Eine mysteriöse Gruppe bekennt sich zu den aufsehenerregenden Morden

Der Innenhof, in dem der Journalist und Schriftsteller Oles Busina am 16. April ermordet wurde

Der Innenhof, in dem der Journalist und Schriftsteller Oles Busina am 16. April ermordet wurde 

19. April 2015 • Empfehlung, Menschenrechte, Nachrichten, Politik

Artikel von: Oleg Suchow
Quelle: KyivPost 17. April 2015

Oleh Suchow

Oleh Suchow

Die Ukraine verstärkt die Sicherheitsmaßnahmen, nachdem es eine Reihe aufsehenerregender Morde in Kyiw gab, für die am 17. April eine mysteriöse, unbekannte Gruppe die Verantwortung übernahm.

In dieser Woche wurden der ehemalige Abgeordnete Oleg Kalaschnikow und der Journalist Oles Busina – beide bekannt für ihre pro-russischen Positionen – innerhalb von 24 Stunden getötet. Die Taten folgten einer Reihe mysteriöser Selbstmorde und vermuteter Morde von ehemaligen Verbündeter des früheren Präsidenten Wiktor Janukowytsch.

Die jüngsten Attentate wurden einmal ukrainischen Nationalisten, dann wieder dem russischen Geheimdienst zugeschrieben und riefen Spekulationen über mögliche Verbindungen zwischen dem Kreml und gewissen ukrainischen ultranationalistischen Gruppen hervor. Nach einer anderen Version wurden Kalaschnikow und Busina durch ehemalige Janukowytsch-Vertraute umgebracht, damit sie nichts mehr aussagen können.

Als Folge der Morde rief Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk am 17. April die Exekutivorgane dazu auf, die Sicherheitsmaßnahmen im Vorfeld der Feiern zum Tag des Sieges am 9. Mai zu verstärken.

„Es gibt keinen Zweifel daran, dass anti-ukrainische Kräfte die Feiern zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs, sowie andere Maifeiertage dazu nutzen, um die Situation zu destabilisieren“, sagte er.

Der Politologe Wolodymyr Fesenko, Vorstandsvorsitzender des Zentrums für angewandte politische Forschung „Penta“, schreib am 17. April auf Facebook, dass eine Gruppe, die sich selbst „Ukrainische Aufständische Armee“ nennt, ihm eine Email sandte, in der sie sich zu den Morden an Kalaschnikow und Busina bekannten. Sie übernahmen auch die Verantwortung für die Tode der früheren Janukowytsch-Mitarbeiter Michail Tschetschetow, Alexander Pekluschenko und Stanislaw Melnyk in diesem Jahr. Laut Polizeiangaben begingen Tschetschetow, Pekluschenko und Melnyk Selbstmord.

Die unbekannte Gruppe lieh sich ihren Namen von der „Ukrainischen Aufständischen Armee“ des Nationalistenführers Roman Schuchewytsch, die 1942-1956 gegen die Nazi- und Sowjettruppen kämpfte und heute vom Kreml dämonisiert wird.

„Wir beginnen einen gnadenlosen Kampf gegen das anti-ukrainische Regime von Verrätern und Lakaien Moskaus. Von jetzt an werden wir mit ihnen nur in der Sprache der Waffen sprechen, bis sie endgültig vernichtet sind“, meinte die Gruppe, wie Fesenko zitierte. [Quelle]

Um ihre Verbindung zu den Morden zu bezeugen, sagte die Organisation, dass Kalaschnikow mit zwei Waffen mit den Kalibern 7.65х17 und 9х18 umgebracht wurde. Sie sagten auch, dass Kalaschnikow, bevor er getötet wurde, mit seiner Pistole schoss.

„Das bestätigt meine Vermutung, dass der russische Geheimdienst hinter diesen Leuten steht, wobei die Mörder dies wohl selbst kaum wissen“, schrieb Fesenko. „Die Aussage liefert auch Gründe zu der Vermutung, dass weitere Attentate folgen und sich möglicherweise gegen hochrangige Regierungsvertreter richten.“

Er sagte auch, dass die Morde ein Versuch des Kremls sein könnten, um einen Terrorkrieg gegen die Ukraine zu beginnen.

„Dies könnte ein Versuch russischer Geheimdienste sein, um eine neue Front – eine terroristische – gegen die Ukraine zu eröffnen, um die Situation im Land zu destabilisieren“, schrieb Fesenko.

Kremlnahe Kommentatoren bestritten eine russische Beteiligung.

Anton Geraschtschenko, Abgeordneter und Berater des Innenministers, wies das Statement der unbekannten Gruppe als möglichen Fake zurück und verwies auf mutmaßliche Diskrepanzen darin. Er bestätigte am 17. April in einem Facebook-Post, dass Kalaschnikow mit zwei Waffen erschossen wurde, aber sagte, dass er es nicht fertig brachte, aus seiner eigenen Pistole zu schießen. [Quelle]

Manche ukrainische nationalistische Gruppen wurden beschuldigt, sowohl mit dem Kreml, als auch mit dem ukrainischen Geheimdienst in Verbindung zu stehen, obwohl sie dies dementieren. Analysten spekulierten darüber, dass Russland angeblich manche ukrainische Nationalisten benutzt, um die Ukraine als „faschistisches“ Land darzustellen und um die politische Situation zu destabilisieren.

Einer dieser Beschuldigten, Dmitri Kortschinski, kooperierte mit Alexander Dugin, einem Kremlnahen russischen Imperialisten, der dazu aufrief, Ukrainer zu töten. Kortschinski war in dem Gremium von Dugins ‘Internationaler Eurasischer Union’ bevor er sich 2007 mit seinem russischen Verbündeten verwarf. 2005 brachte Kortschinski der russischen Kremlnahen Jugendgruppe „Naschi“ bei, wie sie gegen die „Farbenrevolutionen“ kämpfen.

Geheimdienste versuchen oft, nationalistische Gruppen zu beeinflussen, um sie für ihre Zwecke zu benutzen, erzählte Fesenko der KyivPost.

„Geheimdienste arbeiten oft auf diese Art“, sagte er. „Sie benutzen lokale nationalistische Gruppen und infiltrieren sie mit Mauswürfen. Sie geben ihnen Ideen und Geld.“

Unter Präsident Leonid Kutschma gab es Spekulationen, dass der ukrainische Geheimdienst Provokateure der nationalistischen Gruppen Tryzub und UNA-UNSO benutzte, um die Protestbewegung zu diskreditieren, sagte Fesenko.

Die Vorwürfe gegen den russischen Geheimdienst kamen durch Spekulationen auf, dass Busina extra für die Pressekonferenz des russischen Präsidenten, Wladimir Putin, am 16. April umgebracht wurde. Putin kommentierte das Attentat direkt nach dem Mord und machte die ukrainischen Behörden dafür verantwortlich, dass sie bei der Suche nach den Schuldigen scheiterten.

„Ich kann mich täuschen, aber ich denke, dass der Auftrag darin bestand, Busina direkt während Putins 4-stündiger Pressekonferenz zu töten“, schrieb der Journalist Artem Schewtschenko von Expresso TV in einem Facebook-Post am 16. April. [Quelle]

Der Mord an Busina, dessen Mörder bisher nicht gefunden wurden, könnte von Putin dazu genutzt worden sein, um ihn dem Mord an dem russischen Oppositionsführer Boris Nemzow am 27. November gegenüberzustellen, schrieb Schewtschenko.

Unter den mutmaßlichen Mörder von Nemzos war ein Offizier einer Polizeieinheit, die dem Tschetschenienführer Ramsan Kadyrow loyal gegenübersteht. Die Mörder wurden eine Woche nach dem Mord festgenommen, aber die Auftraggeber wurden von der Polizei nicht identifiziert. Putin-Kritiker machen entweder Kadyrow oder den Kreml für den Mord verantwortlich.

Neben den angeblichen Beteiligungen von Nationalisten und dem russischen Geheimdienst, halten es Analysten auch für möglich, dass es einen Zusammenhang zwischen den Attentaten und dem Fall gegen pro-Janukowytsch Schlägern gibt, den sogenannten „Tituschki“. Sie werden beschuldigt, Euromaidan-Protestler angegriffen oder gar getötet zu haben.

Schewtschenko verband den Mord an Kalaschnikow mit angeblichen Streitigkeiten über Geld, das dazu benutzt werden sollte, um Anti-Regierungskundgebungen zu finanzieren, die für den 9. Mai geplant seien.

Er machte Parallelen zwischen dem Tod von Kalaschnikow und dem von Ruslan Bagmut, einem Organisator von pro-Janukowytsch-Kundgebungen, der 2012 starb. Er stürzte sich von einem Gebäudedach in Kyiw oder wurde hinuntergeworfen. [Quelle]

In einem Video  das am 19. Mai 2013 veröffentlicht wurde, beschuldigte Bagmut Janukowytschs Partei der Regionen und Kalaschnikow, dass sie ihn nicht für die Organisation dieser Kundgebungen bezahlten. Er sagte darin auch, dass die Partei der Regionen ihn nach dieser Aussage umbringen könnten:

Artikel von: Oleg Suchow
Quelle: KyivPost 17. April 2015

Bild: Anna Demid Facebook https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10200446006350910&set=a.1270837909256.29376.1779127646
Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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