Propaganda tötet: “Aufstand der Massen” in Odessa fürs russische Fernsehen inszeniert

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29. März 2015 • Nachrichten, Politik, Unsortiert

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 28.3.2015

Da offensichtlich alle Versuche, in Odessa echte Unruhen und Proteste zu verursachen, auf hartnäckigen Widerstand getroffen sind, ist man dazu übergegangen, orchestrierte Kundgebungen zu inszenieren, bei denen die Teilnehmern offensichtlich Geld dafür erhalten, dass sie Banner schwenken, »Repression« schreien; Straßenblockaden errichten und Autos umwerfen. Es gibt jedoch einen feinen Unterschied zwischen den Inszenierungen und ernsten Provokation mit möglicherweise tragischen Konsequenzen, und sowohl die Polizei als auch Aktivisten der Zivilgesellschaft in Odessa verfolgen die Lage sehr sorgfältig.

Am 19. März blockierte eine Gruppe von jungen Menschen die Ilf-und-Petrow-Straße, warfen ein Auto um und machten großen Lärm, während die Kamera in Großaufnahme von Banner zu Banner schwenkte, auf allen waren Beschriftungen mit Beschwerden über Repression, Verstöße gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung usw.

Dieses Video

odessa-aufstandwurde vom Kreml-Sender Rossiya-24 ausgestrahlt. Dem Sender waren aber die Außenbezirke nicht gut genug, deswegen verlegte er den “Protest” kurzerhand in die Stadtmitte von Odessa. Die Polizei bestritt, dass es überhaupt irgendwelche Unruhen gegeben habe, und bezeichnete das Video als Fake. Die  pro-ukrainische Bürgerinitiative Oberih stellte dann aber eigene Untersuchungen an. Diese ergaben, dass das Ereignis tatsächlich um 7.30 Uhr morgens stattgefunden hatte, als die meisten Bewohner von Odessa gerade erst wach wurden, und nur etwa 20 Minuten dauerte. Die Teilnehmer, behauptet Oberih, kamen vor allem aus der Umgebung von Odessa, nur eine Handvoll aus der Stadt selbst. Es gab zwei Busladungen voll Teilnehmern, einer der Busse war jedoch von der Verkehrspolizei angehalten worden. Es nahmen rund 40 Personen teil, von denen viele bei einem weiteren Vorfall am 21. März auf dem Soborna-Platz fotografiert wurden.

Am selben 19. März berichtet Oberih, man habe “einen weiteren Versuch aufgedeckt und verhindert, eine Szene für die Propagandamedien zu erstellen”. Rund 60 Studenten versammelten sich auf dem Soborna-Platz, stiegen in einen Bus und fuhren los, um ein Video zu machen. Einige der Studenten sagten gegenüber Oberih-Mitgliedern, dass ihnen 50 Hrywnja (knapp 2 €) versprochen worden waren. Oberih deutet an, dass diejenigen, die den Stunt bestellt hatten, tatsächlich aber bereit waren, bis zu 500 Hrywnja (ca. 19,50 €) pro Person zu zahlen.

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Oberih berichtet auch, die Dumskaja.net habe – belegt mit Bildern – geschrieben, dass die Teilnehmer der von Oberih [am 19. März] verhinderten Kundgebung und bei der “Veranstaltung” am 21. März auf Soborna-Platz dieselben waren.

Oberih betont, es sei wichtig herauszufinden, wer die Organisatoren sowie die Auftraggeber dieser Stunts sind. Sie bitten die Öffentlichkeit, ihnen Informationen darüber zukommen zu lassen.

Die Polizei nimmt die Situation inzwischen ernst. Dumskaja.net berichtete, dass am 25. März ein ähnliches Kunststück versucht wurde, dieses Mal auf der Pasteur-Straße, wobei sechs Personen in Haft genommen wurden. Wolodymyr Schablijenko, der Pressesprecher der Regionalpolizei, sagte, dass mit diesen “Pseudo-Demonstrationen” ein negatives Bild für das russische Fernsehen gestellt werden sollte. Nach Angaben der Polizei und des SBU [Sicherheitsdiensts] fand ein ähnliches Szenario statt, wobei die Straße blockiert und ein Auto umgeworfen werden sollte. Schablijenko sagt, dass man den gemieteten Studenten 150 UAH (ca. 5,80 €) zahlte.

Er warnt die Menschen, vor allem Studenten, davor, sich auf diese Weise ein wenig Geld zu verdienen. Solche Handlungen werden als ein Versuch angesehen, Massenunruhen zu schüren. Nach Artikel 294 des Strafgesetzbuches steht darauf zwischen fünf und acht Jahren Haftstrafe. Wenn dabei Menschen getötet werden, dann ist dies mit Freiheitsstrafe bis zu 15 Jahren strafbar. “Denken Sie daran, bevor Sie solche unseriösen Angebote akzeptieren.”

Im Laufe des vergangenen Jahres wurden eine Vielzahl von Fälschungen auf russischen Propaganda-Kanälen aufgedeckt, in den westlichen Medien machte man sich häufig darüber lustig. Es ist elf Monate her, seit eine Gruppe von pro-russischen Aktivisten eine völlig friedliche pro-ukrainische Demonstration im Zentrum von Odessa angriff. Die daraus resultierenden Unruhen am 2. Mai und das Feuer im Gewerkschaftshaus auf dem Kulikowo-Polje-Platz kosteten das Leben von 48 Menschen. Dies wurde aber in einer ungeheuren Propagandakampagne Russlands ausgeschlachtet, derzufolge pro-russischen Aktivisten vorsätzlich bei lebendigem Leibe verbrannt worden seien. Dies wiederum wurde in der russischen “Kriegstreiberei-Propaganda” (und der vom Kreml unterstützten Milizen) genutzt, um Kämpfer für ihren unerklärten Krieg im Donbas zu rekrutieren.

Propaganda tötet, und es gibt keinen Grund für die Behandlung solcher Fälschungen und Propaganda-Stunts mit Humor.

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 28.3.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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