Nicht eingeplant am Tag des Sieges: die Veteranen

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26. März 2015 • Analytik und Meinungen, Empfehlung, Meinung & Analyse, Nachrichten, Politik, Russland, Soziales

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 25.3.2015

Veteranen, die geholfen haben, den Krieg gegen Nazi-Deutschland zu gewinnen, werden bei der Parade zum siebzigsten Jahrestag des Kriegsendes nicht willkommen sein. Wie der stellvertretende Bürgermeister von Moskau, Leonid Petschatnikow behauptet, können sie „wegen spezieller Sicherheitsmaßnahmen“, die an diesem Tag in Kraft treten, nicht anwesend sein.

Kommersant berichtet, dass aus jeder Region, abgesehen von Moskau, nur je ein Veteran eingeladen wurde, an den diesjährigen Events zum 9. Mai teilzunehmen. Sollten andere betagte Veteranen, die einst das Land verteidigten, auf die Idee kommen, uneingeladen nach Moskau zu kommen, werden sie an den Bahnhöfen abgefangen und, kostenfrei in die Klinik für Atemwegsbeschwerden in Swenigorod (Region Moskau) geschickt.

Die Stadtverwaltung hat bereits eine beträchtliche Anzahl von Briefen von Veteranen erhalten, die um Hilfe baten, zur Parade zu kommen. Jedoch sind sie „außerhalb der Quote, die jeder Region zugeteilt wurde“, und so wird es ihnen nicht erlaubt werden, teilzunehmen. Es werden ungefähr insgesamt 5.000 Gäste bei der Parade anwesend sein, aber letztes Jahr wurden lediglich 400 Einladungen an Veteranen verschickt. Somit werden die meisten der Anwesenden keine Veteranen sein. Es werden auch nicht viele ausländische Staatschefs anwesend sein, da sich die meisten entschieden haben, angesichts der Aggression Russlands gegen die Ukraine nicht teilzunehmen.

Kommersant wurde von einem Sprecher der Veteranenvereinigung von Nischnij Nowgorod gesagt, dass die meisten Veteranen, wegen ihres fortgeschrittenen Alters und ihres Gesundheitszustandes, nicht einmal versuchten würden, nach Moskau zu gelangen. Das mag für viele Veteranen richtig sein, von denen ja viele 88 oder älter sind, doch es gibt auch viele, die gerne teilnehmen würden, und denen man zu verstehen gegeben hat, dass ihre Gegenwart nicht willkommen ist.

Dies steht in starkem Kontrast zur Zeremonie, die am 27. Januar 2015 den siebzigsten Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau markiert hat. Dort waren es die Überlebenden, die Gehör fanden, nicht die Politiker. Etwa 300 ehemalige Gefangene der polnischen Nazi-Todeslager außerhalb Auschwitz’ nahmen teil, und die gesamte Veranstaltung war auf sie ausgerichtet.

Es ist wahrscheinlich, dass der russische Präsident Wladimir Putin unter keinen Umständen an einem weiteren Ereignis teilnehmen wollte, wo er riskierte, von anderen europäischen Führern vor den Kopf gestoßen zu werden [Anm. d. Übers.: wie auf dem G20-Gipfel in Australien].

Moskau wollte jedoch die Sprachregelung durchsetzen, dass „Putin nicht eingeladen wurde“, und es war auch viel Publikum in anderen Ländern verärgert über die angebliche „Kränkung“.

Doch es gab keine. Nicht ein einziger Politiker hatte eine namentliche Einladung erhalten – die Länder wurden schlicht informiert und gefragt, wer denn teilnehmen wolle. Politische Motive dafür können nicht geleugnet werden, doch waren sie sehr zielgerichtet: Die Entscheidung, auf politische Reden zu verzichten, war von der Leitung des Auschwitz-Birkenau-Museums in voller Übereinstimmung mit dem internationalen Auschwitz-Komitee gefällt worden – kurz nachdem das malaysische Verkehrsflugzeug MH-17 am 17. Juli 2014 durch vom Kreml unterstützte Militante abgeschossen worden war.

Da Russland sowohl auf dem Schlachtfeld als auch an der Propagandafront einen unerklärten Krieg führt, war es primär notwendig, zu verhindern, dass der Jahrestag für politische Ziele benutzt wurde. An diesem Tag sollten die Politiker schweigen.

Die Mitglieder des Komitees waren sich bewusst, dass das diesjährige Gedenken höchstwahrscheinlich der letzte „runde“ Gedenktag gewesen sein wird, an dem die meisten der Überlebenden anwesend sein konnten.

Das gleiche gilt für die Parade in Moskau am Tag des Sieges. Es war bereits schwierig, sich diesen Tag des Sieges vorzustellen, zu einer Zeit, in der Russland einen unerklärten Krieg gegen die Ukraine führt und Frieden, Recht und Gesetz in Europa bedroht. Er wird jedoch zu einer monströsen Travestie, wenn die, die gekämpft und ihr Leben riskiert haben, mit solch abgrundtiefer Respektlosigkeit behandelt werden.

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 25.3.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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