen.

“In der Hoffnung, Russland zu bestrafen”

Der Sprachregelung des Kreml folgend sagten russische Analysten, dass die westlichen Politiker durch eine Nichtteilnahme an der Moskauer Parade ihre Respektlosigkeit für das ganze Land zum Ausdruck bringen.

“Sie hoffen, dadurch Russland zu bestrafen, und negieren den Tod von 27 Millionen Sowjetbürgern im Zweiten Weltkrieg,” sagte Wladimir Jewsejew, Direktor des ‘Public Political Studies Center’.

“Wenn Obama nicht kommt, ist das eine persönliche Angelegenheit von Herrn Obama,” sagte er. “Die Welt kann nicht davon abhängen, was Washington sagt.”

Aber auch einige derjenigen, die nicht vor Kritik am Kreml zurückscheuen, finden eine Absage offenbar leicht unappetitlich.

Der prominente Fernsehkommentator Wladimir Posner fragt, wie denn die Haltung Frankreichs, Großbritanniens und der USA zu dem dieswöchigen Marsch von lettischen Veteranen war, die auf der Seite Nazi-Deutschlands gekämpft hatten.

“Könnte denn bitte mindestens ein Politiker eine Erklärung zu diesem Thema abgeben? Und diejenigen verurteilen, die marschiert sind, und diejenigen, die ihnen applaudierten und ihre Aktionen förderten?”

Andere aber äußerten Verständnis für die zu erwartende Abwesenheit die westlichen Politiker, und beziehen sich dabei auf die Unterstützung Moskaus für die Separatisten in der Ukraine.

“Sie können nicht an Veranstaltungen mit militaristischem Unterton und mit marschierenden russischen Soldaten teilnehmen,” so Alexander Baunow, leitender Mitarbeiter am Moskauer Carnegie-Zentrum gegenüber AFP.

“Was hat die Erinnerung an den Krieg damit zu tun?” fügte der politische Beobachter Anton Orech hinzu.

“Warum sollten wir das Schicksal des sowjetischen Volks und der Millionen von Opfer für den Sieg mit denen gleichsetzen, die jetzt den Kreml besetzen?”

Artikel von: Anna Smolchenko, Olga Rotenberg
Quelle: AFP (yahoo news), 19. März 2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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