Empörung über russische Biker-Fahrt zum “Sieg” nach Berlin (Newsweek)

Der [damalige] russische Ministerpräsident Wladimir Putin fährt mit Alexander Saldostanow,, dem Anführer der Motorradfahrergruppe “Nachtwölfe”, bei einem Biker-Festival in der südrussischen Stadt Noworossijsk am 29. August 2011. - Foto Ivan Sekretarev / REUTERS

Der [damalige] russische Ministerpräsident Wladimir Putin fährt mit Alexander Saldostanow,, dem Anführer der Motorradfahrergruppe “Nachtwölfe”, bei einem Biker-Festival in der südrussischen Stadt Noworossijsk am 29. August 2011. - Foto Ivan Sekretarev / REUTERS 

14. April 2015 • Empfehlung, Krim, Russland

Artikel von: Damien Sharkov
Quelle: Newsweek, 13. April 2015

Polnische Aktivisten haben angekündigt, dass sie die Einreise eines russischen Bikerclubs nach Polen verhindern wollen, nachdem dieser seine Pläne einer Fahrt durch mehrere europäische Länder in diesem Monat auf dem Weg nach Berlin aus Anlass der Eroberung der Stadt durch die Roten Armee vor 70 Jahren veröffentlicht hatte.

Der russische Motorradtourismus-Verband hat eine Fahrt mit mehreren Bikerclubs nach Berlin organisiert, die am 9. Mai bei Gedenkveranstaltungen anlässlich des Sieges der Alliierten im Zweiten Weltkrieg teilnehmen wollen. Zu der Reisegruppe gehören auch Mitglieder der umstrittenen Motorradgang Nachtwölfe, die ihre Beteiligung auf ihrer Website angekündigt haben.

Die Gruppe hat eine Präsenz im Osten der Ukraine und auf der Krim, und sie haben die ukrainische Regierung in Kyiw als “Söldner, Pseudodemokraten” verunglimpft, nachdem eines ihrer Mitglieder wegen seiner angeblichen Beteiligung auf Seiten der pro-russischen Separatisten verhaftet wurde. Der damalige russische Ministerpräsident Wladimir Putin ist mit der Gruppe im Jahr 2011 in aller Öffentlichkeit mitgefahren.

Die geplante Route startet in Moskau und fährt über Minsk und Brest in Belarus, Breslau in Polen, Brünn und Prag in der Tschechischen Republik, Bratislava in der Slowakei, Wien in Österreich, München, Torgau und Berlin-Karlshorst, bevor sie schließlich in Berlin ankommt.

Als Zeichen des Protests gegen den Besuch hat eine Gruppe von polnischen Aktivisten eine offizielle Petition an die Regierung aufgelegt, sie möge den Motorradfahrern an der Einreise nach Polen hindern. Eine Facebook-Seite wurde ins Leben gerufen für die Lobbyarbeit bei der Regierung, in ihr sind bereits fast 10.000 Mitglieder versammelt. Ein Beitrag auf der Seite bezeichnet die geplante Motorradfahrt als Warnung an alle europäischen Nationen “und den Beginn einer russischen Aggression”.

Das polnische Außenministerium war nicht unmittelbar bereit, die Veranstaltung zu kommentieren.

Der russische Verband für Motorradtourismus hat bestritten, dass die Veranstaltung politischer Natur sei, und der Präsident der Nachtwölfe, Alexander Saldostanow alias “Chirurg”, sagte der russischen Presse, dass sie lediglich beabsichtigten, der Niederlage des Faschismus zu gedenken.

Nach Angaben von Marcin Rey, einem der Aktivisten der Initiative, die die Nachtwölfe stoppen will, ist das weit von der Wahrheit entfernt.

“Diese Biker sind keineswegs lediglich Motorradfahrer, das sind politisch motivierte, staatlich unterstützte Schläger auf Motorrädern,” sagt Rey. “Sie kamen schon vor der Annexion auf der Krim an. Saldostanow erklärte damals: ‘Wohin wir auch kommen, da ist Russland’. Wir wollen hier keinen hybriden Krieg mit  “grünen Männchen”, die diesen Jungs folgen;” sagt Rey, wobei er sich auf die umgangssprachliche Bezeichnung für die pro-russischen Truppen bezieht, die die Krim im vergangenen Jahr besetzt haben.

“Sie sollten nicht hereingelassen werden, nach Polen. Wenn sie es tun, werden sie eine sehr harte Zeit haben. Sie sind nicht willkommen,” meint Rey.

“Saldostanow sagt, Russland habe Polen befreit. In Polen sind wir nicht der Ansicht, die Rote Armee habe uns befreit. Nazi-Deutschland und die kommunistischen Sowjetunion waren von 1939 bis 1941 Verbündete und haben Polen gleichzeitig angegriffen.”

Rey fügt hinzu: “Als die Rote Armee auf dem Weg nach Westen nach Polen kam, war das eine erneute Besetzung. Sie töteten, sie zerstörten, und sie vergewaltigten Hunderttausende polnischer Frauen wahllos. Es gibt immer noch viele Menschen in Polen, die sich daran erinnern.”

Rey und seine Mitstreiterinnen sagen, dass sie im Gespräch mit ähnlich gesinnten Demonstranten in der Tschechischen Republik, Belarus und Deutschland einen gemeinsamen Widerstand gegen die Biker-Gruppe bilden möchten.

Obwohl die Protestorganisatoren die Anwendung von gewalttätigen Methoden nicht gutheißt, um die Nachtwölfe zu stoppen, gibt Rey zu, dass andere Polen wahrscheinlich in ihrer Abneigung gegen die Biker-Gruppe weniger diplomatisch sein könnten.

“Wir raten dringend vor jeder körperlichen Auseinandersetzung ab, und wir sind besorgt darüber, in Polen zu vernehmen, dass viele offenbar über solche Taten nachdenken, obwohl wir die Gefühlslage verstehen,” sagt Rey und fügte hinzu, er habe gesehen, dass Fußball-Hooligans Angriffe auf die Biker auf der Protestseite diskutieren.

“Sie sollten weder Steine noch Molotowcocktails werfen, um sie zu blockieren,” sagt Rey. “Das wären deren Methoden. Wir sind zivilisierte Menschen.”

Auf Nachfrage von Newsweek sagte die Berliner Stadtverwaltung, sie hätten keine Kenntnis darüber, dass die Bikertour der Nachtwölfe in die deutsche Hauptstadt gehen soll.

Artikel von: Damien Sharkov
Quelle: Newsweek, 13. April 2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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