Glückwunsch: Erster Student mit Down-Syndrom in der Ukraine

Bohdan Krawtschuk aus Luzk, Wolhynien

Bohdan Krawtschuk aus Luzk, Wolhynien 

Empfehlung, Kultur, Menschenrechte, Nachrichten, Soziales

Artikel von: Marija Martinjuk
Quelle: visnyk.lutsk.ua
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 24.3.2015

Der 19-jährige Bohdan Krawtschuk aus Luzk in der Westukraine ist Student im ersten Jahr an der Fakultät für Geschichte der Osteuropäischen Nationalen Lesja-Ukrainka-Universität.

Bohdans Mutter Jewhenia Kinach hatte schon lange ein Kind gewollt, und es stand absolut außer Frage, dass sie ihr Baby, das mit einem Down-Syndrom geboren wurde, nicht behalten wollte. Bohdans Name erinnert an den Hetman Bohdan Chmelnyzkyj, und er wurde von seinem Großvater Wassyl Krawtschuk, einem bekannten ukrainischen Urologen, ausgewählt. Er war es, der Bohdans Liebe zur Geschichte geweckt hat. Anstatt Märchen erzählte man ihm wahre Geschichten über die Kosaken und über den Holodomor (künstliche Hungersnot von 1932-1933).

Als Bohdan war etwas mehr als ein Jahr alt war, stellte Olena Hretschanina, Mitglied der Akademie der Wissenschaften von Charkiw, die seit Jahrzehnten mit Kindern mit Down-Syndrom arbeitet, bei einer Untersuchung Bohdans fest, dass nicht alle Zellen betroffen waren und dass, wenn sie mit ihm therapeutisch arbeiten würde, dies einen positiven Effekt haben könnte. “Er wird früher lesen lernen als zu sprechen.” Damals lachte Bohdans Mutter nur darüber, und doch, genau trat ein. “Als er vier war, kannte mein Sohn schon alle Hauptstädte der Welt, obwohl er immer noch nicht seine Schnürsenkel binden konnte.”

Seine höhere Schulbildung absolvierte er in einem Reha-Bildungszentrum. Er hatte große Probleme mit den exakten Wissenschaften, aber er konnte stundenlang über Geschichte reden. Als Jewhenia vorschlug, er solle das Abitur extern machen , hatte sie zu keinem Zeitpunkt erwartet, dass er es schafft. Er entschied sich für Geschichte als Hauptfach, und er brauchte ein wenig Nachhilfe, bestand es aber.

Das war noch nicht das Ende der Schwierigkeiten, denn die zuständigen Behörden weigerten sich, eine eine Bescheinigung über seine Arbeitsfähigkeit auszustellen, ohne die er nicht an einer Universität angenommen werden konnte.

Dankenswerterweise schaltete sich seine ehemalige Tutorin ein, die jetzt als Journalistin tätige Olesja Bondaruk. Sie zwang die Ärzte, alle Voraussetzungen zu überprüfen und fand auch eine einschlägige Entscheidung des Ministerkabinetts, derzufolge junge Menschen mit Down-Syndrom ein Recht auf höhere Bildung haben. Bohdans Mutter sagt, ohne Olesja hätte sie schon längst aufgegeben.

Bohdan studiert jetzt als externer Student, und seine Mutter sagt, dass seine Kommilitonen und Dozenten in ihrem Verhalten ihrem Sohn gegenüber absolut in Ordnung sind. Natürlich will er kein Musterschüler sein, aber er zeigt schon recht gute Ergebnisse.

Artikel von: Marija Martinjuk
Quelle: visnyk.lutsk.ua
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 24.3.2015

Bild: visnyk.lutsk.ua
Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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