Russische Motorradgang will Fehler in einem finnischen Film über den Winterkrieg korrigieren

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1. April 2015 • Empfehlung, Nachrichten, Politik, Russland

Artikel von: Riitta Raatikainen
Quelle: Savon Sanomat 1.4.2015

Logo des russischen Motorradclubs "Nord Nation" aus Petrosawodsk

Logo des russischen Motorradclubs “Nord Nation” aus Petrosawodsk

Ein Kurzfilm in der Ausstellung “Raateen Portti” (Landstraße nach Raate) über die Winterkriegsschlacht bei Suomussalmi hat im [jetzt russischen] Karelien eine überraschende Aufmerksamkeit bekommen. Die Webseite “Venäjän ääni” (Голос России, “Stimme Russlands”) berichtet, dass Mitglieder der Motorradvereinigung “Nord Nation” aus Petrosawodsk (finnisch: Petroskoi) helfen wollen, “Fehler” in dem finnischen Film zu korrigieren. Nach ihrer Ansicht enthält der erwähnte Film falsche Informationen unter anderem über die Rote Armee.

Nach Angaben des Ausstellungsdirektors Pekka Lehtosaari wurde der 15-minütige Film im vergangenen Jahr fertiggestellt. Es wurde von der Gemeinde Suomussalmi in Auftrag gegeben und stellt das Geschehen an der Landstraße nach Raate im Winterkrieg dar. Anfang Januar 1940 verlor die Sowjetunion die Schlacht gegen die Finnen, bei der schätzungsweise bis zu 20.000 Soldaten starben.

Mitglieder des russischen Motorradclubs "Nord Nation" zu Besuch in Finnland

Mitglieder des russischen Motorradclubs “Nord Nation” zu Besuch in Finnland

Mitglieder des Motorradlubs waren im März Teil einer Delegation der Karelisch-Finnischen Gesellschaft, die die Gedenkstätte für den Winterkrieg in Suomussalmi aus Anlass der Beendigung des Krieg vor 75 Jahren besuchte.

Der finnischsprachige Dienst von Stimme Russlands sagt, bestimmte Interpretation des Winterkrieg-Films hätten für den Vorsitzenden des Motorradclubs “schrecklich geklungen”. “Die Mitglieder des Motorradclub sowie andere öffentliche Organisationen bieten dem finnischen Museum russische Hilfe für die Korrektur von Ungenauigkeiten in den Informationen an,” fügt “Venäjän ääni” hinzu.

Museumsdirektor Pekka Lehtosaari erklärt, dass der Film auf historischen Tatsachen beruht, die schon viele Male überprüft wurden.

“Ich habe diese Art von Reaktion nicht erwartet. Allerdings habe ich zweieinhalb Jahre selbst in Russland gelebt  und weiß, dass – vor allem in der aktuellen politischen Lage – alles möglich ist,” sagt Lehtosaari.

Denkmal für die Opfer der 44. ukrainischen Division in Suomussalmi

Denkmal für die Opfer der 44. ukrainischen Division in Suomussalmi

Er freue sich auf den Nachweis der angeblichen Fehler in dem Film.

“Ich habe nichts dagegen, wenn tatsächliche Fehler korrigiert werden. Die Tatsache, dass eine Kriegsphase für Russen “schrecklich klingt,” macht das noch nicht zu einer falschen Information”, sagt Lehtosaari.

Nach dem Bericht von “Stimme Russlands” haben die Biker vor allem Informationen beanstandet, denen zufolge ukrainische Soldaten an der Schlacht beteiligt waren. Zu den Ungenauigkeiten sei es gekommen, weil die Finnen Falschinformationen von “ukrainischen Beamten einer Delegation, die das Museum im Jahr 2014 besuchte,” aufgesessen seien.

Blick in die Ausstellung der Gedenkstätte Raatteen Portti

Blick in die Ausstellung der Gedenkstätte Raatteen Portti

Lehtosaari sagt, die Aussage sei Unsinn. Er sei für das Film-Skript alleine verantwortlich.

Ein großer Teil der Opfer in den Reihen der Roten Armee an der Straße nach Raate waren Ukrainer. Sie gehörten der 44. Motorisierten Schützendivision an, die ganz Finnland besetzen und Finnlands Verkehrsverbindungen nach Schweden abschneiden sollte. Den Finnen war es jedoch gelungen, die Entsatzkräfte der sowjetischen Armee zu blockieren, und die schlecht für den Winter ausgerüsteten Abteilungen wurden nahezu vollständig zerstört.

Für Suomussalmi kommen die russischen Bemühungen, die Geschichtsschreibung zu korrigieren, als völlig neuer Sachverhalt. Der ehemalige Bürgermeister und beim Aufbau des Museums von Raatten Portti aktive Timo A. Säkkinen sagt, dass es während des Besuchs keine Anzeichen in dieser Richtung gegeben habe.

Zu den Gastgebern bei dem Besuch gehörte neben ihm auch die gegenwärtige Bürgermeisterin von Suomussalmi, Asta Tolonen. Das Winterkriegsmuseum Raatten Portti ist im Besitz der Gemeinde.

“Die Nachbarn haben ihre eigene Wahrheit, aber wir halten uns an unsere,” versichert Säkkinen.

Artikel von: Riitta Raatikainen
Quelle: Savon Sanomat 1.4.2015

Übersetzt von: Klaus H. Walter
Redigiert von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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