Über Fahnen und Veteranen – Kaliningrad

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27. März 2015 • Nachrichten, Politik, Russland

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 26.3.2015

Während drei russische Staatsbürger sich einer siebenjährigen Gefängnisstrafe gegenübersehen, da sie die Veteranen des Zweiten Weltkriegs beleidigt haben sollen, ergreift Moskau Maßnahmen, um sicherzustellen, dass den betagten Veteranen, die geholfen haben, den Krieg zu gewinnen, nicht erlaubt wird, an der Siegesparade auf dem Roten Platz zum siebzigsten Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg teilzunehmen.

Der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen drei Männer, die seit letzten März in Haft sind, da sie eine Fahne auf der Garage des FSB-Gebäudes plaziert hatten, um friedlich gegen die russische Okkupation der Krim zu protestieren, fand am 24. März statt.

Wie berichtet, hatten Michail Feldman, Oleg Savvin und ein Moskauer Freund versucht, Russlands Doppelstandards aufzuzeigen, die erlauben, dass russische Fahnen über einem Teil der Ukraine gehisst werden, während das Hissen einer ausländiischen Flagge über russischem Gebiet als Verbrechen behandelt wird.

Laut Anklageschrift wird den Männern eine „flagrante Verletzung der öffentlichen Ordnung und die Demonstration offener Respektlosigkeit aus Motiven politischen Hasses sowie Feindseligkeit und Hass gegenüber einer sozialen Gruppe“ vorgeworfen. Sie wurden angeklagt, „die Gefühle und politische Orientierung der russischen Bürger und die Gefühle der Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges sowie das Gedenken an die Toten des Großen Vaterländischen Krieges verletzt und verunglimpft“ zu haben.

Das Gericht befragte Fonarew, der erklärte, er habe eine außer Frage stehende positive Haltung zu den Veteranen und betrachte sie als Helden. Er wies alle Anklagepunkte zurück und sagte, er sei in keiner radikalen Organisation, rufe nicht zum Hass auf, habe keine Hooligan-Handlungen begangen und habe auch nicht vor, irgendjemanden zu verletzen.

Dmitri Dinze, Feldmans Rechtsanwalt führte aus, die Staatsanwaltschaft keinerlei Expertengutachten präsentiert habe, und dass es vollkommen unklar bleibe, wessen die drei eigentlich angeklagt seien. Feldman und Savvin sollen am 30. Und 31. März befragt werden. Mehr Einzelheiten über den Fall finden sich hier.

Währenddessen in Moskau

Die Verhandlung gegen die drei jungen Männer, die friedlich ihre Ansicht über Russlands Invasion der Krim ausdrücken wollten, findet jetzt statt, wo der siebzigste Jahrestag des Krieges gegen Nazideutschland herannaht.

Vergangene Woche erfuhr man, daß aus jeder Region, abgesehen von Moskau, nur jeweils ein Veteran eingeladen worden sei, an den Ereignissen am Tag des Sieges teilzunehmen. Kommersant berichtet, daß aus jeder Region, abgesehen von Moskau, nur je ein Veteran eingeladen wurde, an den diesjährigen Events zum 9. Mai teilzunehmen. Sollten andere betagte Veteranen, die einst das Land verteidigten, auf die Idee kommen, uneingeladen nach Moskau zu kommen, werden sie an den Bahnhöfen abgefangen und, kostenfrei in die Klinik für Atemwegsbeschwerden in Zvenigorod (Region Moskau) geschickt.

Weitere Informationen hierzu im Artikel „Nicht eingeplant am Tag des Sieges: die Veteranen“

Die drei Männer, die eine deutsche Flagge hissten, taten das in friedlichem Protest. Die Anklage, der zufolge sie das Gedenken für die Gefallenen und die Gefühle derer, die nach Hause zurückgekehrt sind, verletzt haben sollen, ist absurd. Sie ist auf monströse Weise zynisch, wenn gleichzeitig diejenigen, die gekämpft und ihr Leben riskiert haben, mit solch abgrundtiefer Respektlosigkeit behandelt werden.

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 26.3.2015

Bild: openrussia.org, https://openrussia.org/post/view/3737/
Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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