Lange Haftstrafe für rücksichtsloses und mörderisches Vorgehen von “Anti-Pädophilen” in Odessa

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Menschenrechte, Nachrichten, Politik, Soziales

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 26.3.2015

Sieben Jahre Haft bekam der 19-jährige Bandenchef einer Gruppe von “Verfolgern von Pädophilen”, die einem ihrer Opfer tödliche Verletzungen zugefügt hatten. Die Selbstjustizbande hatte sich analog zu der zuerst von dem russischen ehemaligen Neonazi-Skinhead Maxim Marzinkewitsch [alias “Tesak” oder “Hatchet”] gegründeten und berüchtigten kriminellen Bande “Оккупай-педофиляй” (“Occupy-Pedophiles”) organisiert und in der Ukraine verbreitet.

Am 24. März verurteilte ein Gericht in Odessa den 19-jährigen Anführer der Bande “Модный приговор” (in etwa: “Modisches Urteil”), dessen Mitglieder auf seine Initiative hin Menschen auf Dating-Webseiten mit Interesse an minderjährigen Mädchen gesucht hatten. Sie beauftragten ein ihnen bekanntes Mädchen, sich zu einem Treffen mit einem Mann am 22. Okt. 2014 zu verabreden. Statt des Mädchens warteten am vereinbarten Termin auf den Mann etwa zehn Mitglieder dieser Bande. Sie umringten den Mann und zwangen ihn zuzugeben, dass er ein Pädophiler sei, und verübten verschiedene erniedrigende Handlungen an ihm. Der jetzt Verurteilte schlug ihm mit der Faust vor die Brust, um ihn auf die Knie zwingen, und gab ihm dann mehrere Schläge auf den Kopf und ins Gesicht. Danach ließen sie ihn einfach liegen. Das Opfer wurde ins Krankenhaus gebracht, starb aber vier Tage später an seinen Verletzungen.

Es war leider schon lange bekannt, wie gefährlich dieses Verhalten vermeintlicher Selbstjustiz war, ebenso wie schon lange Grund zur Besorgnis über das Versagen der Behörden bestand, die darauf nicht reagierten. Wie berichtet, hatte der russische Bürger Marzinkewitsch – nach einer sehr wechselvolle Karriere als Boss einer Skinhead-Gruppe – die Jagd auf Menschen begonnen, die er als “Pädophile” bezeichnete.. Seine erste kriminelle Bande war für einige erschütternde Videoclips verantwortlich, darunter auch eine “Hinrichtung” in einem Wald in der Moskauer Region, bei dem es sich möglicherweise um eine tatsächlich begangene Tötung eines Wanderarbeitnehmers handelte. Marzinkewitsch kam nach drei Jahren in einem russischen Gefängnis wegen Anstiftung zu rassistisch motivierter Gewalt unversehrt mit seiner Neonazi-Ideologie wieder frei, änderte aber die Zielgruppe. Seine neue Organisation “Occupy-Pedophiles” («Оккупай-педофиляй») war im Grunde der Prototyp für die oben genannte Selbstjustiz-Taktik in Odessa, obwohl diese Bande besonders berüchtigt war, weil sie homosexuelle Opfer in die Falle lockte und dann “Umerziehung” (mit Fäusten oder schlimmer) praktizierten. Im Jahr 2013 berichtete GayStarNews, dass ein homosexueller Teenager in Russland starb, nachdem er von der Bande Marzinkewitschs entführt und gequält worden war.

Im Jahr 2013 gab es dann erste Anzeichen dafür, dass die russischen Behörden für innere Angelegenheiten schließlich gegen die “Occupy-pedophiles” in Russland vorzugehen begannen, aber zu diesem Zeitpunkt hatten sich Marzinkewitschs Vorgehen und seine Anhänger bereits in der Ukraine verbreitet. Etwa zwei Jahre lang hat die Polizei nichts unternommen, obwohl ähnliche Gruppen in Odessa, Mykolajiw und den Städte Kertsch und Jalta auf der Krim auftauchten.

Es war ein großer Erfolg im Juli 2013, als der Polizeichef von Mykolajiw, Oleh Schewtschuk die von diesen Selbstjustizbanden begangenen “gesetzlosen Exzesse” verurteilte und dazu riet, sich statt dessen in Fragen der Identifizierung von als “Pädophilen” verdächtigten Personen an die Polizei zu wenden. In anderen Städten, u.a. Odessa, schaute die Polizei in solchen Fällen lieber weg, in denen junge Menschen – Jungen oder Mädchen – als “Köder” Männer zu Verabredungen zum Sex anlockten. Statt der erwarteten Jungen oder Mädchen trafen die Männer (darunter einige selbst sehr junge) auf eine Gruppe von  kräftig gebauten Bodybuildern, die ihre Fäuste benutzten, um sie “umzuerziehen”, sie zu zwingen, ihren eigenen Urin zu trinken etc., wobei all dies gefilmt und dann ins Internet gestellt wurde. Das war eine gefährliche Tendenz für angebliche “Anti-Pädophilie”-Gruppen, die sich so zu einer Front für die Verfolgung von Homosexuellen entwickelten.

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 26.3.2015

Bild: Tihonsky TV
Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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