Weitere Beweise gegen die hetzerischen Lügen über den 2. Mai in Odessa

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13. April 2015 • Empfehlung, Nachrichten

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 10.04.2015

Wichtige Untersuchungsergebnisse über das Feuer im Gewerkschaftshaus am 2. Mai 2014 zeigen wieder einmal den ganzen Zynismus der russischen Propagandamaschinerie in ihrem Versuch, Hass und Begierden durch Lügen über das Massaker an diesem Tag zu schüren.

Der Großteil der Falschinformation und der vorsätzlichen Lügen über die tragische Konfrontation zwischen pro-ukrainischen Aktivisten und Föderalismus-Befürwortern am 2. Mai 2014 in Odessa betreffen das Feuer im Gewerkschaftshaus am Kulikowo Polje, bei dem 42 Menschen ums Leben kamen. Behauptungen, dass es sich dabei um ein ‚Massaker von ukrainischen Radikalen‘ gehandelt habe, bei dem Überlebende zu Tode geprügelt worden seien, erschienen von Anfang an in den russischen Medien und wurden seither immer gnadenlos forciert. Diese Darstellung der Ereignisse ist nachweislich falsch und macht die Unfähigkeit der ukrainischen Behörden, eine effiziente und transparente Ermittlung durchzuführen, besonders frustrierend.

Wenn die Behörden gegenüber der negativen Wirkung dieser Untätigkeit blind erscheinen, so ist es die Gruppe 2. Mai nicht. Diese Bürgerinitiative mit Vertretern beider Seiten des Konfliktes entstand bald nach der Tragödie. Sie arbeitet unermüdlich daran, Beweise zu untersuchen, mit Zeuginnen und Zeugen und den Familien der Opfer zu sprechen, um einwandfrei festzustellen, was tatsächlich geschehen war.

Gruppenmitglied Wladislaw Balinski, ein Biochemiker, hat vor kurzem weitere wichtige Informationen über das Feuer veröffentlicht. Das ergänzt seine früheren Untersuchungsergebnisse, die die Behauptung, dass Befürworter des Föderalismus vor wütenden ‚radikalen Faschisten‘ in das Gewerkschaftshaus geflohen seien, ernsthaft in Frage stellt. Nach dieser Version haben ‚die Radikalen‘ anschließend das Gebäude in Brand gesetzt und diejenigen, denen die Flucht gelang, getötet. Einige Varianten, darunter ein detaillierter Bericht, den ein angeblicher Zeuge RT gab [Russia Today], behaupteten, dass die ‚Radikalen‘ den Föderalismus-Befürwortern ins Gebäude und die Treppen hinauf gefolgt seien und einige Opfer erdrosselt hätten.

Balinski war einer der ersten, der das Gebäude nach dem Brand betrat, und seine Fotos sind eine wichtige Informationsquelle dafür, was tatsächlich vorgefallen ist.

Im Voraus geplant

Balinski präsentiert Beweise, die darauf hindeuten, dass zumindest einige der [pro-russischen] Föderalismus-Befürworter schon vor dem Angriff Barrikaden im Gewerkschaftshaus errichtet hatten, inklusive eines Vorrats von Molotowcocktails und Brennflüssigkeit. Er deutet an, dass sie im Voraus und vorsätzlich Leute dafür ausgesucht hatten, um das Gebäude zu besetzen und zu verteidigen, mit Aufrufen dazu nicht nur vom Platz vor dem Gebäude, sondern auch schon früher, zum Beispiel in sozialen Netzwerken.

Einige der Pro-Föderalismus Anführer einschließlich Artjom Davidtschenko, wendeten eine List an, um ungefähr 380 Leute in das Gebäude zu locken. Die Menschen wurden nach den ersten Zusammenstößen im Stadtzentrum angerufen und gebeten, mit Medikamenten und anderen Dingen vorbeizukommen. Zeuginnen und Zeugen berichteten auch, dass man einigen Passagieren der Straßenbahnlinie 18 bei der letzten Haltestelle mitteilte, dass eine Bombe in der Straßenbahn sei und sie sich im Gewerkschaftshaus verstecken sollten.

Obgleich dies keine offizielle Schlussfolgerung der gesamten Untersuchungsgruppe ist, glauben einige Mitglieder, dass es widersprüchliche Meinungen innerhalb derjenigen Gruppen gegeben habe, die an dem Zeltlager der Föderalismus-Befürworter am Kulikowo Polje beteiligt waren. Nach Nachrichten in sozialen Netzwerken etc. zu schließen, scheint es eine Gruppe gegeben zu haben, die den Angriff auf eine Demonstration zur Unterstützung der Einheit am frühen Nachmittag im Zentrum von Odessa initiierte. Es scheint wahrscheinlich zu sein, dass die Besetzung und Verteidigung des Gewerkschaftshauses (ein Spiegelbild der Besetzung des Gewerkschaftsgebäudes in Kyiw durch dortige Maidan-Unterstützer) vielleicht Teil der Pläne dieser Splittergruppe gewesen sein könnte.

Bewaffnete Verteidigung

Eine Schar von Pro-Maidan Aktivisten erschien weder plötzlich am Kulikowo Polje, noch hatten sie auf ihrem Weg ein Geheimnis aus ihrer Absicht gemacht, das Zeltlager , das Föderalismus-Befürworter einige Zeit vorher errichtet hatten, gewaltsam zu räumen. Dennoch machte die Polizei keine Anstalten, das Zeltlager abzusperren oder eine Konfrontation auf andere Weise zu verhindern.

Es stimmt sicherlich, dass die Menge außerhalb des Gewerkschaftsgebäudes mehrheitlich aus Befürwortern der Einheit und des Maidans bestand und dass im Inneren hauptsächlich Föderalismus-Befürworter waren. Jeder, der einen Molotowcocktail in ein Gebäude schleudert, wie das einige Einheits-Befürworter zweifellos taten, agiert mit einer kriminellen Missachtung des Risikos, welches das für Leib und Leben bedeutet.

Die Propagandaversion lässt allerdings gewisse wesentliche Fakten außer Acht.

Molotowcocktails wurden sowohl vom Dach als auch vom Foyer des Gebäudes geworfen. Waffen wurden auch von Föderalismus-Befürwortern, die auf dem Dach positioniert waren, und von fünf weiteren Stellen innerhalb des Gebäudes aus benutzt.

Trotz der Gefahr, die das für jeden darstellte, der sich in der Nähe des Gebäudes befand, gibt es umfangreiches Video-Material und Fotos, die die verzweifelten Versuche von Einheitsbefürwortern zeigen, die Menschen zu retten, die im Gebäude gefangen waren. Aus der Berichterstattung, die von außen gesendet wurde wird klar, dass niemand eine Vorstellung von der tatsächlichen Zahl der Menschen im Inneren hatte.

Der Brand

Balinski teilt das Feuer in zwei Phasen, wobei die erste um 19:44 Uhr begann und 9 Minuten dauerte.

Diese Phase endete mit dem Auftreten einen Kamineffekts, der dazu führte, dass das Treppenhaus innerhalb einer Minute in Feuer aufging und das Feuer sich sehr rasch ausbreitete.

„Die besonders tragische Natur des Feuers im Gewerkschaftshaus in Odessa am 2. Mai 2014 ist mit der raschen Entwicklung der zweiten Phase verbunden.“

Das Feuer schloss nahezu augenblicklich das Treppenhaus bis zum dritten Stockwerk ein, dann das vierte, und es durchdrang Holz- und Metall-Plastiktüren und Gangtrennwände im ersten Stockwerk.

Die Menschen, die sich beim Fenster des Treppenhausabsatzes im Zwischengeschoss gesammelt hatten, waren plötzlich vom Feuer bei Temperaturen bis zu 700°C eingeschlossen. Sie starben entweder durch das Feuer selbst oder als sie aus dem Fenster sprangen, um dem Brand zu entkommen. Im vierten und fünften Stockwerk, wo die meisten Leichen gefunden wurden, sind die Menschen vermutlich durch das Einatmen von Rauch oder giftigen Gasen ums Leben gekommen, bevor das Feuer zu ihnen vordrang.

Keine anderen Todesursachen

Die Bezeichnung Massaker bedeutet normalerweise, dass Hunderte Menschen ums Leben gekommen sind. Insgesamt wurden 42 Leichen geborgen, von denen eine nie identifiziert wurde. Es gibt keinen Hinweis auf andere Opfer, und die Zahl der Menschen, die damals in Odessa verschwanden, entspricht völlig der normalen Vermisstenstatistik.

Obgleich die Behörden der Gruppe 2. Mai nicht erlaubten, die Ergebnisse der forensischen Ermittlungen zu sehen, fanden weder Balinski noch Wolodomyr Sarkisjan, ein forensischer Toxikologe, Hinweise auf Todesfälle, die nicht durch Feuer, Rauch und giftige Gase zu erklären wären. Die Opfer durch Einatmen von giftigen Gasen enstanden in erster Linie durch Gegenstände, die für die Barrikadierung der Foyertüren verwendet wurden. Darunter waren verschiedene Polstermöbel, die nicht nur leicht entzündlich waren, sondern auch Schaumstoffe, Polyurethane und andere Materialien enthielten, die giftige Substanzen an die Luft abgeben, wenn sie verbrannt werden. Es waren auch Molotowcocktails und die Brennflüssigkeit dafür da, ein Gasgenerator und ein Kühlschrank, der Freon enthielt, was zu den giftigen Substanzen noch hinzukam, die sich entwickelten, als die Temperatur auf über 600°C anstieg.

Eine Tragödie, die nicht abgewendet wurde

Die Feuerwehr wurde um 19:31 Uhr gerufen, und das Feuer draußen wurde gemeldet, das anschließend die Barrikaden im Inneren in Brand setzte. Es ist nicht geklärt, wer das Feuer ursprünglich auslöste, da beide Seiten Molotowcocktails warfen. Es gab Treffer der Föderalismusbefürworter auf dem Dach: Eine Fackel trifft ein Zelt bei 2’ 16” im Video hier:

während in der ersten Minute dieses Videos einer der Molotowcocktails, die vom Dach geworfen wurden, ein Zelt traf:

Eine prompte Reaktion der Feuerwehr hätte die Ausbreitung des Feuers verhindern und den Menschen die Flucht aus der Gefahrenzone ermöglichen können. Der Rettungsdienst wurde mehrmals gerufen, die ersten Helfer kamen aber erst um 20:16 Uhr.

40 Minuten lang waren es Befürworter der Einheit, denen es gelang, mehrere Dutzend Menschen aus den verqualmten Büros im zweiten und dritten Stock des Gebäudes zu retten. Siehe:

(ab Minute 2’).

Brandstiftende Lügen

Die Verwendung von sorgfältig bearbeitetem Material und die Nichtanerkennung von eindeutigen dokumentarischen Filmberichten und Videobeweisen, die die Behauptungen eines Massakers widerlegen, lassen keinen Raum für Illusionen bezüglich der Motive derer, die sie so lauthals äußern.

Die meisten Pogrome begannen in ähnlicher Weise mit völlig ungerechtfertigten Behauptungen schrecklicher Verbrechen, die von einem oder mehreren Juden begangen worden sein sollten.

Diejenigen, die das Massaker-Narrativ der Tragödie vom 2. Mai forcieren, sind sich der brandstiftenden Wirkung, die ihre Worte haben können, wohl bewusst. Es gibt zahlreiche Berichte über junge Männer, die Odessa als Grund dafür anführen, warum sie in den Donbas gingen, um an der Seite der vom Kreml unterstützen Soldaten zu kämpfen.

Sie wurden zynisch hinters Licht geführt.

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 10.04.2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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