Neustart für das ukrainische Fernsehen ohne Russland – Gesetz über russische Filme tritt in Kraft

Der beliebte russische Schauspieler Michail Poretschenkow schießt am 30. Oktober 2014 aus einer Gefechtsstellung der Separatisten auf ukrainische Soldaten. Poretschenkows Schüsse wurden von NovoRos-TV ausgestrahlt, dem Fernsehsender der von Russland unterstützten Separatisten in der östlichen Ukraine. Der Sicherheitsdienst der Ukraine hat Poretschenkow aufgrund der Aufnahmen zur Fahndung ausgeschrieben. © NovorossiaTV.com

Der beliebte russische Schauspieler Michail Poretschenkow schießt am 30. Oktober 2014 aus einer Gefechtsstellung der Separatisten auf ukrainische Soldaten. Poretschenkows Schüsse wurden von NovoRos-TV ausgestrahlt, dem Fernsehsender der von Russland unterstützten Separatisten in der östlichen Ukraine. Der Sicherheitsdienst der Ukraine hat Poretschenkow aufgrund der Aufnahmen zur Fahndung ausgeschrieben. © NovorossiaTV.com 

2. April 2015 • Unsortiert

Artikel von: Yuliana Romanyshyn
Quelle: KyivPost 2. April 2015

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat am 2. April ein Gesetz unterzeichnet, das die Ausstrahlung von russischen Filmen im Fernsehen teilweise verbietet. Das Gesetz, das im Parlament sechs Monate lang überarbeitet und beraten wurden, lässt den Sendern zwei Monate Zeit, die jetzt verbotenen Inhalte zu ersetzen.

Das Gesetz enthält drei Verbotskomplexe:

Der erste verbietet Filme und Fernsehserien und -programme, die nach dem 1. August 1991 hergestellt wurden und die Regierung, das Militär, die Strafverfolgungsbehörden und andere Justizbehörden des Aggressorstaates … verherrlichen”.

Der zweite ist ein Verbot aller russischen Filme, die nach dem 1. Januar 2014 hergestellt wurden, fast zwei Monate vor der russischen Invasion auf der ukrainischen Halbinsel Krim.

Die dritte Maßnahme verbietet die Ausstrahlung von Filmen mit Schauspielern, die durch ihre Aktionen und öffentlichen Aussagen eine Bedrohung der nationalen Sicherheit darstellen. Die Liste solcher Schauspieler wird von einer besonderen Kommission der staatlichen Filmagentur der Ukraine erstellt und veröffentlicht.

Sowjetische Filme werden weiterhin wie in der Vergangenheit ausgestrahlt werden, um zu vermeiden, das nostalgisch geprägte ältere Publikum zu verärgern.

“Ich möchte allen gratulieren, denn von nun an wird die russische Propaganda, die unsere Geschichte verfälscht und den Aggressor verherrlicht, von unseren Bildschirmen verschwinden,” schrieb Parlamentspräsident Wolodymyr Hrojsman auf seiner Facebook-Seite am 18. März nach der Unterzeichnung der Gesetzesvorlage.

Das Gesetz kann jedoch zu Schwierigkeiten für die Fernsehgesellschaften führen. Laut einer Untersuchung der zivilgesellschaftlichen Organisation Widsitsch, senden drei Kanäle – NTN, Ukraina und Inter – 10 bis 12 Stunden pro Tag Inhalte auf Russisch. Sie und andere stehen jetzt vor dem Problem, Inhalte suchen zu müssen, die die Lücken füllen und ihre Beliebtheit bei den Zuschauern erhalten.

Der ukrainische Parlamentsabgehordnete Mykola Knjaschytzkij, der den Gesetzentwurf mit anderen entworfen hat und Gründer des Fernsehsenders Espresso ist, sagte der KyivPost, dass die russischen Filmproduktionen relativ einfach durch billigere amerikanische oder europäische ersetzt werden können. Seiner Meinung nach überlebten die Kanäle mit hauptsächlich russischen Inhalten lediglich durch Geld von Oligarchen und auf Grund eines wirklichen Bedarfs seitens der Zuschauer.

Eine zunehmend patriotischere Haltung unter den Ukrainern hat die Vorlieben der Zuschauer verändert. Im Jahr 2014 kostete eine Episode einer russischen Fernsehserie 60.000 bis  80.000 US-Dollar, sagte der Direktor von StarLightMedia, Wolodymyr Borodjanskij der Nachrichten-Webseite Liga.Business. Dies ist inzwischen auf 15.000 bis 30.000 US-Dollar gesunken. StarLightMedia ist eine Medien-Holding des Milliardärs Wiktor Pintschuk, zu der die Sender Nowyj Kanal, ICTV und STB gehören.

Aber amerikanische und europäische Fernsehprogramme sind immer noch billiger und kosten nur zwischen 5.000 und 10.000 US-Dollar pro Episode, sagte Konstjantyn Strjukow, der Chef der Werbeagentur Vizeum, wie Forbes.ua ihn zitiert.

Dies könnte der Ukraine einen Schub geben in Bezug auf eine Veränderung im Fernsehmarkt, sich zukünftig weniger bei russischen sondern häufiger bei westlichen Anbietern zu bedienen und außerdem die Produktion und Ausstrahlung von mehr Eigenproduktionen fördern.

Wjatscheslaw Kyrylenko, der stellvertretende Ministerpräsident und Kulturminister hat mit Verhandlungen mit polnischen Filmemachern wie Krzysztof Zanussi begonnen, um von den Erfahrungen bei der Reformierung des polnischen Fernsehens zu profitieren.

“Der Staat wird seinerseits diejenigen Kanäle unterstützen, die in eigene Produktionen investieren,” sagte Milan Lelitsch, Kyrylenkos Pressesprecher.

Artikel von: Yuliana Romanyshyn
Quelle: KyivPost 2. April 2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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